Positionen - Theresia Heimerl
Hat Penelope gearbeitet?
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Der antike Held Odysseus ist dank des neuesten Films von Christopher Nolan wieder einmal populär. Und auch, wenn der listenreiche Großbauer aus Ithaka eine reichlich ambivalente Gestalt ist (und auch so dargestellt wird), ist er immerhin noch der erste und einzige sympathische Mann unter all den Heroen der Sagen des Altertums. Immerhin will er zu seiner Frau nachhause. Immerhin hat er ihr zugetraut, in seiner Abwesenheit das Anwesen zu verwalten. Und immerhin bemüht er nicht die Götter dafür, dass er sie in den letzten 20 Jahren mehrfach betrogen hat. Die anderen Helden der Antike: allesamt präpotente, feige, sexistische Loser. Sie lassen junge Frauen auf fremden Inseln oder für eine politische Karriere sitzen, sie verführen und vergewaltigen alles, was nicht bei Drei auf dem Baum ist oder sich in einen solchen verwandelt. Und am Ende haben sie nur den Göttern gehorcht. Odysseus hätte nie gesagt, dass Penelopes Mühen mit dem Sohn, dem baufälligen Palast, den Bauern und den lästigen Freiern keine Arbeit waren. Im Gegenteil stellt uns Homer eine Frau vor, die eine ganze Insel als Business Case managt, während ihr Odysseus auf einem aus dem Ruder gelaufenen Männertrip im Mittelmeer ist. Und dieses Frauenbild ist richtig alt: 3000 Jahre.
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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