Ökumene
Ein Ereignis mit Folgen
- Das Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark lud mit dem steirischen Landtag zum Jahresempfang: (v. l.) Forums-Vorsitzender und evangelischer Superintendent Wolfgang Rehner, Landtagspräsident Gerald Deutschmann, evangelische Kirchenhistorikerin Uta Heil, stv. Forums-Vorsitzende und katholische Theologin Stefanie Schwarzl-Ranz und Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.
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Beim Jahresempfang des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark ging es um das revolutionäre Konzil von Nicäa vor 1700 Jahren.
Warum sich erfreuen an einem Ereignis, das vor 1700 Jahren stattgefunden hat? Das könnte man sich heuer fragen, wenn das Konzil von Nicäa immer wieder aufpoppt; so auch beim Jahresempfang des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark, zu dem das Ökumenische Forum und der steirische Landtag am 27. November in den Plenarsaal des Landtages Steiermark einluden. Viele kamen – von den verschiedenen Kirchen, aus Politik, von Schulen und aus der Gesellschaft, um den Worten der evangelischen Kirchenhistorikerin Uta Heil zu lauschen, die über das Konzil von Nicäa – „ein Ereignis mit Folgen“, wie sie im Vortragstitel formulierte – berichtete.
Kitt der Gesellschaft. Für famose Unterbrechungen sorgte das Streichquintett United Intonations. Wertschätzung bekundete der Gastgeber Gerald Deutschmann, der die Bedeutung des Miteinanders herausstrich – verkörpert in diesem Fall konkret durch das Ökumenische Forum: „Wir brauchen in unserer Zeit klare Stellungen, Orientierung und Dialog, starke soziale Werte und ein mutiges Eintreten für den Frieden“, so der Landtagspräsident. Dies verstärkte der evangelische Superintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Forums, Wolfgang Rehner: „Vieles driftet derzeit auseinander, zu oft stehen Eigeninteressen vor dem Gemeinwohl. Ähnlich war es vor 1700 Jahren, als Kaiser Konstantin nach einem Kitt für die auseinanderdriftende Gesellschaft suchte.“ Die Kirchen seien eine Verbindung, die stärker sei als alle zentrifugalen Kräfte, die die Gesellschaft auseinandertreiben, so Rehner.
- Grigorios Larentzakis, der orthodoxe Theologe und Vordenker in der Ökumene, betonte den revolutionären Charakter des Bekenntnisses von Nicäa.
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Die Kirchenhistorikerin Uta Heil klärte auf, dass es zum ökumenischen Konzil von Nicäa – dem ersten christlichen Konzil der Geschichte – keine Protokolle oder Unterlagen gebe, sondern „viel Raum für Spekulation“. Klar ist, dass das Konzil von Kaiser Konstantin einberufen wurde, um eine Glaubensspaltung zu unterbinden in einer Zeit, in der Politik und Kirche so eng verbunden waren, dass sich eine solche Spaltung zu einer politischen Krise im römischen Weltreich hätte auswachsen können. Auslöser waren der Priester Arius und die Frage, ob Jesus gezeugt oder geschaffen wurde. (Näheres kürzlich in unserer vierteiligen Serie „Das erste Konzil“, S. 14, Nr. 44–47.)
Eine sensationelle Einigung. Eine Kleinigkeit, könnte man meinen. Doch letztlich ging es darum, ob Gott der Vater, Jesus der Sohn und in weiterer Folge auch der Heilige Geist ein gemeinsames Wesen sind – eine existenzielle Frage für einen Ein-Gott-Glauben. Das Ergebnis des Konzils in der westtürkischen, inzwischen untergegangenen Stadt Nicäa ist das erste und bis heute gültige Glaubensbekenntnis der Christenheit. Den revolutionären Charakter des Bekenntnisses hob auch der orthodoxe Theologe
Grigorios Larentzakis hervor: „Diese Einigung war sensationell und wäre in dieser Form heute nicht machbar.“
Ökumenisches Forum
Das Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark sieht seinen Auftrag darin, in der Steiermark den ökumenischen Gedanken zu verwirklichen, nach außen zu vertreten und nach innen zu vertiefen.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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