Wegmarken der CARITAS | Teil 2
Sicheres Obdach
- Man bezeichnete die unterernährten Kinder als „Butterkinder“, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs in andere Länder auf Erholung geschickt wurden. Spanien war eines der Länder, wohin die Kinder mit der Caritas gebracht wurden, um aufgepäppelt zu werden.
- Foto: culturalatina.at/Privates Archiv Helmuth Rohr
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„Diözesane“ Caritas löst nach dem 2. Weltkrieg die Caritasverbände ab.
Am 18. Oktober 1945 fand auf Einladung des Salzburger Caritasdirektors, Prälat DDr. Franz J. S. Fiala, die erste Direktorenkonferenz der Caritas statt. Zu Beginn der Konferenz benannte Prälat Fiala, dass es durch die sieben Jahre Nazizeit, in der die meisten Caritasverbände, Vereine und Stiftungen aufgelöst waren, „still in der Caritasarbeit“ geworden sei. Nun aber sei es laut geworden, „sehr laut ist der Ruf nach Behebung der großen Not, die sich in vielerlei Gestalten täglich an unsere Caritasbüros herandrängt“.
Daraus entsprang der Wunsch nach gemeinsamer Beratung, und es wurde der Wiener Caritasdirektor Domkapitular, Dr. Jakob Weinbacher, zum Vorsitzenden gewählt.
Die allgemeine Lage brauche, so die Direktoren, alle Kraft zur Bewältigung der Not, trotz wirtschaftlicher Krise: „Die Notstände drängen uns aber derartig, dass wir einfach zugreifen müssen (Flüchtlingsproblem)“.
„Caritasgeist“ und Pfarrcaritas
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sah man bei dieser Konferenz schon eine Grundhaltung in der Caritasarbeit: „Heute handelt es sich zuerst darum, dass der ‚Caritasgeist‘ in den Menschen geweckt wird, dass sich jeder verantwortlich fühlt für den Nächsten … Dem Hass, der jahrelang gepredigt worden ist und der den Geist der Rache erzeugt hat, muss ein Damm entgegengesetzt werden. Und das ist unsere Arbeit: durch die Liebe den Hass überwinden.“
Konkretisiert wurde diese Grundhaltung im Blick auf die Pfarren. Es brauche unbedingt in jeder Pfarre eine Pfarrcaritas, die die Caritasgesinnung lebe. Von allen Diözesen kam die Feststellung, dass sich die Caritasverbände überlebt hätten. Eine Neuorientierung war angesagt.
Bischof als oberster Träger der Caritas
Ausgangspunkt der neuen strukturellen Entwicklung war ein Beschluss der Bischofskonferenz vom September 1945. Die Caritasverbände sollten „vorläufig noch bestehen bleiben. Späterhin sollen sie aufgelöst und es soll dann nur mehr ein Caritaswerk (Diözesancaritasstelle, -amt) da sein, das alle karitative Arbeit trägt. Prinzip ist, dass der Bischof selbst der oberste Träger der Caritas ist.“
Die strategische Überlegung, ausgehend von den bitteren Erfahrungen der Nazizeit, war eindeutig: Nur der Bischof und sein Ordinariat seien in schwierigen Zeiten ein sicheres Obdach. Die theologische Verschiebung, dass die Ausübung der Nächstenliebe Pflicht jedes/r Gläubigen sei und von daher der Bischof selbst dafür in diesem Sinne verantwortlich tätig sein müsse. Damit wurde eine über viele Jahrzehnte gewachsene Struktur radikal geändert.
Wie die darauf folgenden Jahre zeigten, nehmen die Bischöfe und die Caritas diese Neupositionierung sehr ernst. Der Österreichische Caritasverband sollte jedenfalls „nicht wieder aufleben“. An seine Stelle war eine Arbeitsgemeinschaft der Caritasdirektoren getreten. Diözesane und österreichweit organisierte Aktivitäten pflegten sodann immer stärker das Bild einer „gemeinsamen“ Caritas.
IM ORIGINALTON
Man musste nicht alles erfinden, sondern alles unter noch drängenderen, leidvollen Umständen neu beginnen. Denn Not lässt sich nicht wie Schutt wegräumen. Nein, Not muss man lindern, Not muss man beheben.
- Dr. h. c . Franz Küberl war 1994–2016 steirischer Caritas-Direktor und prägte als Präsident von
Caritas Österreich (1995–2013) die Geschicke der Caritas.
Auf Basis seiner sorgfältigen Nachforschungen zeigt er für das SONNTAGSBLATT entscheidende Wegmarken in der Wirkungsgeschichte der Caritas in Österreich. - hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Dr. h. c . Franz Küberl war 1994–2016 steirischer Caritas-Direktor und prägte als Präsident von Caritas Österreich (1995–2013) die Geschicke der Caritas.
Auf Basis seiner sorgfältigen Nachforschungen zeigt er für das SONNTAGSBLATT entscheidende Wegmarken in der Wirkungsgeschichte der Caritas in Österreich.
- Franz Küberl
Von der KRIEGS- zur FRIEDENS-CARITAS.
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Linz: Wagner Verlag 2024, ISBN: 978-3-903040-86-1, 28 EUR. - hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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