Mutworte - Sarah Knolly
Von Palmeseln
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Bei uns „dahoam“, in einem kleinen schwäbischen Dorf, gibt es die Tradition des Palmesels. Wer jetzt denkt, das ist ein besonderer liturgischer Dienst oder ein jährlich wechselnder Ehrentitel, den muss ich leider enttäuschen: „Palmesel“ wird jenes Familienmitglied, das am Palmsonntag am längsten schläft.
Lange Zeit ist es mir gelungen, den Titel „Palmesel“ erfolgreich zu verteidigen und die Eselsohren (oder Krone!) zu behaupten, und als Mama hab ich den Brauch in meiner Familie weitergeführt. Bei meiner Recherche für diesen Beitrag bin ich nun auf einen Artikel in der Südwest Presse gestoßen, wo beschrieben ist, dass bei Palmprozessionen früher vielerorts echte Esel dabei waren. Da diese jedoch die Prozessionen oft zum Stehen brachten, wurden sie irgendwann „wegen ungebührlichen Verhaltens“ durch Holzfiguren ersetzt. „Und ungebührlich scheint es zu sein, wenn man nicht rechtzeitig aus dem Bett kommt. Zumindest ist das eine Erklärung, warum der Spätaufsteher der Palmesel ist.“
Das Ermutigende für mich an dieser Eselei? Ich glaube nicht, dass man zu spät dran sein kann – für den pünktlichen Start des Gottesdienstes: ja. Aber niemals für ein Leben mit und bei Gott.
Sarah Knolly ist diözesane Referentin für Diakonie & Gemeinschaft, Dipl. Erwachsenenbildnerin und dreifache Mama
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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