Stichwort: Mariä Himmelfahrt
Sie hat sich verduftet

Lichtstrahlen und Rosenblüten umkränzen Maria, während sie von jubilierenden Engeln in den Himmel begleitet wird. So zeigt es der barocke Hochaltar (geschaffen 1632 von Michael Hönel) des Gurker Domes, der der Himmelfahrt Marias geweiht ist. | Foto: Archiv
  • Lichtstrahlen und Rosenblüten umkränzen Maria, während sie von jubilierenden Engeln in den Himmel begleitet wird. So zeigt es der barocke Hochaltar (geschaffen 1632 von Michael Hönel) des Gurker Domes, der der Himmelfahrt Marias geweiht ist.
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Die Aufnahme Marias in den Himmel markiert die Vollendung eines außergewöhnlichen Lebens. Eine Spurensuche zwischen Dogma, Legende und Lyrik.

Ave Eva oder der Fall Maria.“ So heißt ein Musical von Peter Janssens und Wilhelm Willms, das in den 1970er-Jahren große Popularität erlangte. Mit ohrwurmartigen Melodien, denk-anstößig sprachverspielter Lyrik und provokant aufrüttelnden Botschaften bringt es Leben und Wesen der Mutter Jesu Menschen unserer Zeit nahe. In Analogie zu der Deutung, dass Jesus Christus der „neue Adam“ ist, der den Sündenfall des „alten Menschen“ aufhebt und Erlösung bringt, beschreibt es Maria als die „neue Eva“, die ihrem Sohn dabei liebend und mittragend zur Seite steht.

Eine Szene dieses Musicals ist der Legende gewidmet, die den Tod Marias umschreibt. Im Lied heißt es wunderbar blumig: „Sie hat sich verduftet, die schönste Blume auf dem Feld der Welt: Maria. / Kein Leichengeruch, kein frommer Spruch, sie hat sich verduftet: Maria. / Sie liegt in der Luft und nicht in der Gruft. / Es liegt in der Luft ein betörender Duft.“ Mir gefällt dieses Bild und der Gedanke, dem es auf die Sprünge hilft. Was von Maria in dieser Welt zurückbleibt, ist ein Wohlgeruch. In ihrem Leben hat es nichts gegeben, was Fäulnis oder Verderbnis zur Folge gehabt hätte, was nach Tod und Zersetzung riecht. Alles, was sie zurücklässt, duftet nach blühendem Leben.

Wie auf Erden, so im Himmel
Die Bibel verrät uns nichts über den Tod Marias. Nach dem Pfingstereignis, das sie mit den Jüngern gemeinsam erlebt hat (Apg 1,14), verlieren sich ihre Spuren. Auch ein Grab mit Marias Gebeinen wird – im Unterschied zu den Aposteln – nirgendwo verehrt. Doch ein Mensch, der für die christliche Glaubensgeschichte von solch eminenter Bedeutung ist, kann nicht einfach so im Nichts verschwinden.
Logisch, dass in den Leerstellen der Überlieferung bald Legenden zu sprießen beginnen. Und Legenden haben stets eine tiefere Wahrheit im Blick als die faktische. Sie geben bildhaft, symbolisch und archetypisch Einblick in das Wesen eines Menschen oder Ereignisses, in dessen tiefer liegende Bedeutung. In diesem Fall erzählt sie, dass – wie die Frauen am Ostermorgen zum Grab Jesu – drei Tage nach der Bestattung Marias die Apostel – diesmal also die Männer! – zu ihrem Grab kommen, um den Leichnam zu salben. Statt diesem finden sie jedoch in der Grabkammer ein himmlisch duftendes Blumenbeet.

Mit Leib und Seele
Sehr schnell hat sich die Idee, Maria sei mitsamt ihrem Leib in den Himmel aufgenommen worden, im Glauben der Christenheit eingewurzelt. So eng, wie Maria im irdischen Leben mit Jesus verbunden war, und so sehr sie das Wort und den Willen Gottes verinnerlicht hatte, so muss es auch als Auferstandene im ewigen Leben sein. Es wäre ja schwer vorstellbar, dass Jesus diese vollendete Gemeinschaft mit seiner geliebten Mutter nicht teilen wollte.

Während die Ostkirche lieber von der „Entschlafung Mariens“ spricht und eine Ikonographie bevorzugt, in der Christus an das Sterbebett seiner Mutter tritt und deren Seele in Empfang nimmt, wurde im Abendland die Himmelfahrt Marias als Titelfest vieler Kirchen gewählt und zu einem beliebten Motiv in der Kunst. Die katholische Kirche betrachtet die weithin verbreitete Tradition, die von Kirchenlehrern wie Bonaventura und Thomas von Aquin gestützt wird und sich in vielfältigen Frömmigkeitsformen manifestiert hat, als „Sensus fidelium“, als Glaubenssinn der Gläubigen.

Schließlich wurde dieser Glaube im Jahr 1950 zum Dogma erklärt. Papst Pius XII. proklamierte in der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus“: „Es ist von Gott geoffenbarte Glaubenslehre, dass die Unbefleckte Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“ Denn wenn – so wird argumentiert – es Christus möglich sei, seine Mutter „vor der Verwesung des Grabes unversehrt zu bewahren“, so „muss man glauben, dass er dies wirklich tat.“

Ein ewiges Leuchten
Viel schöner drückt es Karl Rahner aus: „Da ist es doch einmal wahr geworden, was unser Herz in seinen bitteren Erfahrungen fast nicht glauben kann: Es gibt einen Menschen, der ohne Reue in seine Ewigkeit eingehen kann: Maria. Sie braucht nicht einen Augenblick ihres Lebens zu verleugnen, keiner ist leer und tot geblieben. Sie darf zu jeder Tat ihres Lebens stehen, keine war dunkel, keine ist versunken, ohne ein ewiges Leuchten zu entzünden, ohne zu strahlen mit der Leuchtkraft, die die sittlichen Möglichkeiten jedes Augenblickes restlos aufbrauchte.“ Von Maria bleibt nichts zurück, was begraben werden müsste, kein bitterer Nachgeschmack, keine stickig modernde finstere Gruft, sondern nur ein betörender Duft. Sie hat sich verduftet und verlichtet.

Alfred Jokesch


Liturgie, Konzert

Mariä Himmelfahrt

14. August:
Allerheiligenkirche, Graz. 18 Uhr,
Marienvesper, Musik: Ana Ata-laia, Eleonore Kratochwil-Zisler, Birgit Schweighofer. – Danach: Exsultate, iubilate, KV 165 (W. A. Mozart), Mozart-Streichquartett, Ana Atalaia (S). Leitung: Dejan Cacic.
pv-graz-christkoenig-schutzengel.graz-seckau.at

Basilika Mariazell. 17 Uhr feierliche Marien-Andacht. 20.30 Uhr Lichterprozession. Musik: Bläserensemble sine nomine.

15. August (Auswahl):
Dom. 10 Uhr. Musik: Messe in C-Dur „Credomesse“ KV 257 (W. A. Mozart); Dommusik Graz, Domorganist Christian Iwan; Leitung: Domkapellmeisterin Melissa Dermastia.

Graz-Mariahilf (9.30 Uhr), Graz-Mariä Himmelfahrt (Patrozinium), 11.30 Uhr. Musik: Missa in Es-Dur op. 107 (A. Diabelli), SolistInnen, Grazer Sommerchor. Dirigentin: Veronika Karner.

Graz-Mariatrost. 10.30 Uhr, Basilika. Mit Abt Gerhard Hafner OSB (Admont). Musik: Credo-Messe in C-Dur KV 257 (W. A. Mozart), Chor der Basilika Mariatrost.

Hartberg/Masenberg: 11 Uhr Wasser- und Kräutersegnung, Fatima-Glückskapelle.

Kapellen a. d. Mürz: Bergmesse am Ameisbühel, 10.30 Uhr, Erzherzog-Johann-Kreuz.

Basilika Mariazell.
10 Uhr Festmesse zum Heiligen Jahr – Hoffnungsmesse, mit Diözesanbischof Alois Schwarz. Musik: sine nomine (Karlsruhe).
Maria Buch. 8, 9, 10 und 11 Uhr
hl. Messe; 15 Uhr Segensandacht. – Krämermarkt, Musik.

Maria Lebing. 9 Uhr, mit Neupriester Thomas Lang. Kräutersegnung, Primizsegen. Musik: Hermine Pack.

Kloster Maria Fatima, Trössing. 10 Uhr hl. Messe und Glockensegnung mit Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, 70 Jahre Maria Fatima
.
Oberwölz, Winklern: 9 Uhr hl. Messe mit Kräutersegnung, Wallfahrtskirche Maria Altötting.
Schöckl/Jahnwiese. 11 Uhr Wortgottesdienst mit Kräuter-, Brot-,
Wein- & Wettersegnung; Familienmusik Mayrold-Neubauer.

Schüsserlbrunn. 12.30 Uhr hl. Messe.

Söchau: 8.30 Uhr Gottesdienst, Hildegard-von-Bingen-Kapelle. Agape von den KFB-Frauen.

Voitsberg. 16 Uhr hl. Messe mit Kräutersegnung. Schablauerkapelle in Arnstein.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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