Positionen - Karl Veitschegger
Alles für die Katz?
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Ein ukrainischer Bub in einem Grazer Kindergarten, der rasch Deutsch gelernt hat, will seiner Sprachförderin ein Geschenk machen. Er bastelt aus Karton eine Pistole. (Der Krieg hat offenkundig seine Seele geprägt.) Die Pädagogin reagiert nicht belehrend, aber sagt: „Ich mag keine Waffen.“ Der Bub überlegt kurz und fragt: „Magst du Tiere? Willst du lieber Katze oder Hund?“ „Eine Katze bitte!“, antwortet sie. Da nimmt der Bub die Pistole und bastelt daraus eine Katze. Aus einem Symbol der Gewalt wird ein Zeichen der Zuneigung.
Eine kleine Episode? Gewiss. Aber vielleicht zeigt sich gerade darin ein Hoffnungslicht. Der Krieg wurde zwar nicht beendet und die große Welt nicht verändert. Doch ein Kind hat gelernt, dass man etwas umgestalten kann. Und eine Pädagogin hat es zu etwas Friedlichem inspiriert.
Wie ist das mit dem Reich Gottes? Jesus beschreibt es als etwas, das im Kleinen wächst: wie ein Senfkorn, unscheinbar und doch voller Leben.
Auch Frieden beginnt dort, wo Menschen einander verstehen wollen, Alternativen suchen und aus etwas Bedrohlichem etwas Liebenswertes machen.
Manchmal kommt das Reich Gottes eben auf leisen Pfoten daher. Und manchmal ist alles für die Katz – im schönsten Sinn.
Karl Veitschegger
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.