Karwoche und Ostern
Papst mahnt Welt zu Zusammenhalt

Papst Franziskus hält bei der Feier der Osternacht am 11. April im Petersdom die Osterkerze.
  • Papst Franziskus hält bei der Feier der Osternacht am 11. April im Petersdom die Osterkerze.
  • Foto: Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani/KNA
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Ostern 2020 – ein Osterfest, das wohl niemand so schnell vergessen wird. Un­ver­gess­lich auch die Bilder und Worte, die bei den liturgischen Feiern aus Rom gesendet wurden. Statt vor zehntausenden Pilgern aus aller Welt leitete Papst Franziskus die Zeremonien in der riesenhaften Leere des Petersdoms. In der Osternachtfeier am Samstagabend beschwor er ein christliches „Grundrecht“ auf Hoffnung. Die Zuversicht, die von der Auferstehung Jesu her komme, lege „die Gewissheit ins Herz, dass Gott alles zum Guten zu wenden vermag, da er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lässt“. Franziskus weiter: „Die Dunkelheit und der Tod haben nicht das letzte Wort.“

Dunkelste Stunde

Dabei räumte der Papst ein, dass viele Katholiken den Karsamstag stärker denn je erleben mögen – den Tag nach der Kreuzigung, an dem buchstäblich Gott tot ist. Ängste um das eigene Leben angesichts der Pandemie, aber auch Angst vor dem, was die Zukunft bringt, machten diese Zeit zur „dunkelsten Stunde“, so der Papst. Den Gläubigen sprach er Mut zu: „Habt keine Angst, fürchtet euch nicht – das ist die Botschaft der Hoffnung. Sie gilt uns, heute. Es sind die Worte, die Gott uns in der Nacht, die wir gerade erleben, wiederholt“, sagte er. Franziskus verwies auf diejenigen, die sich wie die Frauen am Grab Jesu trotz Trauer und Schmerz nicht unterkriegen ließen und mit kleinen Ges­ten „Keime der Hoffnung“ säten.

Bei seiner Ansprache vor dem Segen „Urbi et orbi“ am Ostersonntag zeigte sich der Papst ungewöhnlich politisch. Vor Millionen von Zusehern aus aller Welt rief das Kirchenoberhaupt zum internationalen Zusammenhalt auf. Die Zeit heute erlaube weder Gleichgültigkeit noch Egoismus, Spaltungen oder ein Vergessen anderer Notlagen, sagte Franziskus. Er erinnerte dabei u. a. an die Migranten und Flüchtlinge. Viele lebten „unter unerträglichen Bedingungen, besonders in Libyen und an der griechisch-türkischen Grenze sowie auf Lesbos“.
Europa mahnte der Papst zu einem „spürbaren Geist der Solidarität“. Die Union stehe vor einer „epochalen Herausforderung, von der nicht nur ihre Zukunft, sondern die der ganzen Welt abhängt“. Ausdrücklich verlangte der Papst einen Schuldenerlass für arme Länder und eine Lockerung internationaler Sanktionen. Er forderte eine weltweite sofortige Waffenruhe und rief die Israelis und die Palästinenser zur Wiederaufnahme von Gesprächen auf.

Angesichts der Pandemie gedachte der Papst der Menschen, die von Covid-19 unmittelbar betroffen sind. Konkret nannte er Kranke und Verstorbene sowie trauernde Angehörige, aber auch alte und alleinstehende Personen und besonders Gefährdete in Pflegeheimen, Kasernen und Gefängnissen. Für medizinisches Personal und Ordnungskräfte betete er um „Kraft und Hoffnung“. Die Auferstehung Christi nannte Papst Franziskus einen Sieg der Liebe, der durch Leiden und Tod hindurch einen Weg eröffne. Dies sei „ein exklusives Kennzeichen der Macht Gottes“.

Österreichs Bischöfe haben in ihren Predigten zum Ostersonntag die Auferstehung Jesu im Licht der Corona-Krise gedeutet. Der Tod, der vielen Menschen durch die gegenwärtige Pandemie ins Bewusstsein gerückt sei, erhalte durch das Ostergeschehen eine Umdeutung als „Übergang“ und sei nicht das Ende der Hoffnung, so eine gemeinsame Botschaft. Die liturgischen Feiern zum wichtigsten Fest der Chris­ten fanden allesamt im „Ausnahmezustand“ statt: Den strikten Präventions-Regeln entsprechend, durften bei den Feiern in den Domkirchen stets nur eine Handvoll Personen anwesend sein; die Gläubigen verfolgten die Gottesdienste durch die Übertragungen im Fernsehen, Internet oder Radio.

Hoffnungsbotschaft für die Welt

Bischof Alois Schwarz rief in dem von Servus TV übertragenen Gottesdienst am Ostersonntag die Geschichte Maria von Magdalas in Erinnerung. Jesus sagte zu ihr: „Halte mich nicht fest!“ Bischof Schwarz: „Das ist eine Umarmung des Lebens ohne Berührung. Das ist es, was uns jetzt zugemutet wird. Das Leben zu umarmen, ohne den anderen zu berühren.“ Die große Hoffnungsbotschaft für die Welt sei, dass die Menschen sich einander mit den Herzen des Lebens begegnen, ohne einander Gut und Böse aufzurechnen. „Dann berühren wir uns, ohne uns näherzukommen. Umarmen wir das Leben, ohne einander festzuhalten. Ich bete heute, dass Sie ein Aufleben ihres Herzen spüren und dem einen oder anderen Menschen sagen können: Ich habe das Leben gesehen und bin froh, an einen Gott glauben zu dürfen, der mich über die Schwelle des Todes ins Leben führt.“

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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