Pfingstsonntag | 31.05.2020
Meditation

Bereit zum Aufbruch hängen Jacke, Kappe und Spazierstöcke im Zimmer von Altbischof Johann Weber im Pflegeheim bei den Dienerinnen Christi in Graz.
  • Bereit zum Aufbruch hängen Jacke, Kappe und Spazierstöcke im Zimmer von Altbischof Johann Weber im Pflegeheim bei den Dienerinnen Christi in Graz.
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Alles ist in Gottes Hand
Bischof Johann Weber im Gespräch mit Andrea Kager-Schwar zu seinem 85. Geburtstag.

Herr Bischof, denken Sie auch manchmal über Ihr Alter und was dann irgendwann einmal auf Sie zukommen wird nach?

„Ich selber staune ein bisschen, dass ich so alt bin. Ich war nämlich nie ein großer Sportler oder ein Mensch mit viel Wellness. Es hat sich einfach so gefügt. Und ich verhehle gar nicht, dass ich da nicht federleicht drüber schwebe, sondern – in der Pfarre in der ich bin (Graz-St. Leonhard, Red.), haben wir zum Beispiel acht Altersheime – wenn man die ganze Mühsal des Alters sieht, das ist mir nicht gleich. Vorläufig aber geht’s mir gut, und ich weiß, das kann morgen anders sein. Das bewegt mich schon sehr.
Ich hoffe einfach, dass ich die Herausforderung – wie immer sie kommt: Es kann etwas plötzlich geschehen, es kann etwas lang dauern, es kann eine geistige Umstellung sein, Demenz ist schon eine große angstauslösende Vorstellung – ich hoffe einfach, dass es mir geschenkt ist, da durchwandern zu können.
Bei Heiligengeschichten, wo ich mich ja nicht einreihen möchte, wird immer berichtet, wie wunderbar die gestorben sind. Ich kann nicht dafür garantieren. Vielleicht sterbe ich auch einmal sehr enttäuschend. Hätten wir uns besser erwartet von dem Bischof. Was weiß man?
Ich möchte darauf vertrauen, dass letzten Endes, wie immer meine noch bleibenden Lebensjahre sind, diese fast übliche Redeweise „Alles ist in Gottes Hand“ bleibt. Dass auch im Leiden, in der Verwundung die Hand Gottes bei mir spürbar ist. Man kann da selber etwas dazutun hoffentlich, aber ich hoffe, dass mir das geschenkt bleibt.
Ich kann dem lieben Gott nicht sagen: Bewahre mich davor! Aber ich kann sagen: Freuen tät’s mich schon, wenn’s halbwegs gut ginge!
Naturgemäß denkt man in meinem Alter schon sehr ans Sterben. Und ich bin immer ein bisschen skeptisch bei Reden, wie groß die Sehnsucht nach dem Himmel schon ist und so. Denn man lebt schon gern.“

Bischof Johann Weber im Gespräch mit
Andrea Kager-Schwar zu seinem 85. Geburtstag.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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