15. Sonntag im Jahreskreis | 12. Juli 2026
Meditation
- Foto: Carmelitani Scalzi – Provincia Ligure
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Gott im Alltag
Ein einfacher Karmelit des 17. Jh. inspirierte nicht nur Papst Franziskus, sondern unlängst auch BesucherInnen, die in Graz beim Bildungsforum bei den Minoriten Weihbischof Johannes Freitag lauschten. Er sprach über einen gewissen Bruder Lorenz, auch „Küchenbruder Lorenz“ genannt.
Lorenz von der Auferstehung, wie der Ordensname von Nicolas Herman (1614–1691) lautet, unterscheidet sich von anderen großen Theologen. Kaum Schriftliches ist von ihm vorhanden. Sein späteres Ordensleben war geprägt vom einfachen Dienst in der Küche und seiner späteren Arbeit als Schuster.
„Sein Motto war, dass Gott stets da ist“, so der Weihbischof über ihn. In der Gegenwart Gottes bekomme selbst das Einfachste im Leben eine besondere Qualität. „Ich wende die Omelette aus Liebe zu meinen Mitbrüdern und repariere Schuhe mit Dankbarkeit für das Leder und das Leben des Tieres“, ist von Bruder Lorenz überliefert – und das, obwohl ihn seine Arbeit nicht sonderlich begeistert hat. Arbeit und Gebet trennt er nicht – ein revolutionärer Gedanke. Weil Gott immer und überall dabei ist, werden Arbeit und Alltag für ihn vielmehr zum Gebet. „Jede und jeder kann Gott im Alltag finden“, ist auch der Weihbischof überzeugt. Das Vertrauen darauf, dass Gott immer da sei, führe zur wahren inneren Freiheit. Wissend, dass da noch etwas kommt, akzeptiere man sogar das Sterben als Teil des Lebens. Bis es so weit ist, gilt laut Weihbischof Johannes Freitag: „Jeder Atemzug ist ein Geschenk Gottes, das man sich nicht kaufen kann.“
Vom späteren Bruder Lorenz, der in Lothringen zur Welt kam und einst Soldat im 30-jährigen Krieg war, sind einige Meditationen überliefert, die auch Papst Leo XIV. begeistern. Etwa der Gedanke, dass Gott durch menschliches Tun und Reden „Hand und Fuß“ bekommt. Zudem betonte der Karmelit immer wieder auch die Gelassenheit. Wichtig sei, sich selbst nicht in Dingen zu ergehen, die man nicht in der Hand habe. Denn letztendlich füge Gott alles so, dass es passe. „Und er schenkt uns morgen einen neuen Tag, zeigt uns wieder Schönes und lässt uns Gutes erfahren“, sagt der Weihbischof im Anschluss an den „Küchenbruder Lorenz“. Man müsse all das Schöne und Gute nur erkennen wollen.
Thomas Stanzer/Red.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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