Weltkirche
Vergessen von der Welt
- Laut Artikel 13 des im Jahr 2024 erlassenen „Tugend“-Gesetzes sind muslimische Frauen in Afghanistan verpflichtet, „ihr Gesicht und ihren Körper zu bedecken“, wenn sie sich in Gegenwart von Männern befinden, mit denen sie nicht direkt verwandt sind. Sie dürfen in der Öffentlichkeit nicht singen, rezitieren oder laut vorlesen. Männer müssen laut Gesetz mindestens knielange Hosen tragen, ihr Bart darf nicht zu kurz sein.
- Foto: KNA / Timo Christians (2008)
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Afghanistan. Fünf Jahre nach der Machtübernahme durch die Taliban wird der Alltag im Land zusehends katastrophaler.
Das Leben in Afghanistan nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft zu beschreiben, heißt, viele Superlative bemühen zu müssen.“ Mit diesen Worten nahm Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie, Stellung zur Lage im 45-Millionen-Menschen-Land, das an Pakistan, den Iran, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und China angrenzt.
Seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 hätten politische und wirtschaftliche Instabilität, Vertreibung und die weitgehende Entrechtung von Frauen und Mädchen die humanitäre Krise in Afghanistan weiter verschärft. Laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UNOCHA) seien rund 21,9 Millionen Menschen – das sind etwa 45 Prozent der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 30 Prozent der Menschen sind unterernährt, auch medizinische Versorgung oder Bildung ist für viele Menschen nicht gesichert.
Besonders dramatisch sei die Situation von Frauen und Mädchen. „Bereits während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 waren ihre grundlegenden Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt. Seit der erneuten Machtübernahme im Jahr 2021 wurden ihre Rechte abermals massiv eingeschränkt“, sagte Moser. Außerdem seien Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben nahezu ausgeschlossen. „Sie dürfen zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie Parks, Fitnessstudios oder Sportvereine nicht besuchen und an vielen öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Mädchen dürfen nach der sechsten Schulstufe keine weiterführende Schule besuchen. Frauen sind zudem beinahe vollständig aus der Arbeitswelt ausgeschlossen.“ Laut einem kürzlichen Erlass der Taliban dürfen Mädchen bereits vor der Pubertät verheiratet werden. Schweigt ein Mädchen dazu, wird das als Zustimmung zur Hochzeit gewertet.
Internationale Hilfsorganisationen verließen nach der erneuten Machtübernahme der Taliban zuhauf das Land, ebenso viele gut ausgebildete afghanische MitarbeiterInnen.
Neben dem evangelischen Hilfswerk Diakonie unterstützt auch die katholische Caritas in Afghanistan, soweit es möglich ist. Was es dafür auch brauche, sei „eine gut organisierte, gut durchdachte Hilfe auf der Basis einer langfristigen Strategie, um den Menschen langfristig zu helfen und eine Perspektive zu eröffnen“, sagte Thomas Preindl von der Caritas Österreich laut Kathpress-Meldung vom 14. August. Die Abschiebung von Millionen Menschen aus den Nachbarländern zurück nach Afghanistan bezeichnete er als brutal: „Hier werden Menschen in einen Bus gesteckt, über die Grenze gebracht und sich selbst überlassen.“
Afghanistan habe mehr als 40 Jahre Krieg erlebt, massivste Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen aller Art, erinnerte Preindl. „Man kann nicht einfach ein Modell, das sich der Westen ausgedacht hat, dem Land überstülpen und glauben, die Sache wird funktionieren.“ Das Land brauche trotz allem Zuwendung der internationalen Gemeinschaft. Wenn die internationalen Hilfsgelder immer weniger werden, bestehe „die Gefahr, dass man Afghanistan wieder außen vor lässt, wie das so oft in der Geschichte des Landes passiert ist.
“Quelle: Kathpress/Redaktion: A. M. Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.