Offen gesagt - Stephan Wahl
Hoffnung auf Frieden
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Wie kann man in der aktuellen Situation in Jerusalem Ostern feiern?
Ostern findet in Jerusalem immer statt. In der Coronazeit kam es nicht in Quarantäne, und in den jetzigen Kriegszeiten fällt es auch nicht aus. Wir haben den Palmsonntag wie immer gefeiert, es gab die traditionelle, festlich-bunte Prozession von Bethfage nach Jerusalem. Nur war die Freude diesmal heftig getrübt durch die Bombardierung des anglikanischen Krankenhauses in Gaza am Morgen. Und am Abend trieb uns die Raketen-Warnsirene wieder einmal in die Schutzräume. Es war, wie so oft, zum Zerreißen.
Aber auch Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern wird stattfinden. Ich freue mich besonders auf den späten Gründonnerstagabend, wenn ich nach der Messe, die ich in Emmaus/Qubeibeh feiern werde, auf den alten Stufen sitzen kann, die vom Sionsberg hinunter ins Kidrontal führen. Vorher wird das lange Warten am Checkpoint mich spürbar erinnern, dass nichts „normal“ in diesem heilig-unheiligen Land ist: Emmaus/Qubeibeh liegt in der Westbank (Westjordanland). An diesem Abend werden die Stufen aus der Zeit Jesu mit Öl-Lichtern sanft erleuchtet und die stille Atmosphäre in Erinnerung an Jesus und seine Jünger, die diese Stufen sicher benutzt haben, wird mich hoffentlich stärken, damit – trotz allem – die Hoffnung auf Frieden in mir nicht erlischt.
Stephan Wahl lebt als deutscher katholischer Priester und Poet in Jerusalem.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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