40 Jahre Steirischer Katholikentag
Alle Erwartungen übertroffen

Ein Meer aus Regenschirmen zierte den Grazer Hauptplatz bei der Eröffnung des Steirischen Katholikentags am Freitagabend. Kerzen von jeder steirischen Pfarre wurden entzündet (im Vordergrund).
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  • Ein Meer aus Regenschirmen zierte den Grazer Hauptplatz bei der Eröffnung des Steirischen Katholikentags am Freitagabend. Kerzen von jeder steirischen Pfarre wurden entzündet (im Vordergrund).
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Vor 40 Jahren feierten zehntausende Menschen ein „Fest der Brüderlichkeit“ in der steirischen Landeshauptstadt.

Vom 26. bis zum 28. Juni 1981 strömten tausende Menschen in Graz zusammen um den sechsten Steirischen Katholikentag zu begehen. Josef Wilhelm war als Generalsekretär neben Bischof Weber hauptverantwortlich für die Organisation und erzählt im Sonntagsblatt-Interview von dem, was war, von dem, was blieb, und ob es heute wieder einen Katholikentag geben könnte.

Wenn Sie an dieses Großereignis zurückdenken: Was waren die Highlights, das Besondere an diesem Katholikentag?
Vor allem waren es die fröhliche Stimmung, die Vielfalt, die Herzlichkeit, die natürliche Frömmigkeit und die Zahl der Mitfeiernden, die nach vier Jahren Vorbereitung in der ganzen Steiermark alle Erwartungen übertroffen hat. Es war die spontane und geniale Idee von Bischof Johann Weber, heraus gewachsen aus einem „Humusboden“ des gewachsenen Willens zu einem neuen Miteinander der steirischen katholischen Kirche über den eigenen „Zaun“ hinweg.

Was hat aus Ihrer Sicht der Katholikentag damals gebracht und bewirkt?
Der im Juni 1981 als Fest gefeierte sechste Steirische Katholikentag markierte einen unübersehbaren Meilenstein auf dem Weg zu einer geschwisterlichen Kirche. Wohl erstmalig in der Geschichte dieser Versammlungsform konnte Bischof Johann Weber eine breitere Öffentlichkeit – das heißt über das katholische Kirchenvolk hinaus – zu einem „Fest der Brüderlichkeit“ einladen.

Diese Offenheit spiegelte sich in mehrfacher Hinsicht im Programm der Großveranstaltung wider. Während die Forumsdiskussionen ein breites Spektrum abdeckten und zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema des Katholikentages aufforderten, ermöglichte das auf den verschiedenen Plätzen und Höfen der Grazer Innenstadt in Szene gehende Stadtfest mit seiner Vielzahl an kulturellen Programmpunkten das gemeinsame Feiern und die Begegnung von Mensch zu Mensch. Dass im Rahmen der liturgischen Feiern des Katholikentages auch erstmalig eine ökumenische Vesper Platz fand, fügte sich harmonisch in das Gesamtbild dieses diözesanen Großereignisses ein, das in seinem ideellen Gehalt wie in der äußeren Form Maßstäbe setzte. Mit einem Festgottesdienst, der im Areal des Grazer Burggrabens vor dem neu errichteten Katholikentagskreuz gefeiert wurde.

Was ist vom Anliegen des Katholikentags geblieben? Wäre so eine Veranstaltung heute noch einmal möglich?
Eine Großveranstaltung wie 1981 ist heute und auch in naher Zukunft schwer vorstellbar. Die Kirche ist heute in einem großen Suchprozess unterwegs, manche zukünftige Entwicklung ist schwer vorhersehbar. Zentral für eine gedeihliche Kirchentwicklung wird sein, dass es gelingt, „die Frohe Botschaft als Gabe für die Gesellschaft“ anzubieten und einzubringen.

Als „katholisches Familientreffen“ alleine, auch wenn es inhaltlich offen und um allgemeine Relevanz bemüht wäre, entspräche eine Veranstaltung in dieser Größe wohl nicht den Herausforderungen der Zukunft, die Themen und/oder gemeinsame Ziele „aller Menschen guten Willens“ aufgreifen könnte.

Der Aspekt „Geschwisterlichkeit“ ist als Auftrag, Motiv, Richtschnur unter dem Eindruck der Pandemie mittlerweile wichtiger denn je – allgemein vielleicht gut als „Solidarität“ zu umschreiben. Pandemie, die soziale Frage, die Geschlechtergerechtigkeit, die ökologische Krise und die Fragen rund um Flucht, Migration, Asyl und Integration: Jede zukunftsweisende Arbeit, jedes Engagement zum Wohl der Menschen, wo auch immer, muss von solidarischem Geist getragen sein! Hier hat die katholische Kirche einen klaren inhaltlichen und auch historischen Auftrag und durch ihr globales Wesen auch Chancen darauf, etwas aus dem gemeinsamen Glauben heraus gut zu gestalten.

Interview: Herbert Messner

Erinnern Sie sich?
Steirischer Katholikentag 1981 – oder als ganz Graz Kirche war.
Ein Wochenende lang stand Graz im Juni 1981 ganz im Zeichen des dreifachen Herzens – der sechste Steirische Katholikentag, ein „Fest der Brüderlichkeit“ zog Menschenmassen von gefühlt überall her in die Landeshauptstadt.

Zur Eröffnung am Freitag war neben Landeshauptmann Josef Krainer auch Bundespräsident Rudolf Kirchschläger gekommen. Trotz strömenden Regens lauschten 12.000 Menschen am Grazer Hauptplatz den Ansprachen. Jede steirische Pfarre hatte große verzierte Kerzen mitgebracht. Sie brannten trotz des Regens. Kein Regen löscht Herzen. Der nachtblaue, kalte und nasse Platz wurde von fast vierhundert Lichtern erhellt und es schien, als wäre ihr Strahlen rundum vervielfacht. Die Veranstaltung war schon vorüber, die Massen zerstreuten sich, da war von der Sporgasse her noch zu hören: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden …“
Der Samstag bot Abwechslungsreiches: In 14 Foren wurden am Vormittag aktuelle Themen diskutiert: Friede, Frau, Erziehung, Armut, Tod waren die „Hits“. ReferentInnen aus aller Welt waren da: z. B. Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan aus Nordirland. Zum Kinderfest der Jungschar kamen 18.000 Mädchen und Buben. Sie wurden in 20 Grazer Pfarren empfangen, feierten Gottesdienst und ein großes Fest im Stadtpark: tanzen, malen, singen, spielen, diskutieren, Jubel- und Klagemauer: „Es vreut mich, das die Sonne scheint“ war da zu lesen. Das Jugendprogramm fand seine Höhepunkte in einem Fest auf dem Karmeliterplatz und einer nächtlichen Vesper im Landhaushof. Das Geistliche Zentrum im Priesterseminar und um den Dom begann sein Programm mit einer Laudes mit den Mönchen aus Seckau. Schließlich mündete alles in ein großes Stadtfest: Sternförmig zogen die bunten Menschenscharen aus den Dekanaten mit ihren Gastgebern zu den Plätzen der Innenstadt. Dort gab es Spiel, Tanz und Köstlichkeiten. Immer wechselte das Programm zwischen „steirisch und international“. An die 150 Gruppen von Korea bis Peru und von Nigeria bis Krakau waren dabei.

Festgottesdienst am Sonntag im Stadtpark: Um das eigens aufgestellte 20 Meter hohe Holzkreuz hatten sich 80.000 Menschen versammelt. 1600 Frauen und Männer bildeten einen Chor. 40.000 Bronzekreuze vom Grazer Bildhauer Prof. Erwin Huber wurden verteilt, 30.000 nachbestellt. Die Kollekte von über 600.000 Schilling kam Arbeitslosen zugute. Bei der Schlussfeier am Hauptplatz waren die Kerzen der Pfarren durch die Sonnenhitze verbogen. „Mit uns geht das Evangelium“, rief Bischof Weber tausenden Menschen zu.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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