Beten mit Israel | Teil 04
In den Fußstapfen des Vaters

Wenn wir beten, spricht unser Körper mit. | Foto: KIZ/A

In unserer Reihe (Teil 1) haben wir Hanna als fromme Frau kennen gelernt. Ihre Hingabe und Einstellung zu Gott setzt sich fort in ihrem Kind Samuel, das sich ganz Gott schenkt und später, als Erwachsener, ein großer Beter und Fürsprecher für sein Volk wird (1 Sam 7–12). Ähnliches zeigt sich bei David (Folge 2 und 3), dessen Sohn Salomo ebenfalls betet und dabei der Richtung seines Vaters folgt.

Der Anlass. Herausragend ist jenes sehr lange Gebet, das Salomo aus Anlass der Einweihung des von ihm gebauten Tempels verrichtet. Es geht weit über seine persönlichen Anliegen hinaus. Es zeugt davon, wie ein König über die Eigenart eines Gott geweihten Ortes reflektiert, die Nöte seiner Gemeinschaft kennt und ins Gebet einbringt sowie in einem Fest das ganze Volk am freudigen Ereignis teilhaben lässt. Die ersten Verse schildern die Versammlung aller Verantwortlichen und von „ganz Israel“ anlässlich der Überführung der Bundeslade in das neu gebaute Heiligtum (v1–9). Daraufhin erfüllt eine „Wolke“, Symbol der Herrlichkeit Jhwhs und seiner Gegenwart, den Tempel (v10f).

Rückblick. Nach einer kurzen Einleitung (v12f) und dem Segen für das Volk (v14) preist Salomo Gott für dessen bisheriges Wirken (v15–21). Dabei nimmt sein Vater David eine besondere Stellung ein. Beten lebt auch aus Erinnerungen, und es hält sie wach.

Körperhaltung. Anfangs steht der König und hebt seine ausgebreiteten Hände in die Höhe (v22, so genannte „Orantenhaltung“, ähnlich Priestern heute) – Zeichen der Freiheit, des sich Öffnens und der Ausrichtung auf Gott. Am Ende, in v54, wird sein Aufstehen vom Knien erwähnt. Letzteres ist Ausdruck dafür, dass wir niedriger sind als Gott, ihn bittend angehen und ihm ehrfürchtig nahen wollen. Wir beten auch mit unserem Körper, jeder Faser in ihm.

Wo ist Gott? In seinem Gebet erwägt Salomo, welche Funktion dem neu gebauten Tempel zukommt (v27–30). Wenn schon die höchsten Himmel ihn nicht fassen, dann noch weniger ein von Menschen errichtetes Haus. Doch kann eine solche Stätte zum besonderen Ort göttlicher Aufmerksamkeit und Präsenz werden (v29f, mit den Stichworten „Augen, Name, hören“). Sogar aus der Ferne soll es möglich sein, Gehör zu finden, allein schon durch die Ausrichtung auf diesen Ort hin (v48).

Und vergib. Fünf Mal bittet Salomo darum (v30.34.36.39.50) und macht Gottes Vergeben damit zum Hauptanliegen. Angesichts dessen, dass Menschen immer wieder in Schuld fallen, wäre ihre Lage ohne göttliches Erbarmen aussichtslos. Wir „über-leben“ nur wegen seiner Barmherzigkeit.

Sieben Bitten. Die Mitte und den Hauptinhalt von Salomos Beten bilden sieben Fürbitten (v31–51). In ihnen zählt er exemplarisch wesentliche Nöte auf, von inneren Konflikten über äußere Feinde bis hin zum Exil in einem fremden Land (v46f). Zentral ist die vierte Bitte, die eingangs neun verschiedene Fälle von Bedrohung nennt (v37) und damit deutlich macht, dass man sich in jeglicher Not an Gott wenden darf und kann.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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