Konzil von Nicäa
Wer ist Jesus wirklich?

Nicäa, das heutige İznik, an einem See südöstlich von Istanbul gelegen, war einst eine Metropole des oströmischen Reiches. Im Jahr 325 tagte hier eine Kirchensynode, die als erstes ökumenisches Konzil in die Geschichte einging. Reste der antiken Stadtmauer und einiger Stadttore sind noch gut erhalten. | Foto: Archiv
  • Nicäa, das heutige İznik, an einem See südöstlich von Istanbul gelegen, war einst eine Metropole des oströmischen Reiches. Im Jahr 325 tagte hier eine Kirchensynode, die als erstes ökumenisches Konzil in die Geschichte einging. Reste der antiken Stadtmauer und einiger Stadttore sind noch gut erhalten.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Die brennendste Frage, die das Ökumenische Konzil von Nicäa vor 1700 Jahren zu klären hatte, war die Wesenheit Christi.

Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Schon Jesus hat bekanntlich die Antwort auf diese Frage interessiert. Und die Antworten waren – wie wir aus den Evangelien wissen – unterschiedlich. Am ehesten schien Jesus seinen Zeitgenossen ein Prophet zu sein. Jesus aber stößt nach mit einer Frage an seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ – Die Antwort des Petrus ist die Antwort, die sich die junge Christenheit zu eigen gemacht hat: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16,13–20)

Damit aber war die Diskussion noch nicht zu Ende. Denn wie Schriften des Neuen Testamentes zeigen, wird Jesus auf unterschiedliche Weise angesprochen: als Herr (kyrios), als Menschensohn, als Sohn, als Sohn Gottes, als Prophet … Nicht vergessen darf man auch, dass Jesus für sich Vollmachten in Anspruch genommen hat, die als unerhört angesehen worden sind – wenn er z. B. Sünden vergeben oder das Gesetz Gottes eigenwillig ausgelegt hat. Und nicht zuletzt hat die Auferstehung Jesu seine tiefe Verbindung mit Gott unterstrichen.

Mit der Überzeugung, dass in Jesus sich Gott als gegenwärtig gezeigt hat, ist es freilich zu einer unüberwindlichen Spannung zum Glauben des Volkes Israel gekommen. Es ist kein Zufall, dass Stephanus gesteinigt wird, als er bekennt, er sehe Jesus zur Rechten Gottes, also gottgleich. Das christliche Bekenntnis musste den Gesetzeskundigen als Gotteslästerung erscheinen.

Aber das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes war auch den griechisch Gebildeten außerhalb des Volkes Israel eine Provokation. Für sie war klar, dass der Bereich des Göttlichen und der Bereich des Irdischen streng getrennt werden müssen. Eine Menschwerdung Gottes war für sie unvorstellbar.

Man kann leicht erkennen: Das Spannungsfeld unter den Christen war groß und der theologische Streit mitunter heftig, ja handfest. Und es war nicht weit entfernt von den Fragen, die sich auch heute stellen. Sie zeigten sich nicht zuletzt in der Zeit unmittelbar vor dem ersten Konzil in der Geschichte der Kirche – dem im Jahr 325 abgehaltenen Konzil in Nicäa, einer Stadt in Kleinasien.

Die beiden prominentesten Theologen in dieser Auseinandersetzung waren Athanasius und Arius, beide aus der damals hervorragenden Kulturstadt Alexandrien. Was den Glauben an Christus betrifft, hatte sich die Lehrmeinung des Priesters Arius (†336) weit verbreitet. Er betrachtete Jesus als ein von Gott vor aller Zeit geschaffenes Geschöpf, also durchaus als ein besonderes Geschöpf, aber eben doch – ein Geschöpf. Athanasius von Alexandrien (†373) auf der anderen Seite hat die Überzeugung vertreten, dass Jesus nicht ein Geschöpf, nicht ein außergewöhnlicher Mensch sei, sondern der Mensch gewordene Sohn Gottes. So stand die brennende Frage im Raum: „Wer ist Jesus wirklich?“

Bernhard Körner

Bernhard Körner ist emeritierter Univ.-Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Graz und Mitglied der Päpstlichen Theologischen Akademie.


Konzil von Nicäa


Konstantinische Wende

Im Jahr 313 wird die Mailänder Vereinbarung zur Religionsfreiheit im gesamten Römischen Reich getroffen. Sie besiegelt das Ende der Christenverfolgungen und legt den Grundstein dafür, dass sich das Christentum zur führenden gesellschaftlichen und politischen Kraft entwickelt.

Alleinherrscher
Im September 324 besiegt der römische Kaiser Konstantin I. seinen Kontrahenten Licinius, der im östlichen Teil des Reiches regierte, und übernimmt die alleinige Herrschaft.

Sorge um die Einheit
Zur Sicherung der Einheit in dem riesigen Imperium beruft Konstantin eine ökumenische – das heißt aus dem gesamten Reichsgebiet beschickte – Kirchenversammlung ein. Diese Synode soll strittige Glaubensfragen klären und so die kirchliche Einheit garantieren.

Synode im Osten
Als Versammlungsort wählt er bewusst eine Stadt in der östlichen Reichshälfte, zunächst war Ankyra (das heutige Ankara) geplant, schließlich wurde Nicäa (heute İznik), nahe bei Konstantinopel, ausgewählt.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ