Kreuzerhöhung | 14. September 2025
Meditation
- Foto: Anna Steiner
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Farbenfroh sein
Das wird ja immer bunter!“ Dieser oft von einem erhobenen Zeigefinger eines Erziehungsberechtigten angekündigte Ausrufesatz begleitete mich vergangenen Mai auf meiner Reise durch Kolumbien. Nicht etwa, dass es im Norden Lateinamerikas für mich viel zu bemängeln gegeben hätte – im Gegenteil.
Buntheit in Form von Farbenpracht kommt in Kolumbien eine ungleich höhere Bedeutung zu als in meinem 9000 Kilometer entfernten Geburtsland Österreich. Bald schon war mir auf meiner Reise entlang der Karibikküste klar: In einer so farbenfrohen Gegend wie hier war ich zuvor noch nie. Von meterhohen Mangobäumen lachten leuchtend orange Früchte, besucht von Kolibris in schillernd-buntem Federkleid, und smaragdgrün funkelte das Salzwasser beim Bootsausflug auf offener See.
Neben der farbenfrohen Natur besonders beeindruckt haben mich die unzähligen, durch Menschenhand gefärbten Eigenheime. Egal, ob Lehmhütte mit Wellblechdach oder massiv gebaute Mehrfamilienunterkunft – jedes Gebäude schien das angrenzend errichtete mit seinem Anstrich an Farbintensität zu übertrumpfen. „Vor hohen Feiertagen werden bei uns die Häuser neu gestrichen“, verriet ein Ortsansässiger. „Wer Geld hat, macht das jährlich.“
Einmal im Jahr umfärbeln – bei dem Gedanken komme ich ins Schwärmen und lackiere im Geiste gleich meine Gartenhütte neu. Im Falle eines guten Jahres wäre die Farbe meiner Wahl ein sattes Gelb. „Ich freue mich über die Beständigkeit von Freundschaften!“, oder: „Danke für das feine Essen, das ich in diesem Jahr genießen durfte!“, würde das Gelb kommunizieren. „Wie schön, dass ich mich nach meiner Genesung wieder gut fühle“, würde das Erbsengrün verlautbaren. Tiefrot würde Vorübergehenden Energie und Mut verdeutlichen, und Königsblau wäre mein Ausdruck von Sehnsucht nach der Weite und dem Meer.
In ihrer Buntheit bleiben die Häuser in Kolumbien meist nicht allzu lang allein. Blumen in kräftigen Farben und ebenso gekleidete Menschen gesellen sich sehr bald zu ihnen. Und die Gemüter derjenigen, die daran vorübergehen – sie werden bunt.
Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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