Wegmarken der CARITAS | Teil 3
Eine geschätzte Partnerin
- Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurden wieder „Kindererholungsaktionen“ organisiert, nachdem sie in den Jahren zuvor von der NS-Volkswohlfahrt verboten worden waren. Im Bild: fröhliche Kinder auf einem Caritas-LKW im Ferienlager Auhof 1946.
- Foto: caritas.at; Illustration: Ivan Rajič
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Das caritative Wirken war immer wieder „auf der Höhe der Zeit“.
Es ist evident, dass die Caritas nach 1945 eine Reihe von Entwicklungen erlebte. Das Almosenverständnis, das in der kirchlichen Hilfsorganisation nach dem Zweiten Weltkrieg anfangs noch vorherrschte, wurde durch professionellere Verteilstrukturen, neue Formen der sozialen Hilfen, zeitgemäßere Pädagogik sowie deutlich bessere Ausbildungsformen für hauptberuflich Mitarbeitende abgelöst. So konnte die Caritas mit der Zeit ein effektiver, geschätzter wie auch unbequemer Partner der öffentlichen Hand werden. Dies zeigt sich etwa auf dem Feld der Weiterentwicklung und Professionalisierung:
- Die Entwicklung der Nachkriegsjahrzehnte bedeutete den Abschied von laienhaft hilfsbereiter Caritaspraxis hin zur Caritas als Organisation, die systematisch versucht, „Not zu wenden“.
- Eine wichtige Entwicklung war das Erwachen realer Volkskirche – auch durch das Engagement von Volks-Caritas in den Pfarren, mit zunehmendem Selbstbewusstsein „von unten nach oben“.
- Ehrenamtlichkeit hat Konsequenzen: Das Mittragen und Verantworten großer Sammlungen wie Ernte(dank)- oder Haussammlung fordert und fördert Know-how pfarrlich-caritativer Aktivität, vertieft das Hilfsverständnis und stärkt die Argumentationskraft.
- Es gibt zunehmend mehr öffentliches Selbstbewusstsein für das Helfen.
- Die ungemein große Hilfsbereitschaft vieler Institutionen aus anderen Ländern signalisiert wichtige Werte, die dann von der Caritas in Österreich aufgenommen werden. Österreichs Kirche erlebt eine intakte Mitmenschlichkeit, die Grenzen überschreitet (als reale Weltkirche).
- Eine große Anzahl von Kindern, die in europäischen Ländern – für die meisten wohl wirklich „Aus“-Land – erlebt Familien mit guten Fähigkeiten, lernt neue Umgangsformen, Kultur, Sprache, Religiosität – und nimmt wohl viel nach Hause mit. Sie geben manchen Anstoß in der heimischen Entwicklungshilfe.
- Ein wesentliches Lern- und Professionalisierungsthema der Caritasarbeit war und ist immer die Sorge für Geflüchtete. Erinnert sei an die Ungarnflüchtlinge 1956, Chileflüchtlinge nach 1973, Bootsflüchtlinge aus Südostasien in den 1970er-Jahren, Polenflüchtlinge nach dem Kriegsrecht in Polen ab 1981, Kriegsflüchtlinge aus Jugoslawien ab 1991 oder an die Fluchtbewegungen aus Afrika und Asien ab der Jahrtausendwende. Es erstaunt, wieviel an Versorgung, Befriedung, Integration – auch durch vernünftige Rückwanderungen mit Hilfe der Caritas – unter fallweise sehr widrigen Umständen geschafft werden konnte.
- Nach 1945 wurden die körperlichen, seelischen, sozialen Dimensionen von Armut präziser definiert. Jede Generation von Helfenden wird neue Bausteine für die Beantwortung der Armutsfragen finden. Weil das Brot für das Leben und das „Brot für die Seele“ (Viktor Frankl) immer zeitbedingt und verständlich gebacken werden will.
Im Originalton
- Franz Küberl
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Dr. h. c . Franz Küberl war von 1994 bis 2016 steirischer Caritas-Direktor und prägte als Präsident von Caritas Österreich (1995–2013) die Geschicke der Caritas.
Auf Basis seiner sorgfältigen Nachforschungen zeigt er für das SONNTAGSBLATT entscheidende Wegmarken in der Wirkungsgeschichte der Caritas in Österreich.
In ihrer Erfolgsgeschichte hat die Caritas unendlich vielen Menschen geholfen. Ohne Caritas wären unser Land – und unsere Kirche – deutlich ärmer.
Franz Küberl
Von der KRIEGS- zur FRIEDENS-CARITAS.
Ihre Pionierarbeit in Österreich.
Linz: Wagner Verlag 2024, ISBN: 978-3-903040-86-1, 28 EUR.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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