Kundschafter | Teil 02
Kundschafter in London

Westminster Abbey, London, mit steirischem Vordergrund (von links): Nikolaus Putzenbacher (Ehrenamt), Ingrid Dullnig (KHG und AAI) sowie Christoph Paar (Priesterseminar).
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Mit Couch und Tee im Gotteshaus empfangen

Von „happy clappy“ bis „katholischer als der Papst“ erlebten Kundschafter(innen) die Anglikaner.

Eine Dame im Talar stellt sich zum Ambo. Unversehens spricht sie die herumgehenden Touristen und die anderen Besucher der Southwark Cathedral im südlichen London an: „Bleiben Sie einfach stehen, wo Sie gerade sind, oder setzen Sie sich hin, wenn Sie möchten. Denken wir an die Anliegen, die wir mitgebracht haben oder die uns mitgegeben worden sind.“ Nach einem gemeinsamen Vaterunser bietet die Frau an: „Gerne stehe ich für Fragen und Gespräche zur Verfügung.“

Mag. Ingrid Dullnig, eine der zwölf steirischen Kundschafterinnen und Kundschafter, erlebte hier eine „Kathedralkaplänin“ (cathedral chaplain). Die in seelsorglichem Gespräch Ausgebildete verpflichtet sich, einmal in der Woche von halb elf bis halb vier am Nachmittag in der Kirche zur Verfügung zu stehen, einfach da zu sein. Ihre Gebetsimpulse erinnern daran, dass dieses Haus ein religiöser Ort ist.

Anglikanische Aufbrüche in der Diözese London nördlich der Themse studierten Nikolaus Putzenbacher, ehrenamtlich im Vorstand des steirischen Diözesanrats tätig, der Grazer Priesterseminarist Christoph Paar und Ingrid Dullnig, die Wirtschaftsleiterin von Katholischer Hochschulgemeinde und Afro-Asiatischem Institut. „It depends“, war eines ihrer am häufigsten in England gehörten Wörter: Es kommt darauf an. Ungeheuer vielfältig zeigt sich diese wachsende Kirche. Von „happy clappy“ (glücklich, klatschend, vor allem in evangelikalen Feiern) bis zu streng protestantisch-puritanisch oder „katholischer als der Papst“ reicht die Bandbreite. Das erklärte auch Generalvikar Nick Mercer, der sich mit „Hello, I’m Nick“ den steirischen Besuchern vorgestellt hatte.

Primär gehe es um das „belong“, danach erst um das „believe“, berichtet Ingrid Dullnig. Das „Dazugehören“ zu einer Gemeinschaft ziehe Menschen an, erst dann komme das „Glauben“. Der hintere Bereich der Kirchen am Eingang sei oft als Empfangsbereich gestaltet mit gemütlichen Sitzgelegenheiten. Meistens stehe jemand für Gespräche zur Verfügung und biete Tee an. „Kirche offen – willkommen“, stehe auf einem Schild vor der Tür.

Jeder Tag in den vielen pfarrlichen Schulen beginne am Morgen mit einem gemeinsamen christlichen Lobpreis. Alle nehmen teil, selbst wenn 80 Prozent der Schüler Muslime seien, staunt Christoph Paar. Die Pfarrer und Pfarrerinnen verstehen sich als zuständig für alle Einwohner, selbstverständlich auch für Anders- und Nichtgläubige, ergänzt Nikolaus Putzenbacher. Und die Pfarrer haben Augen und Ohren offen, wer geeignet sei, das Priesteramt zu übernehmen. Dass einige zölibatär leben und andere verheiratet, sei für sie nicht einmal der Rede wert.

JOHANN A. BAUER

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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