Mutworte - Christa Carina Kokol
Reden mit dem Wolf
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„Mich hat der hl. Franziskus schon als Kind fasziniert“, begeistert sich eine Gesprächsteilnehmerin. „Er konnte mit Tieren reden und verstand ihre Sprache.“ Vielleicht dachte die Frau an die Legende über Franziskus und den Wolf, der einst in der Stadt Gubbio Angst und Schrecken verbreitet haben soll. Franziskus ging dem Gefürchteten entgegen, obwohl dieser, von Hunger getrieben, sich auf ihn stürzen wollte. Franz blieb ruhig, nannte ihn Bruder und machte ihm ein Friedensangebot: Der Wolf soll die BewohnerInnen der Stadt verschonen. Im Gegenzug werden die Menschen ihn nie mehr hungern lassen. Von da an lebten alle friedlich zusammen.
William Ury, Mitbegründer des Harvard-Konzepts war ein sehr erfolgreicher Vermittler in fast allen heißen Kriegsherden der Welt. Sein Friedenskonzept: Sich nicht auf die oft einbetonierten Positionen einer Person fixieren, sondern ihre Kernziele zu verstehen versuchen. Nur in der Konzentration auf berechtigte dahinterliegende Motive können friedliche Lösungen gefunden werden.
Franziskus kann auch mit einem „Wolf“ Frieden schließen, weil er seine Sprache und sein tief sitzendes Kernanliegen, „nicht mehr hungern zu müssen“, versteht. Verstehen wir?
Christa Carina Kokol ist Dipl. psychotherapeutische Beraterin in Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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