SinnVoll | Teil 3
In der Freude leben

Berufung – kein Ziel, sondern ein Weg mit unzähligen Abzweigungs- und Umkehrmöglichkeiten. 
 | Foto: Am Jakobsweg, Pexels
3Bilder
  • Berufung – kein Ziel, sondern ein Weg mit unzähligen Abzweigungs- und Umkehrmöglichkeiten.
  • Foto: Am Jakobsweg, Pexels
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

SinnVoll - Eine Serie zum Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 26. April

Priester – der coolste Beruf?

Priester – das muss echt der coolste Beruf sein, den es gibt!“ Mit diesem Satz hat mich ein Jugendlicher aus unserer Jugendgruppe vor einiger Zeit ziemlich überrascht und zugleich erfreut. Offenbar gelingt es uns doch in diesem Beruf, die eigene Freude und Begeisterung für das, was wir tun, auszustrahlen. Und auch, wenn wir untereinander sehr oft in ein Muster des Lamentierens verfallen – viele Priester antworten auf die Frage „Wie geht es dir?“ oft mit dem Verlesen des Terminkalenders – bin ich doch davon überzeugt, dass das zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört: Die eigene Berufung mit Freude zu leben.
Genau das war es auch, was ich auf meinem eigenen Berufungsweg erfahren durfte. Da war zunächst mein verstorbener Heimatpfarrer: Ein Seelsorger durch und durch, der über alles, was in seinen drei Pfarren vor sich ging, Bescheid wusste, da er als leidenschaftlicher Fotograf überall unterwegs und mit Menschen im Gespräch war. Das hat mich als Jugendlicher fasziniert und ich war – damals war er der einzige Priester, den ich kannte – überzeugt davon, man müsse genau so wie er sein, wenn man Priester werden wolle. So sehr ich ihn auch geschätzt habe, gab es dann aber doch Dinge, mit denen ich mich nicht so sehr identifizieren konnte.

Erkenntnis am Weg. Ich erinnere mich daher sehr gut an den Sommer nach meiner Firmung, als ich gemeinsam mit meinem Vater am Jakobsweg unterwegs war und in mir die Frage bis zur Verzweiflung gearbeitet hat, ob ich mir dieses Leben auch vorstellen könnte. Meine Erkenntnis am Ende des Weges: „Es fällt mir schwer, ich muss sehr viel an mir arbeiten, aber es muss wohl sein, es zieht mich da hin.“
Meine Erleichterung war enorm, als ich im darauffolgenden Herbst nach Graz kam und plötzlich, als Schüler im Bischöflichen Seminar, eine Reihe von Priestern kennenlernte, die unterschiedlicher nicht sein konnten und dabei eine Freude an ihrer Berufung ausstrahlten, die einfach nur schön war. Da war ein Regens, mit dem man abends, wenn man ihn beim Fußballschauen störte, einfach über alles reden konnte. Da war ein Spiritual, immer mit der Gitarre in der Hand, bei dem wir uns fragten, wie das ginge, immer fröhlich zu sein. Da war der damalige Jugendseelsorger, mit dem wir uns im Winter Schneeballschlachten lieferten. Da war ein pensionierter Pfarrer, der uns – tagein, tagaus lachend – mit Anekdoten aus seinem Pfarrerleben versorgte. Ich spürte einfach: Auch wenn ich diesen Beruf wähle, ich kann ich selbst bleiben und Freude daran haben.

Nicht ohne Umwege. Trotzdem blieb mein Weg nicht ganz ohne Umwege, die ich aber keinesfalls bereue. Mir stellten sich mit der Zeit einfach Fragen, die nach einer Klärung suchten, und so ergab sich eine Phase meines Lebens, in der dieser Weg für mich aus dem Blickpunkt rückte. Doch ich glaube, gerade diese Phase hilft mir jetzt dabei, das Suchen und Fragen vieler junger Menschen besser zu verstehen.
Heute bin ich unglaublich dankbar dafür, in meinen Aufgaben in den Pfarren, als Jugendseelsorger und im Augustinum junge Menschen gerade darin begleiten zu können. In Kontakt mit all ihrer Begeisterung, Motivation und Freude am Glauben, aber auch konfrontiert mit ihren Anfragen und ihrem Suchen nach Gott, sehe ich es als Berufung und Aufgabe, die Freude an einem Leben aus dem Glauben und am Leben meiner priesterlichen Berufung auszustrahlen. Nicht nur dem Jugendlichen aus dem Einstiegszitat möchte ich immer wieder zeigen: Ja, ein Leben in der Nachfolge Jesu, das ist der coolste Beruf, den es gibt.

Lukas Weissensteiner ist Kaplan im SR Graz-Süd, diözesaner Kinder- und Jugendseelsorger sowie Seelsorger im Bischöflichen Campus Augustinum in Graz

Berufung – kein Ziel, sondern ein Weg mit unzähligen Abzweigungs- und Umkehrmöglichkeiten. 
 | Foto: Am Jakobsweg, Pexels
Lukas Weissensteiner ist Kaplan im SR Graz-Süd, diözesaner Kinder- und Jugendseelsorger sowie Seelsorger im Bischöflichen Campus Augustinum in Graz. | Foto: Neuhold
Foto: Helmut Loder
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ