Kirche Steiermark
Pack nicht zu viel
- Bei einer Fußwallfahrt trägst du alles, was du brauchst, im Rucksack mit. Pack nicht zu viel ein, rät Michael Ebertz. Die Internationale Pilgertagung im bayerischen Donauwörth beschäftigt sich heuer mit dem Wandel des Pilgerns.
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Pilgern verändert (sich). Der deutsche Religionssoziologe Michael Ebertz gibt Einblicke in das diesjährige Thema der Internationalen Pilgertagung 2025 in Bayern.
Pilgern ist im Wandel: Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Wer macht sich auf den Weg und wozu? Ist Pilgern heute religiös, spirituell oder säkular? Diesen und einigen weiteren Fragen rund um das Thema Pilgern stellt sich die Internationale Pilgertagung 2025 im September in Donauwörth in Bayern. Der Theologieprofessor Michael Ebertz ist Mitorganisator und teilt seine Einschätzungen vorab in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur KNA.
Technikverzicht und Offenheit für Veränderung – das sollten angehende Pilgerinnen und Pilger mit auf den Weg nehmen. „Pack nicht zu viel in den Rucksack. Man muss das Handy nicht zu Hause lassen, es reicht aber, einmal am Tag draufzugucken“, sagte der Religionssoziologe Michael Ebertz. Und er ergänzt: „Mach dich offen für neue Eindrücke und Erfahrungen mit anderen und mit dir selbst, auch mit Unplanbarkeiten. Rechne damit, dass du dich verändern kannst, und lass es zu.“
Verschiedene Typen von PilgerInnen. Der emeritierte Professor der Katholischen Hochschule Freiburg weiß, dass sich heute die Motivationslage zum Pilgern verändert hat: „Früher war Pilgern Glaubenssache und kirchlich gerahmt, heute gibt es viel mehr eigene Motivationen.“ Es gebe etwa KrisenpilgerInnen, die, etwa nach einer Krankheit oder Scheidung, Kommunikation wie in einer Selbsthilfegruppe suchten, und AuszeitpilgerInnen, die auf eine Unterbrechung ihres Alltags hofften. „Überdies wird die Publikumsperspektive immer wichtiger. Viele Pilger berichten heute digital von ihrer Reise. Das Smartphone wird zum neuen Pilgerstab.“
- Stop drücken. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln pilgern und bewusst eine Auszeit genießen. Ein Angebot des Seelsorgeraums Weiz für alle. Details siehe Infobox.
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Überfrachtet und idealisiert. Ebertz sprach auch Risiken an. Es gebe viele Idealisierungen und Überfrachtungen des Pilgerns: „Dass man sozusagen als neuer Mensch zurückkommt. Was geschieht denn, wenn solche Pläne enttäuscht werden, wenn eine ersehnte Heilung ausbleibt? Dem amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger zufolge können durch gegensätzliche Erfahrungen – ich pilgere doch, weshalb hilft Gott mir nicht – Dissonanzen entstehen.“
Diese müssten reduziert werden, weil das Leben mit ihnen zu unangenehm werde, so Ebertz. „Das religiöse System hält dafür viele Deutungsmöglichkeiten bereit: Die Heilung läuft vielleicht schon, ohne dass du es merkst. Oder: Der göttliche Ratschluss ist unerforschlich, wer weiß, was Gott mit dir vorhat. Oder: Du warst nicht fromm genug, musst mehr Rosenkranz beten, noch mal nach Lourdes reisen. Da kann Pilgern oder Wallfahren dann gefährlich werden, indem es Menschen in Abhängigkeiten oder in neue Krisen wie Depressionen bringt, weil sie nicht mehr gelassen in den Alltag zurückfinden.“ Eine Pilgerreise könne so manches in Menschen auslösen, aber nicht alles verändern.
Quelle: Kathpress
Pilger-Angebote
Zu Pilgertagen, Auszeiten mitten im Alltag, lädt das „Öffi-Pilgern“ des SR Weiz ein. Auch PilgerInnen außerhalb des SR sind willkommen. Termine: weiz.graz-seckau.at
Weitere steirische Pilgerangebote:
katholische-kirche-steiermark.at/pilgern
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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