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Auf dem Weg nach innen

Warum sollten Sie Exerzitien machen? Philipp Joachim Endl erzählt, warum er sich regelmäßig auf Schweige-Exerzitien begibt und was er dabei lernt. Und Exerzitien-Leiterin Brigitte Proksch beschreibt, was es für eine gute Begleitung braucht.

Glauben üben
„Exerzitien“ kommt vom lateinischen „exercere“ – das heißt „üben“. Im Rahmen von Exerzitien kann man seine Beziehung zu Gott vertiefen. Bildungshäuser und Klöster bieten oft Exerzitien an. In der Steiermark z. B. das Kloster Irdning, die Schule des Daseins der Benediktiner in St. Lambrecht oder das Haus der Stille in Heiligenkreuz am Waasen. Exerzitien werden von erfahrenen BegleiterInnen angeleitet. Brigitte Proksch haben wir gefragt, was das Begleiten von Exerzitien ausmacht. Und Philipp Joachim Endl, was ihn dazu motiviert, regelmäßig „ins Schweigen“ zu gehen. Neugierig auf mehr? www.katholische-kirche-steiermark.at/exerzitien

Exerzitien zu begleiten ist eine ganz besondere Form der Seelsorge.

Brigitte Proksch

leitet seit vielen Jahren Exerzitien, u. a. im Haus der Stille in Heiligenkreuz am Waasen

Als ich zum ersten Mal eingeladen wurde, Exerzitien zu begleiten, war ich zugleich unsicher und fasziniert. Es wurde eine inspirierende und bereichernde Erfahrung für mich. Im Laufe der Jahre hatte ich dann immer wieder mit Theologiestudenten und Priestern aus Übersee zu tun, bei denen sich neben der Studienbegleitung auch persönliche, spirituelle Begleitung ergab und schließlich auch so manche Exerzitien – damals wie auch heute noch leider eine eher seltene Aufgabe für Frauen, wenn es um Priester geht. Inzwischen sind es vorwiegend Exerzitien nach, Ignatius von Loyola und auch kontemplative Exerzitien für alle möglichen Zielgruppen, die ich begleite.

Exerzitien sind ein Dialog
Das Fundament für eine gute Begleitung entsteht vor allem durch ein persönliches geistliches Leben und eine positive Begleiterfahrung einerseits und durch gute Theologie andererseits. Richtig „lernen“ kann man das Begleiten – trotz Ausbildungen – letztlich nicht. Teresa von Avila betont die theologische Dimension ganz besonders und sagt, sie würde eher einen Theologen als einen Frommen als Begleiter wählen. Ich kann ihr nur zustimmen, denn die theologische Prägung der begleitenden Person spielt im Hintergrund sicher eine wichtige Rolle.
Exerzitien sind ein Dialog zwischen Gott und der Exerzitantin oder dem Exerzitanten; Leiterin oder Leiter begleiten lediglich. Ihre Rolle ist es, wie eine Waage auszubalancieren, bei der Unterscheidung der Geister zu unterstützen, aufmerksam und sensibel den Weg mitzugehen. Meine Erfahrung: Exerzitien zu begleiten führt mich weiter in die Tiefe und ist eine ganz besondere Form der Seelsorge.

Schweige-Exerzitien sind kein Spaziergang, aber zahlen sich aus.

Philipp Joachim Endl

studiert Maschinenbau in Wien und ist zertifizierter Pilgerbegleiter.

Mein Umfeld ist immer ein wenig skeptisch, wenn ich erzähle, dass ich auf Schweige-Exerzitien fahre. Aussagen wie „Du schweigst da wirklich die ganze Zeit?“ und „Nein, also das wäre nichts für mich!“ bekomme ich dann zu hören. Vier Mal war ich bereits auf unterschiedlich langen Schweige-Exerzitien – von einem Wochenende bis zu sechs Tagen. Und jedes Mal ist es am Anfang eine Überwindung – kein Handy, kein Laptop, kein Internet ... Verpasse ich nicht etwas? In diesen Tagen wird mein Notizbuch zum wichtigsten Bezugspunkt und treuen Gegenüber. Da die gewohnten Gespräche mit den Mitmenschen nicht zur Verfügung stehen, hat man die Möglichkeit, seiner eigenen innere Stimme, die – aus meiner Erfahrung heraus – pausenlos alles kommentiert und ständig in der Zukunft und der Vergangenheit unterwegs ist, zuzuhören. Für mich steht fest: Wer schweigt, hört auch zu.

Weg nach innen
Ich erlebe Schweige-Exerzitien als einen weiten und leeren Raum, in dem Gedanken und Gefühle, die aufgrund der Ablenkungen im Alltag kaum Platz finden, hochkommen können. Etwas auf den ersten Blick Unbedeutendes, Weggeschobenes wird auf einmal wichtig und kann zum Wegweiser für die weiteren Tage werden. Schweige-Exerzitien sind kein Spaziergang, der Weg nach innen ist meist anstrengend, oft mühsam. Aber wenn man am Ende merkt, dass man sich selbst ein Stück nähergekommen ist und sich besser kennengelernt hat, haben sich alle Bemühungen ausgezahlt. Mit jedem Mal wächst in mir das Bewusstsein, dass ich begleitet werde.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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