Ordensleben in der Steiermark | Teil 17
Unser Kloster ist die Welt

Über den Wolken. Die Berge sind für den Südtiroler P. Albert Holzknecht (ganz rechts) ein Ort gemeinschaftlicher spiritueller Erfahrung.
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  • Über den Wolken. Die Berge sind für den Südtiroler P. Albert Holzknecht (ganz rechts) ein Ort gemeinschaftlicher spiritueller Erfahrung.
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Gott in allem entdecken. Die Spiritualität der Jesuiten ist radikal der Welt zugewandt.

Überall ist Gott anwesend und wirksam, besonders in jedem Augenblick des eigenen Lebens. Das zu erspüren sei ein wichtiges Anliegen des heiligen Ignatius, des Gründers der Jesuiten. P. Albert Holzknecht beschreibt so die „Basics“ seiner Spiritualität: „Es geht darum, Gott in den ganz alltäglichen Verrichtungen unseres Lebens, in der eigenen Lebensgeschichte zu erkennen als das aktive und lebendige Prinzip in unserem Lebensstrom“, als Einladung zum gemeinsamen Weg zu sich selbst, zu dem, was wir sein können.

Der Spanier Ignatius von Loyola, der im 16. Jahrhundert mit einigen Gefährten die „Gesellschaft Jesu“ gründete, verbrachte am Beginn seines geistlichen Weges mehrere Monate in Einsamkeit, wo er inspiriert von tiefen mystischen Erlebnissen sein „Exerzitienbuch“ niederschrieb. Darin ist die Spiritualität der Jesuiten vorgezeichnet, die christozentrisch geprägt ist, wie P. Albert erläutert: „Es geht darum, das Leben Jesu zu betrachten. Bin ich bereit, Christus nachzufolgen?“

Was den Superior der Grazer Kommunität daran am meisten fasziniert, ist ihre Bodenständigkeit. So hätten die Jesuiten nie zurückgezogen in Klöstern gelebt und kein gemeinsames Chorgebet gehabt, um freier zu sein für die Arbeit: „Unser Kloster ist die Welt.“ Auch Papst Franziskus, der selbst Jesuit ist, ermuntere dazu, hinauszugehen an die Grenzen.

Auch wenn es darum gehe, die eigene Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen, seien die Jesuiten keine Individualisten, wie es ihnen manche vorwerfen. In Graz leben mit Holzknecht derzeit P. Martin Rauch, P. Johannes König und P. Thomas Neulinger, der ab September Spiritual im Priesterseminar sein wird, in einer Kommunität zusammen. „Für uns ist es wichtig, in Gemeinschaft zu leben“, betont P. Johannes. Auch wenn das nicht immer ganz toll gelinge, gelte, was man auch von einer guten Ehe sagen kann: „Sie hält.“

P. Albert, der wie Martin Rauch in der Studentenseelsorge mitarbeitet und als Südtiroler viel mit Studierenden in den Bergen unterwegs ist, erklärt, die Jesuiten hätten von Anfang an erkannt, „dass sie mit Bildung viel erreichen können“. Der Dienst am Glauben sei aber untrennbar mit dem Einsatz für Gerechtigkeit verbunden. Die Solidarität mit den Notleidenden und den Auftrag, ungerechte Strukturen zu bekämpfen, zähle der Orden wesentlich zu seinen Aufgaben. Schon 1980 wurde der Jesuiten-Flüchtlingsdienst gegründet und habe auf eine Not geantwortet, die gerade heute brandaktuell ist. Jetzt wurde jede Kommunität aufgerufen, sich zu überlegen, was sie für Flüchtlinge tun kann: „Wir werden in Graz eine Wohnung mieten.“

Holzknecht weist auch auf den Dienst der „Jesuit Volunteers“ hin, wo junge Menschen die Möglichkeit haben, einige Monate lang in einem fremden Land freiwillig am Aufbau einer gerechteren Welt mitzuarbeiten. P. König erzählt von einem anderen Projekt: Bei den „Exerzitien auf der Straße“ suchen die Teilnehmer in einer Stadt besonders Orte auf, an denen Arme leben – mit einem Impuls aus dem Evangelium, der den Blick Jesu zeigt, und der Bereitschaft, von ihnen zu lernen.

Die Bereitschaft, überall hinzugehen, wo-hin man geschickt wird, ist für Johannes König ganz wesentlich. Wenn er in einer Übung sein Lebenshaus zeichnen musste, habe er immer einen Campingwagen gezeichnet: „Wir sind die Zigeuner Gottes.“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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