Positionen - Leopold Neuhold
Unter vier Augen oder für alle Ohren?
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Es ist verführerisch, jemandem über die Medien, besonders über die „sozialen“, etwas auszurichten, ihn oder sie eines Fehlers zu bezichtigen. Wo dazu noch mit solchen Aktionen die Genugtuung verbunden ist, sich als der moralisch Bessere zu präsentieren, als einer, der weiß, was richtig ist.
Im Evangelium vom Sonntag lesen wir die Aufforderung: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!“ Realitätsfremd? Man wird sich doch nicht die Gelegenheit nehmen lassen, an die Öffentlichkeit zu gehen! Wenn ich unter vier Augen mit meinem „Bruder“ spreche, könnte sich herausstellen, dass er sich nicht gegen mich versündigt hat, dass sich die vermeintliche Schuld als Missverständnis herausstellt oder er seinen Fehler einsieht. Dann habe ich die Chance vertan, mich zu präsentieren. Jemanden mit Mist bewerfen und dann darauf hinweisen, dass er stinkt, das schafft Öffentlichkeit.
Es ist außerdem nicht immer klar, was richtig und falsch ist. Ein Anwalt gewinnt den in Abwesenheit des Angeklagten geführten Prozess. Er schickt diesem die Nachricht: „Die Gerechtigkeit hat gesiegt!“ „Berufen!“, die prompte Antwort.
Leopold Neuhold
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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