Ordensleben in der Steiermark | Teil 07
Gesandt – zu denen am Rand

„O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“ Nach diesem Zitat von Augustinus richten sich die Barmherzigen Schwestern, wenn es Grund zu feiern gibt.
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  • „O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“ Nach diesem Zitat von Augustinus richten sich die Barmherzigen Schwestern, wenn es Grund zu feiern gibt.
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Video Sr. Philomena

Die Armen sind unsere Herren, sie sind unsere Könige. Man muss ihnen gehorchen. Es ist keine Übertreibung, sie so zu bezeichnen, denn in den Armen ist unser Herr gegenwärtig.“ In diesem Wort des heiligen Vinzenz von Paul zeigt sich deutlich der Auftrag, den er seinen Töchtern gegeben hat. Gemeinsam mit der heiligen Luise von Marillac gründete er 1633 die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern, die Töchter der christlichen Liebe, eine Gemeinschaft, die sich weltweit ganz speziell der Armen und Verlassenen annehmen sollte. Neben den klassischen Gelübden, die die Barmherzigen Schwestern jedes Jahr erneut ablegen, verpflichtet sich dieser Orden, der eigentlich keiner ist, in besonderer Weise zum Armendienst.

Von ihrer rechtlichen Verfassung sind die Barmherzigen Schwestern nämlich kein „Orden“, sondern eine „Gesellschaft apostolischen Lebens“. Drei Säulen bestimmen ihr Leben: die Verbindung zu Gott im Gebet, die Gemeinschaft und der Dienst an den Menschen.

Vor allem in den Straßen rund um das Provinzhaus der Barmherzigen Schwestern in der Grazer Mariengasse gehören Schwestern, die mit wehendem blauen Schleier am Fahrrad unterwegs sind, eigentlich zum Straßenbild dazu. Das macht auch deutlich, wie sie ihren Dienst verstehen. Hinaus und auf die Menschen zuzugehen ist die starke Herausforderung für die Barmherzigen Schwestern. Wie für viele andere geistliche Gemeinschaften auch, spielt das wirkliche Offen-Sein für Menschen eine zentrale Rolle in ihrem Leben.

Heute gibt es viele Bereiche, in denen die Barmherzigen Schwestern ihren Dienst versehen. „Wir gehen dorthin, wo wir gebraucht werden.“ So fasst Sr. Marianne Schwarzl, verantwortlich für die Schwesternausbildung, den Auftrag zusammen. Dazu gehören die Mitarbeit in der Krankenhausseelsorge, etwa im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, und die Leitung eines Kindergartens. „Multikulti“ wird dort selbstverständlich gelebt. Die Schwestern suchen oftmals die Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Organisationen. Seit langem arbeiten sie im Marienstüberl der Caritas in der Kleiststraße.

In den letzten Jahren tritt in der Steiermark die Seelsorge als Betätigungsfeld stärker in den Vordergrund. So führen Barmherzige Schwestern in Dobl eine private Neue Mittelschule und eine Montessori-Volksschule. Dort werden jungen Menschen die christlichen Grundwerte vermittelt. Dazu kommen Pfarrarbeit, Jugendpastoral und Religionsunterricht. Im Provinzhaus gibt es eine Lebensmittelausgabe für Bedürftige. Eine Schwester arbeitet in der Seelsorge in der Justizanstalt Karlau mit, andere pflegen regelmäßige Kontakte zum Haus Rosalie und zur Einrichtung VinziLife oder engagieren sich in Vinzenzvereinen. Im Provinzhausareal befinden sich das Exerzitienhaus, welches für Kurse und Einzelgäste offensteht, und der Pflegetrakt für kranke und betagte Schwestern.

Und die Zukunft? Worin sehen die Schwestern ihre Aufgaben in einer Gesellschaft, die sich stark verändert? „Es gilt, das Feuer lebendig zu halten.“ Darin sieht Sr. Marianne die wesentliche Herausforderung. Wenn eine Anfrage kommt, nimmt sie sich deshalb Zeit, um ganz auf diejenige einzugehen. So hat auch sie selbst es schon vor ihrem Eintritt erlebt. „Ich konnte damals mit allen Fragen zu einer älteren Schwester kommen, und so ist mir mein heutiges Leben zugewachsen. Es ist schön, ganz im Leben zu stehen und im Geistlichen verankert zu sein. Ich kann mich dadurch in ganz verschiedenen Bereichen einbringen.“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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