13. Sonntag im Jahreskreis | 28. Juni 2026
Meditation

Foto: pexels / James Collington

Keine Zeit zu warten

Als Kind dachte ich: Wenn ich einmal meinen Führerschein habe, dann bin ich erwachsen. Wenn ich ausgezogen bin, dann beginnt mein richtiges Leben. Wenn ich einen Ehepartner gefunden habe, dann werde ich glücklich sein.
Voller Erwartung und Sehnsucht habe ich mich auf diese Momente gefreut. Später – so glaubte ich – wird das Leben erst richtig schön.
Aber als ich dann meinen Führerschein hatte, war ich nicht plötzlich sorgenlos. Als ich alleine lebte, brachte die neue Freiheit auch volle Wäschekörbe und hohe Rechnungen.
Und sein Glück von einem Partner abhängig zu machen, tut niemandem gut – das durfte ich auf die harte Tour lernen.

Trotzdem habe ich gelernt, dankbar zu sein für die vielen Gaben, die Gott schenkt. Vor kurzem hörte ich in einem Podcast einen Satz, der mich tief berührt hat: „Jetzt ist keine Zeit des Wartens, sondern eine Zeit des Gestaltens. Tu, was du tun kannst, um dich vorzubereiten – aber bleib ja nicht sitzen.“
Dieser Gedanke hat mich getroffen. Lebe! Genieße, was Gott dir gegeben hat. Warte nicht auf den perfekten Job, nicht auf den Menschen, der all deine Bedürfnisse erfüllen soll. Probier Neues aus, bewege dich, genieße die Schöpfung, iss Gutes, mach dich hübsch. Worauf warten?

Auch die Bibel zeigt, dass Gott selten wartet, bis Menschen „bereit“ sind:
Die Jünger wurden mitten aus ihrem Alltag heraus gerufen, ohne Vorbereitung und ohne zu wissen, wohin der Weg führen würde. Abraham brach auf, obwohl Gott ihm kein Ziel nannte, sondern nur versprach, es ihm unterwegs zu zeigen.
Maria sagte Ja zu Gottes Plan, obwohl sie weder verstand, was kommen würde, noch irgendeine Sicherheit hatte.
Und Pfingsten kam in einem Moment der Unsicherheit, als die Jünger eher ratlos als stark waren.
Und er weiß genau, warum du wartest – auf was auch immer du wartest. Er weiß, was du brauchst. Er hat einen Weg für dich. Und wenn du eine Zeit lang auf etwas verzichten musst, dann nicht, weil er dich übersieht, sondern weil er etwas Besseres vorbereitet. Ist das nicht befreiend?

Maria Wilbrink

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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