Medizin-Mensch-Moral | Teil 05
Eine Frage der Würde

Jeder Mensch besitzt Würde – unabhängig von seinen körperlichen oder geistigen Fähigkeiten.
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Warum ein gelingendes Leben kein perfektes Leben sein muss.

Seit jeher sucht der Mensch nach Wegen, wie sein Leben gelingen kann. Dabei ist man im Laufe der Geschichte zu unterschiedlichen Einsichten gekommen. Heutzutage gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass viele Menschen ihr ganzes Lebensglück an den Besitz eines gesunden oder gar eines „perfekten“ Körpers hängen. Eine „wunsch- erfüllende Medizin“ soll sie dabei unterstützen. Wenn sich jemand schönheitschirurgischen Eingriffen unterzieht oder medizinische Diagnosemethoden (PID/PND) dazu verwendet, ein genetisch perfektes Leben herzustellen, versucht dieser Mensch seinem Optimierungs- und Glücksbedürfnis nachzukommen.[/p]

„Nur ein perfektes Leben ist ein gelungenes Leben“, so lautet dann der Tenor. Dieses Motto lässt sich nur schwer mit den christlichen Werten und der Idee der Menschenwürde vereinbaren, weil sich daraus Grenzen bezüglich der „Machbarkeit“ und „Verfügbarkeit“ des Menschen ergeben. Das Potenzial der Idee der Menschenwürde besteht ja gerade darin, dass ihr kein Leistungs- und Perfektionsgedanke zugrunde liegt.

Der Anspruch der Menschenwürde bringt zum Ausdruck, dass man selbst allein aufgrund seines Menschseins wertvoll ist. Würde kommt somit jedem Menschen ausnahmslos zu – unabhängig von seinen geistigen oder körperlichen Fähigkeiten. Ein Mensch, der dem Anschein nach ein „unvollkommenes“ Leben hat, weil er nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entspricht oder zu keinen körperlichen bzw. geistigen Höchstleistungen fähig ist, besitzt demzufolge gleich viel Würde und daher gleich viel an Wert wie jemand, der ein scheinbar „perfektes“ Leben führt. Aus diesem Grund stellt die Idee der Menschenwürde ein unverzichtbares Prinzip nicht nur in Bezug auf den eigenen Lebensentwurf und im alltäglichen Miteinander dar, sondern vor allem auch im Kontext medizin-ethischer Debatten.

Nimmt man den Würdegedanken ernst, ist das Gelingen des Lebens nicht auf der Ebene von Optimierung und Perfektion zu suchen. Es geht also nicht darum, das medizinisch Mögliche zur Gänze auszuschöpfen. Im Zentrum steht vielmehr, sich und seinem Gegenüber Achtung und Wohlwollen entgegenzubringen und sowohl nach den eigenen Stärken als auch jenen des Gegenübers zu suchen. Sich von der Idee der Menschenwürde leiten zu lassen heißt somit für jeden Einzelnen, das eigene Lebensglück nicht an Perfektionsbemühungen zu knüpfen. Vielmehr gilt es einen Weg zu finden, wie man mit den vielfältigen Spannungen zwischen unserer Sehnsucht nach Perfektion und den tatsächlichen Grenzen des Lebens umgehen kann.

Elisabeth Zissler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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