Katholische Männerbewegung zu Gast in Pyhra
Frieden braucht Versöhnung, Mut und Gemeinschaft
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Unter dem Jahresthema „Friede – und dann? Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ veranstaltete die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) von 23. bis 25. Juli ihre Sommerakademie in der Landwirtschaftlichen Fachschule Pyhra. Im Mittelpunkt standen Impulse zu Frieden, zeitgemäßer Männlichkeit, Synodalität und gesellschaftlicher Verantwortung.
Frieden beginnt im Alltag
KMBÖ-Vorsitzender Karl Toifl, der aus der Pfarre Sallapulka stammt, erinnerte zu Beginn an die Worte Jesu: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Frieden sei kein fernes Ziel, sondern eine tägliche Aufgabe. Diesen Gedanken griff der Innsbrucker Bischof und Referatsbischof der Katholischen Aktion, Hermann Glettler, auf. In seinem Vortrag betonte er: „Friede ist eine tägliche Entscheidung: für Friedfertigkeit, Gewaltfreiheit und Gespräch.“
Versöhnung beginne mit kleinen Schritten der Vergebung – oft innerhalb der eigenen Familie. Der christliche Glaube sei ein „Entlastungsprogramm“, das helfe, alte Verletzungen loszulassen und neue Wege zu gehen.
Der Grazer Neutestamentler Josef Pichler stellte anhand des Lukasevangeliums ein christliches Verständnis von Männlichkeit vor. Wahre Stärke zeige sich nicht in Dominanz oder Härte, sondern in der Fähigkeit, Gewaltspiralen zu durchbrechen und bewusst auf Vergeltung zu verzichten.
Der Schriftsteller und Psychotherapeut Arnold Mettnitzer verband gesellschaftliche Analysen mit Erfahrungen aus seiner Praxis. Er zeigte auf, wie Versöhnung und innere Freiheit im persönlichen Leben wachsen können und welche Bedeutung dies für ein friedliches Zusammenleben hat.
Zuhören als geistlicher Weg
Einen praktischen Schwerpunkt setzte Bernhard Steiner, Vorsitzender der Katholischen Männerbewegung OÖ und Mitglied der Synodengruppe der Diözese Linz. Gemeinsam mit den Teilnehmern übte er das synodale Gespräch ein. Dabei geht es darum, einander aufmerksam zuzuhören und gemeinsam auf das Wirken des Heiligen Geistes zu hören. So entstehe Raum für gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Entscheidungen.
Freundschaft über Grenzen hinweg
Bischof Glettler sprach auch über sein gemeinsam mit dem islamischen Geistlichen Abualwafa Mohammed veröffentliches Dialogbuch „Nicht den Hass, die Liebe wählen“. Entscheidend sei nicht allein der Dialog, sondern echte Freundschaft. Wo Menschen einander mit Respekt begegnen, könne Vertrauen wachsen und Frieden glaubwürdig werden.
80 neue KMB-Gruppen als Ziel
Mit Blick auf das 80-Jahr-Jubiläum der KMBÖ im Jahr 2028 formulierte Glettler ein konkretes Anliegen: Bis dahin sollen österreichweit 80 neue KMB-Gruppen entstehen. Sie könnten einen wichtigen Beitrag gegen die zunehmende Einsamkeit leisten und Orte der Gemeinschaft, des Glaubens und des Austauschs schaffen.
Friede ist eine tägliche Entscheidung: für Friedfertigkeit, Gewaltfreiheit und Gespräch.
Es wurde auch bekannt gegeben, dass der Romero-Preis 2027 an Franz Grandits aus Stinatz (Burgenland) verliehen wird. Der pensionierte Tischlermeister gründete vor 30 Jahren das Projekt „Hilfe Direkt“ und unterstützte den Bau von über 50 Schulen, Mädchenheimen, Krankenhäusern und Waisenhäusern in Burkino Faso.
Erklärung der Sommerakademie
Zum Abschluss verabschiedeten die Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung. Darin halten sie fest, dass sich männliche Stärke nicht in Härte oder Polarisierung zeigt, sondern im Mut zur Barmherzigkeit und zur aktiven Versöhnung. Vergebung, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung seien Grundlagen eines dauerhaften Friedens. Religion dürfe niemals zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden. In der Nachfolge Jesu wolle die KMBÖ dazu beitragen, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und durch konkrete Schritte Vertrauen wachsen zu lassen, wo Misstrauen herrscht.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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