Weltkirche
Echtes Zeichen der Zeit
- Der Abschlussbericht der im Zuge der Weltsynode eingerichteten Studiengruppe zur „Teilnahme von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche“ wurde kürzlich veröffentlicht. Das 74 Seiten umfassende Dokument ist vorerst in italienischer und englischer Sprache auf www.synod.at abrufbar.
- Foto: Vaticanmedia
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Kirche und Frau. Ein Vatikandokument erkennt die „Frauenfrage“ in der Kirche als dringlich an.
Lang erwartet, ist er nun zugänglich: der Abschlussbericht der im Zuge der Weltsynode eingerichteten „Studiengruppe Nr. 5“, die sich mit der Rolle von Frauen in der Kirche befasste. Am 10. März veröffentlichte das Synoden-Generalsekretariat das Dokument mit dem Titel „Die Teilhabe von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche“.
Im Bericht wird die Frauenfrage definiert als ein „echtes Zeichen der Zeit“, durch das der Heilige Geist die Kirche zur Erneuerung aufrufe. Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Synode, betont darin, dass die Rolle der Frau in der Kirche primär eine „kulturelle Herausforderung“ darstelle. Er mahnt gleichzeitig zu Mut und Geduld bei der Einführung notwendiger Reformen. „In vielen Teilen der Welt gibt es tiefgreifende kulturelle Herausforderungen, die anerkannt und angegangen werden müssen“, so der aus Malta stammende Kardinal. Zu oft werde die gelebte Glaubenspraxis eher von kulturellen Traditionen als von den Werten des Evangeliums bestimmt. Ziel müsse es sein, die Kirche zu einer Kraft zu machen, die das Evangelium verkörpert, indem sie „den Respekt für die Rechte aller und die Mitverantwortung entsprechend der Berufung jedes Einzelnen fördert“.
Theologische Neuausrichtung. Der Bericht basiert auf einem breit angelegten Konsultationsprozess und gliedert sich in drei Teile. Der Ansatz der Studiengruppe besteht darin, die Reflexion „von unten“ zu beginnen. Dabei wurden Erfahrungen und Beiträge von Frauen gesammelt, die bereits heute verantwortungsvolle Positionen in der Kirche innehaben. Zu den Kernpunkten des Berichts gehören Synodalität und Ortskirchen. Es müsse eine stärkere Berücksichtigung der kulturellen Kontexte weltweit gefördert werden. Betont wird auch die sogenannte charismatische Dimension. Die Anerkennung der spezifischen Begabungen von Frauen im kirchlichen Leben gelte jenseits rein administrativer Rollen. Und schließlich sei auch der Modellcharakter der Kurienreform wichtig.
Die Entscheidung der Päpste Franziskus und Leo XIV., Frauen mit Regierungsaufgaben in der römischen Kurie zu betrauen, wird als wegweisendes Modell für die gesamte Kirche bezeichnet. Im umfangreichen Anhang des Berichts werden zentrale theologische Fragen kritisch beleuchtet. Dazu gehören eine Neubetrachtung des (von Papst Franziskus häufig ins Feld geführten) „marianischen“ und „petrinischen Prinzips“ sowie eine Analyse der kirchlichen Amtsgewalt (potestas). Auch die Rolle weiblicher Figuren in Bibel sowie Kirchengeschichte wird angesprochen, um weibliche Leitung zu untermauern. Der Bericht soll nun als Arbeitsgrundlage für die weiteren synodalen Prozesse dienen.
Quelle: Vatican News
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.