Glaube
Glaube und Heimat
- „Diaspora“: Die Veranstaltung am 30. April in Graz bildete den Abschluss der Lehrveranstaltung „Religiöse Gemeinschaften im Südosten Österreichs und Europas“. Unter den Diskussionsteilnehmenden war auch Peter Piffl-Percevic (3. v. r.), Vorsitzender der Grazer Sektion von Pro Oriente, dem internationalen Kompetenznetzwerk zu Kirchen des christlichen Ostens.
- Foto: Roth
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„Diaspora“. Was Christsein fernab des Geburtslandes bedeutet, darüber diskutierten Studierende und andere Interessierte in Graz.
Welche Rolle spielt Religion für Menschen, die fern ihrer Herkunft leben? Dieser Frage widmeten sich am 30. April die Teilnehmenden an der öffentlichen Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Diaspora“. In der „Villa Malwine“ in Graz kamen Studierende sowie VertreterInnen aus südosteuropäischen Ländern zusammen, um über persönliche Erfahrungen und die Bedeutung religiöser Gemeinschaften im Alltag zu sprechen.
Diaspora – der Begriff weckt Emotionen. Denn das altgriechische Wort bedeutet „Zerstreuung“ und bezeichnet die Existenz religiöser, nationaler, kultureller oder ethnischer Gemeinschaften in der Fremde und damit Menschen, die ihre traditionelle Heimat verlassen haben und teils über weite Teile der Welt verstreut sind. Ursprünglich bezog sich das Wort auf die Zerstreuung der jüdischen Bevölkerung nach der Zerstörung des ersten Tempels in Jerusalem im Jahr 586 v. Chr. Heute beschreibt „Diaspora“ allgemein Gemeinschaften von Menschen, die außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat leben – freiwillig oder unfreiwillig.
Südosteuropa. Im Mittelpunkt der Veranstaltung in Graz standen Stimmen von Menschen aus Albanien, Bulgarien und Griechenland, die ihre Perspektiven auf das Leben in Graz einbrachten. „Für mich spielt meine Gemeinde eine zentrale Rolle im Alltag“, betonte Kyriaki Dermatidou Argárate (Bild: 2. v. l. vorne) die persönliche Dimension des Themas. „Uns hat interessiert, in welchem Ausmaß das auch für andere Menschen gilt, die selbst zugewandert sind oder deren Familien aus Südosteuropa stammen“, so Dermatidou Argárate, Mitglied der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Graz und Leiterin der Lehrveranstaltung, in deren Rahmen „Diaspora“ stattgefunden hatte.
Begegnungsräume. Die Bedeutung von Begegnungen von Diaspora-Mitgliedern hob Pablo Argárate (Bild: 4. v. l. hinten) hervor. „Es ist wichtig, über den offiziellen Dialog hinaus Räume zu schaffen, in denen Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten miteinander ins Gespräch kommen“, sagte der Vorstand vom Institut für Ökumenische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz und dem UNESCO-Lehrstuhl für interkulturellen und interreligiösen Dialog für Südosteuropa. Begegnungsräume ließen ein „besseres Verständnis für die Lebensrealitäten unserer Mitmenschen“ entstehen.
Inhaltlich erstreckte sich die Diskussion von Fragen der religiösen Praxis im Alltag über geschichtliche und politische Aspekte bis hin zur Rolle von Gemeinschaft und Zugehörigkeit in der Diaspora. Die Ergebnisse der gesamten Lehrveranstaltung sollen in den kommenden Monaten in einen Online-Kurs zum Thema „Religion in Südosteuropa“ einfließen.
Birgit Roth
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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