Positionen - Christian Teissl
Von Abschied zu Abschied
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Du bist zum ersten Mal in einem fremden Haus zu Gast; ein lange geplantes Gespräch kommt endlich zustande; die Stunden vergehen wie im Flug. Als du aufbrichst, begleiten deine Gastgeber dich zur Tür. Du verreist für ein paar Wochen; deine Liebsten begleiten dich zum Zug. Ihr winkt einander zu, bis ihr den Blickkontakt verliert, dann schreibt ihr euch noch ein paar Zeilen: „Alles Gute unterwegs!“ – „Auf Wiedersehen im Herbst!“. Du verlässt bei Dienstschluss das Büro. Dein Gegenüber unterbricht für einen Moment seine Arbeit, gibt dir noch ein gutes Wort, ein Wort, das dich lächeln lässt, mit auf den Weg. Du verabschiedest dich von einem alten Freund, den du wieder besuchen warst; euer Gespräch ist, ganz anders als sonst, enttäuschend verlaufen. Der Freund hält an der Schwelle kurz inne, blickt dir nach und macht eine segnende Geste.
Mit und ohne solche Gesten, wortlos oder wortreich, in Eile oder in Ruhe – an der Art und Weise, wie wir auseinandergehen, Tag für Tag oder für längere Zeit, zeigt sich, wie wir zueinanderstehen. Ein Abschied kann wie eine Tür sein, die lautlos hinter dir ins Schloss fällt, oder wie ein guter Wind, der dich weiterträgt ins Offene.
Christian Teissl
teissl@mur.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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