Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 018
Macht über Gott?

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Magie

Typisch für die Magie ist der Versuch, Macht über die Gottheit zu gewinnen, um auf diese Weise das im eigenen Leben befürchtete Unglück abzuwenden und das eigene Glück herbeizuzwingen. In reifen Formen von Religiosität, wie der Glaube sie darstellt, bringt der Mensch seine Hoffnungen und Sorgen in Gebeten und rituellen Handlungen vertrauensvoll, aber demütig bittend vor Gott. Von ihm erhofft er die Erfüllung seiner Sehnsüchte. In der Magie hingegen hat sich die Wirkungsweise von Worten, Gesten und Riten verselbstständigt. Wer an magische Praktiken glaubt, geht davon aus, dass die Erfüllung seiner Wünsche ausschließlich vom korrekten Vollzug dieser Praktiken abhängt. Entspräche dies den Tatsachen, so wäre letztlich der Mensch und nicht Gott es, der den erbetenen günstigen Wandel der Verhältnisse bewirken könnte. Gott hingegen würde zu einer Marionette menschlicher Ritualhandlungen. Angesichts dieser Einsichten ist festzuhalten, dass nicht Worte und Handlungen einen Ritus zur Magie machen, sondern die Haltung, die mit ihnen verbunden wird.

Religionsgeschichtliche Untersuchungen zeigen, dass Aberglaube und Magie am Rand jeder Religion entstehen. Von daher treten in allen Religionen immer wieder Reformer auf, die sich gegen diese unreifen Formen von Religiosität wenden. Vor diesem Hintergrund müssen Aberglaube und Magie als Unterströmungen gesunder Religiosität betrachtet werden, die nahezu unvermeidbar entstehen und von daher immer nur eingedämmt, aber wohl nie vollständig verdrängt werden können. Während ältere Forschungsergebnisse belegen, dass Aberglaube und Magie sich sehr stark im Bereich der Volksfrömmigkeit finden, machen neuere Studien darauf aufmerksam, dass abergläubische Vorstellungen ähnlich stark auch im hochkulturell-oberschichtlichen Milieu gepflegt wurden.

Diese deutlich weiter anzusetzende Verbreitung abergläubischer Vorstellungen ist nicht verwunderlich. Sie ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass der Mensch in Situationen der Angst bevorzugt in kindliche Verhaltensmuster zurückfällt, in denen er sich an etwas klammern möchte, das ihm Sicherheit verspricht. Dem steht gegenüber, dass das Leben des Menschen auf Erden letztlich ungesichert ist und seinem Ende mit jedem Tag ein Stück weiter entgegengeht. Irdische Güter, an die man sich klammern kann, können die erwünschte Sicherheit deshalb gerade nicht geben.

Angesichts dieser Grundeinsicht bleibt nur die Hoffnung auf Gott, der dem Menschen im Glauben eine tragfähige Beziehung anbietet. Er ist es, der als Schöpfer Herr des Lebens ist und als Retter ewiges Leben verheißt. Er aber ist der menschlichen Verfügungsmacht wesentlich entzogen. Der Glaube an ihn verlangt deshalb den Mut, seine Verheißung anzunehmen und auf Vertrauen hin zu leben.

Angst vor Zauber, der Wetter beeinflusst, war in der Vergangenheit weit verbreitet.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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