Pilgerorte der Welt: Maria Laach
Ein Wallfahrtsort etwas anderer Art

Links: Das Klostergelände am Laacher See. Rechts: Detailaufnahme der mächtigen romanischen Basilika.  | Foto: Eifel Tourismus GmbH / Dominik Ketz
2Bilder
  • Links: Das Klostergelände am Laacher See. Rechts: Detailaufnahme der mächtigen romanischen Basilika.
  • Foto: Eifel Tourismus GmbH / Dominik Ketz
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Maria Laach – eine altehrwürdige Abtei in der Eifel mit bewegter Geschichte und beeindruckender Kunst. Der Prior der Abtei, P. Maximilian Krenn, nimmt uns mit auf eine Wallfahrt durch die Kirche.

Die Benediktinerabtei Maria Laach liegt unweit von Koblenz, bereits in der Eifel, aber noch nicht sehr weit vom Rhein entfernt. Das Gründungsjahr ist 1093. Damals gründete Pfalzgraf Heinrich II., der auf der Ostseite des Laacher Sees seine Burg hatte, das Kloster. Es bekam den Namen „Abbatia Sanctae Mariae de Lacu“ – Abtei der heiligen Maria am See.

Und damit zur weiteren Geschichte: Jahrhundertelang, bis 1802, lebten hier Benediktinermönche, bis schließlich in napoleonischer Zeit die Abtei säkularisiert wurde. Die Mönche hatten ihr Kloster zu verlassen, es wurde verkauft und wirtschaftlich genutzt. 1863 übernahm der Jesuitenorden das Kloster und gestaltete es zu einer theologischen Lehranstalt für den Ordensnachwuchs um. Nur knapp zehn Jahre konnten sich die Jesuiten ihres neuen Besitzes erfreuen, als sie im Zug des Kulturkampfes Laach wieder verlassen mussten. Es waren übrigens die Jesuiten, die dem Kloster den Namen „Maria Laach“ verliehen; bis dahin hieß es, wie oben schon bemerkt nur „Abtei Laach“ („Laach“ kommt von lateinisch lacus, der See). Im Jahre 1892 besiedelten schließlich die Benediktiner der Erzabtei Beuron im Donautal das rheinische Kloster wieder neu, seitdem ist es wieder in benediktinischen Händen.

Durch eine romanische
Vorhalle, „Paradies“ genannt, tritt man in die Kirche ein.

Während das Kloster in alten Zeiten in tiefer Einsamkeit lag, kommen seit den 1950er-Jahren sehr viele Menschen an diesen Ort, der seinen eigenen Zauber hat: die uralte Vulkanlandschaft mit dem tiefblauen See, dem umliegenden Wald, meist mit Buchenbewuchs, und der herrlichen romanischen Kirche. Sie hat das Glück, die Jahrhunderte baulich nahezu unverändert überdauert zu haben. Sehr harmonisch wirkt der beherrschende vulkanische Baustoff: gelber Laacher Tuff und dunkelblauer Basalt. Sechs Türme hat die Kirche, ein wahres Kleinod, stilistisch verwandt mit dem gewaltigen Speyerer Dom und anderen Kirchen im Rheinland.

Durch eine romanische Vorhalle, „Paradies“ genannt, tritt man in die Kirche ein. In dieser können wir zahlreiche romanische Relief-Werke des sogenannten „Laacher Samsonmeisters“ bestaunen. Das Münster selbst hat zwei Portale, im Süden und im Norden. Sobald sich die Augen an den mit gedämpftem Licht erfüllten Raum gewöhnt haben, nimmt im Osten der große Christus-Pantokrator, der die gesamte Apsis ausfüllt, den Blick des Aufschauenden gefangen. Je näher der Betrachter herantritt, desto mehr geht ihm auf, dass der Christus Kontakt mit ihm sucht. Man schaut auf und begegnet seinem Blick, der ein göttlicher Blick ist, göttlich erhaben und dennoch überaus gütig. Er ist das eigentliche Ziel einer Wallfahrt nach Maria Laach. In der westlichen Apside begegnen wir dem mächtigen Grabmal des Stifters von Maria Laach, Pfalzgraf Heinrich II., aus dem 13. Jahrhundert.

Aber: Maria Laach ist auch ein marianischer Ort, schon von seinem Patrozinium her. Kirche und Kloster sind der Gottesmutter geweiht, das Patrozinium ist Mariä Aufnahme in den Himmel (15. August). In der Kirche kann man auf Entdeckungsreise, ja auf Wallfahrt gehen.

Unaufdringlich, wie sie in diesem Leben war, ist Maria gegenwärtig. Wenn man die Kirche rechterhand betritt, fällt der Blick auf die schöne gotische Madonna aus Südfrankreich, die das Jesuskind in ihren Armen hält. Links davon ist der Zugang zur Schmerzhaften Muttergottes (Pieta). Hier kann der Besucher sein Herz ausschütten und ein Licht entzünden. Geht man weiter, entdeckt man hinter dem ersten Pfeiler, hinter der Schönen Madonna, ein mittelalterliches Fresko mit verblichenen Farben (es lässt die frühere Schönheit immerhin noch erahnen): Maria mit dem göttlichen Kind.

Maria als „Braut des Lammes“

Am ersten Pfeiler des Kirchenschiffs dann ist ein aus Messing getriebenes Altarretabel, gefertigt vom Laacher Künstler Bruder Radbod Commandeur (+ 1955). Hier ist die Kreuzigung nach dem Johannesevangelium dargestellt: Jesu geöffnetes Herz, aus dem Blut und Wasser strömen. Maria, die Kirche darstellend, nimmt in einem Kelch die Sakramente der Kirche entgegen: Wasser für die Taufe und Blut für die Eucharistie. Steht man im Mittelschiff der Kirche, dann entdeckt man unterhalb des Christusmosaiks das Fenster „Maria Braut des Lammes“, Sonne und Mond neben ihrem Haupt, umgeben von der ganzen Schöpfung; zu ihren Füßen das Ostwerk der Kirche samt Stiftergestalten. In der Apside des nördlichen Querhauses ist in Mosaik die thronende Gottesmutter mit dem Jesuskind dargestellt, dem die Weisen aus dem Morgenland ihre Gaben bringen. Das Rankenwerk unterhalb stellt den Stammbaum Jesu Christi dar, der mit seiner Menschheit aus dem Volk der Juden stammt.

Die leuchtenden Fenster dieses nördlichen Seitenschiffs hat Bruder Notker Becker (+1978) gestaltet: Die biblische Szene des Sündenfalls und des nun sündigen Menschen, verkörpert durch Kain und Abel. Daneben Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Jesus, der durch sein Sterben unsere Schuld getilgt hat. Nähern wir uns dann dem Ausgang, so begegnen wir ein letztes Mal Maria, in der Komposition der „Anna Selbdritt“, so eher selten dargestellt: Anna hält in ihrer rechten Hand eine Rose, Symbol für Maria, und auf ihrem Schoß liegt ein geöffnetes Buch: der Logos Christus. Damit wären wir am Ende unserer Christus-Maria-Wallfahrt in Maria Laach. Eine Grafik unseres Br. Lothar Güth (+ 1980) mit dem „Gegrüßet seist du, Maria“, dem biblischen Mariengruß, mag unseren Weg beschließen.

Gebet am Wallfahrtsort

Komm’, Heiliger Geist, heilige uns!
Erfülle unsere Herzen
mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg
und dem vollen Leben.

Entzünde in uns dein Feuer,
dass wir selber davon zum Lichte werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass’ unsere schwerfälligen Zungen
Worte finden, die von deiner
Liebe und Schönheit sprechen.

Schaffe uns neu,
dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen, sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir das Antlitz der Erde
erneuern, und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns,
stärke uns, bleibe bei uns. Amen.

Aus der Ostkirche

Autor

P. Prior Maximilian Krenn OSB wurde am Ostersonntag 1969 in Wien geboren. Aufgewachsen in Wien, Eintritt in das Benediktinerstift Göttweig mit 19 Jahren. Von 2009 bis 2025 Prior in Göttweig und später Leiter des Exerzitienhauses. Dazwischen Leitung des Stiftes St. Paul in Kärnten als Administrator. Zurzeit auch Vorsteher des Stiftes Raigern in Tschechien. Und seit Oktober 2025 Prior und Novizenmeister in der Abtei Maria Laach. Foto: Stift Göttweig

Links: Das Klostergelände am Laacher See. Rechts: Detailaufnahme der mächtigen romanischen Basilika.  | Foto: Eifel Tourismus GmbH / Dominik Ketz
P. Prior Maximilian Krenn OSB | Foto: Stift Göttweig
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ