Kunst
Bewahren, was tröstet

Drei Heiligenfiguren wurden im Juli vor der Stadtpfarrkirche in Deutschlandsberg Opfer eines Vandalenaktes (l. und Mitte). In der Pfarre Graz-Karlau wurden Fenster (r.) und Gemälde beschädigt. Neben der Täterausforschung steht die Reparatur des Zerstörten im Mittelpunkt.KKS | Foto: KKS
2Bilder
  • Drei Heiligenfiguren wurden im Juli vor der Stadtpfarrkirche in Deutschlandsberg Opfer eines Vandalenaktes (l. und Mitte). In der Pfarre Graz-Karlau wurden Fenster (r.) und Gemälde beschädigt. Neben der Täterausforschung steht die Reparatur des Zerstörten im Mittelpunkt.KKS
  • Foto: KKS
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Sakrale Kunst. Leider werden auch christliche Kunstwerke Opfer von Vandalismus, und manchmal nagt an ihnen der „Zahn der Zeit“.

Sie glänzen golden oder leuchten in schönen Farben und strahlen auf Betrachtende meist Ruhe und Trost aus: sakrale Kunstwerke. Fresken, Gemälde oder geschnitzte Figuren sind seit Jahrhunderten Teil der christlichen Kunst und vielfach Ausdruck von Frömmigkeit. In den Zeiten vor der im 18. Jahrhundert eingeführten Schulpflicht vermittelten sie jenen, die nicht lesen konnten, religiöse Inhalte. Christliche Kunstwerke berühren auf emotionaler Ebene – und es verletzt religiöse Gefühle, wenn sie beschädigt werden.

Während Ende Juli mehrere Vandalenakte den Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina erschütterten, wurden auch christliche Stätten in der Steiermark jüngst Opfer von Zerstörungswut. So traf es in der Nacht auf den 16. Juli drei Heiligenfiguren in Deutschlandsberg: Die etwa 200 Jahre alten Holzfiguren von der Kreuzigungsgruppe an der Außenseite der Pfarrkirche wurden aus ihren Halterungen gerissen und dabei schwer beschädigt. Ein ähnlicher Fall ereignete sich einige Monate zuvor in der Pfarre Graz-Karlau: Dort wurden kunstvolle Glasfenster zerstört und Gemälde beschädigt; der Schaden lag im mittleren fünfstelligen Bereich.

Gott sei Dank würden derartig massive Vandalenakte nur selten vorkommen, sagt Martin Halmer, Ökonom der Diözese Graz-Seckau, auf Nachfrage. Diözesankonservator Heimo Kaindl ergänzt: „Bei den wenigen Zerstörungen, die wir registriert haben, handelt es sich um Taten von geistig verwirrten Personen.“ Nicht immer reiche die Versicherung, um die Schäden zu beheben. In Deutschlandsberg habe man deshalb eine Spendenaktion gestartet. In schweren Fällen, wie den genannten, unterstützt auch die Diözese die Pfarren. Zudem fordert man auch von den Tätern das Geld zurück, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausgeforscht werden, sei hoch: „Viele unserer kirchlichen Objekte sind unauffällig mit Kameras geschützt“, erklärt Ökonom Halmer.

In der Pfarre Graz-Karlau wurden die Schäden mittlerweile behoben, der Täter ausfindig gemacht und eine Gerichtsverhandlung fand statt. In Deutschlandsberg dauert die Reparatur noch, man hat aber bereits Maßnahmen eingeleitet, so Christoph Paar vom Seelsorgeraum Schilcherland.

Das Gesicht des gekreuzigten Christus am Grazer Dom ist nicht zerstört worden, sondern „alterte“  durch die Witterung.  | Foto: KKS
  • Das Gesicht des gekreuzigten Christus am Grazer Dom ist nicht zerstört worden, sondern „alterte“ durch die Witterung.
  • Foto: KKS
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Zerstört oder zerbröselt?
Dass einem beschädigten Kunstwerk nicht immer ein Vandalenakt zugrunde liegen muss, davon zeugt ein Christusrelief an der Außenwand des Grazer Doms. Anders als häufig angenommen wurde das steinerne Antlitz des Gekreuzigten nicht mutwillig zerstört, sondern veränderte sich durch die Witterung. „Es handelt sich nicht um einen Vandalenakt, sondern um die ganz normale Alterung, der auch wir als Menschen unterworfen sind“, weiß Heimo Kaindl. „Eine Restaurierung macht dann Sinn, wenn es sich um ein Kultbild handelt, das für den gottesdienstlichen Gebrauch wichtig ist“, sagt der Diözesankonservator über das Kunstwerk, das der Grabstein einer Privatperson ist. Außerdem ließe sich nicht mehr nachvollziehen, wie die Figuren im Original ausgesehen hätten, sodass jede Rekonstruktion der Fantasie entspringen würde, ergänzt Kaindl. In diesem und vielen anderen Fällen, in denen der natürliche Alterungsprozess christliche Kunst beschädigt, bemühe man sich um den Erhalt der Substanz.

Thomas Stanzer/Katharina Grager

Drei Heiligenfiguren wurden im Juli vor der Stadtpfarrkirche in Deutschlandsberg Opfer eines Vandalenaktes (l. und Mitte). In der Pfarre Graz-Karlau wurden Fenster (r.) und Gemälde beschädigt. Neben der Täterausforschung steht die Reparatur des Zerstörten im Mittelpunkt.KKS | Foto: KKS
Das Gesicht des gekreuzigten Christus am Grazer Dom ist nicht zerstört worden, sondern „alterte“  durch die Witterung.  | Foto: KKS
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ