Thema
Sicher vernetzt
- Österreichweit nutzen 91 Prozent Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet und sind durchschnittlich 331 Minuten pro Tag online, also fünfeinhalb Stunden. Initiativen wie die von der EU geförderte namens „Safer Internet“unterstützen dabei, sich richtig und vor allem sicher im Netz zu bewegen.
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Hasspostings, Mobbing, Kettenbriefe: Das „www“ hat nicht nur gute Seiten. Wie kommen Kinder und Erwachsene gut durchs Internet?
Es hilft, die Aufgaben am Arbeitsplatz und in der Schule zu bewältigen, ist als Informationsquelle stets auskunftsfreudig und übermittelt Nachrichten von Freunden und Familie: das Internet. Seit über drei Jahrzehnten nutzen Menschen das „World Wide Web“ – doch nicht immer sind die Absichten dahinter positiv. Der Medienpädagoge Harald Koberg rät am Anfang eines neuen Schul- und Arbeitsjahres dazu, nicht gleichgültig zu sein, um Gefahren der digitalen Welt rechtzeitig abzuwenden.
„Die Dosis macht das Gift.“ Was für natürliche Pflanzeninhaltsstoffe oder künstlich hergestellte Substanzen gilt, die man als Nahrungsmittel oder Medizin zuführt, trifft auch auf den Konsum von digitalem Inhalt zu.
Von seiner schrittweisen Entwicklung ab den 1960er-Jahren mit der ersten Datenübertragung 1969 bis zur Internet-Einführung 1989 hat sich viel getan. Das Internet (englisch für „interconnected networks“, also „zusammengeschaltete Netzwerke“) hat als weltweiter Verbund von Rechnernetzwerken längst in Privathaushalten, Schulen oder Unternehmen Einzug gehalten. Waren es um die Jahrtausendwende 40 Prozent der Bevölkerung, so wird das weltweite Netzwerk heute von rund 91 Prozent der ÖsterreicherInnen ab 14 Jahren genutzt, schreibt das Statistik-Portal „statista“. Jeder von ihnen ist im Durchschnitt 331 Minuten pro Tag online, das sind 5 Stunden und 31 Minuten.
Immer wieder sagen mir Jugendliche, dass sie auf das Internet verzichten wollen,
aber nicht wissen, wie.
Dieses Zahlen kennt auch der Medienpädagoge Harald Koberg. Er ist Ansprechperson für medienpädagogische Fragen beim Land Steiermark und Leiter des Bereichs „Digitales Spiel“ im Verein Ludovico. In der Steiermark würden Jugendliche täglich zwischen fünf und sechs Stunden am Tag im Internet verbringen, weiß er. Was Koberg in Workshops mit jungen Erwachsenen auch erfahren hat, ist, dass sich viele junge Menschen ihres übermäßigen Digitalkonsums durchaus bewusst sind. Immer wieder habe er mit Jugendlichen zu tun, die sagen würden: „Ja, bitte: Nehmt uns das Handy weg!“ – verbunden mit der Einsicht, eine bewusste Auszeit alleine nicht bewerkstelligen zu können.
Was der Medienpädagoge durch seine Arbeit mit Lehr- und Lernpersonen zum Thema Internet noch erfährt: Welche Inhalte es sind, die Jugendliche in Sozialen Netzwerken belasten. „Ein großes Thema ist Mobbing“, sagt er und gibt näher Auskunft über den Begriff. Das englische Wort steht für psychische Gewalt, die durch wiederholtes und gezieltes Schikanieren, Quälen oder Herabsetzen einer Person entsteht. Dabei ist das Gruppengeschehen stets im Vordergrund. Wer jemanden mobbt, möchte in der eigenen Gruppe als stark wahrgenommen werden. Anlaufstellen bei diesem sogenannten „Cybermobbing“ gibt es mittlerweile viele.
- Frühzeitig mit Kindern über Cybermobbing zu sprechen, schützt vor den Folgen psychischer Gewalt durch virtuelle Inhalte.
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Mobbing, Radikalisierung, Manosphere
Was neben Cybermobbing noch zur Gefahr im Netz werden könne, sei Radikalisierung, sagt Harald Koberg. Vor allem rechtsradikale Gruppierungen würden versuchen, über das Internet Mitglieder zu werben, indem sie bei Personen oder Gruppen schrittweise extreme Überzeugungen entwickeln. Um dem entgegenzuwirken, müsse mit Jugendlichen gezielt und stetig gearbeitet werden, so Koberg. Was in diesem Zusammenhang auffällig sei: Im religiösen Bereich sei ein Anwachsen christlich-fundamentalistischer Radikalisierung zu bemerken.
Ein weiteres Thema, das laut dem Medienexperten bedauerlicherweise „schnell groß geworden“ sei, betrifft die so genannte Manosphere (dt. „Männersphäre“). Ein loses Netzwerk von Online-Gruppen (engl. „Communities“) befasst sich dabei mit Themen wie Männlichkeit, Männerrechten und Geschlechterrollen – allerdings nicht mit den besten Absichten. In Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wie „TikTok“ oder „Youtube“ werden dabei antifeministische Ansichten verbreitet. Es werden frauenfeindliche Kommentare gepostet oder Männerratgeber online gestellt, die ein hochproblematisches Frauenbild beinhalten. „Auch das fällt unter ‚Hass im Netz‘.“
Hass: kommentieren statt ignorieren
Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Bei allen positiven Möglichkeiten, die das Internet bereithält, wie der, sich blitzschnell Informationen zu beschaffen, Menschen zu kontaktieren oder Einkäufe bequem von daheim aus zu erledigen, gibt es auch „Cyber-Gewalt“. Darunter fallen Drohungen, Beleidigungen, Bloßstellungen oder Hetze gegen Personen oder Personengruppen in der virtuellen Welt. Hasspostings, also stark herabwürdigende Kommentare, nehmen dabei einen großen Stellenwert ein – scheint es doch einfacher, jemandem digital eine abwertende Nachricht zu schreiben, als sie in einem Gespräch kundzutun.
Was laut Harald Koberg dabei nicht vergessen werden darf: „Das, was wir online lesen, ist nicht die öffentliche Meinung.“ Würden sich zwei Personen verbal im Netz bekriegen oder einander beleidigende Nachrichten hinterlassen, sei das längst nicht repräsentativ für andere Internet-NutzerInnen. „Hasspostings kommen von einigen wenigen, die laut sind und ihre Meinung unbedingt kundtun wollen“, sagt er, und: 90 Prozent der Menschen, die beleidigende und abwertende Kommentare lesen, würden diese unkommentiert lassen.
Genau das sei vor allem für Kinder und Jugendliche fatal, denn: Würden sie im Internet einer ausschließlich negativen Gesprächskultur begegnen, werde menschenverachtende Kommunikation womöglich bald als „normal“ aufgefasst. „Darum ist es auch so wichtig, dass es Menschen gibt, die dagegen aufstehen und gegen den Hass anschreiben“, sagt Koberg. Nicht, um die Meinung derjenigen zu ändern, die Hasspostings verbreiten – sondern, um allen anderen, die still mitlesen, zu kommunizieren: „Solche Umgangsformen sind nicht normal.“ Seine Empfehlung: Wer Energie dafür habe, solle schriftlich Gegenposition beziehen. „Allein schon hinzuschreiben, dass man den Umgangston nicht in Ordnung finde, hilft.“
Kettenbriefe: Ignorieren statt weiterleiten
Unter den sozialen Netzwerken ist hierzulande klar „Whatsapp“ federführend. 82 Prozent der ÖsterreicherInnen nutzen den Nachrichtendienst täglich. Neben Texten und Bildern aus Familien-, Lern- oder Freundesgruppen stößt man in dieser App womöglich aber auch auf unliebsame Nachrichten. Allen voran: Kettenbriefe, also Nachrichten, die man erhält mit der Aufforderung, sie an eine bestimmte Anzahl von Menschen weiterzuschicken. Manchmal sind darunter auch Gebetsanliegen. „Die meisten Kettenbriefe sind nicht gefährlich, aber nervig“, sagt Harald Koberg und empfiehlt, den Kreislauf zu durchbrechen, indem man sie einfach ignoriert. Wer das nicht könne, habe die Möglichkeit, Kettenbriefe an den eigens von der Initiative „Safer Internet“ (siehe QR-Code) dafür eingerichteten Whatsapp-Account zu schicken.
Auf die Frage, ob das Internet mehr Segen sei oder doch Fluch, reagiert der Medienexperte gelassen. Die Dynamik, sich selbst einer Gruppe zuzuordnen und sich von Angehörigen anderer Gruppen abzugrenzen, gebe es auch in der realen Welt. Und wie dort, so muss auch im Internet jede/r rechtzeitig für sich und die ihm Schutzbefohlenen entscheiden, wo die Grenzen sind.
Anna Maria Steiner
Hilfe bei Cyber-Gewalt
Landesjugendreferat/Kompetenzstelle Digitale Gesellschaft:
jugendreferat.steiermark.at
harald.koberg@stmk.gv.at
Initiative „Safer Internet“:
saferinternet.at/themen/cybermobbing
Infos zu Cybergewalt gegen Frauen und Mädchen:
bmfwf.gv.at/frauen-und-gleichstellung/gewalt-gegen-frauen
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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