Kirche Steiermark
Platz für ein Gespräch
- Mit dem ersten „Plauderbankerl“ in Graz gibt es im Augarten einen gut sichtbaren Platz für spontane Begegnungen und Gespräche. Die weiß gekennzeichnete Parkbank in der Nähe des Pavillons signalisiert: Wer hier Platz nimmt, darf sich auf ein Gespräch freuen.
- Foto: Neuhold
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Plauderbankerl. Im Grazer Augarten lädt die Caritas dazu ein, sich miteinander auszutauschen.
Es ist einfach aufzufinden in Parks oder an kleinen Wegen, lädt dazu ein, sich hin- oder dazuzusetzen, und ist der richtige Platz für ein Gespräch: das „Plauderbankerl“. Seit kurzem gibt es die Initiative im öffentlichen Raum nun auch in Graz. In leuchtendem Weiß lädt die Holzbank im Augarten-Park Vorbeikommende ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, denn: Immer mehr Menschen sind einsam.
Laut Statistik Austria fühlten sich 2025 rund 1,8 Mio. Menschen in Österreich „zumindest gelegentlich einsam“. Acht Prozent der Bevölkerung – und damit mehr als 733.000 Menschen – geben laut dem nationalen, statistischen Amt an, „immer oder meistens einsam“ zu sein.
Wille und Weg. Zugleich würden immer mehr Menschen auch den Wunsch nach mehr sozialen Kontakten äußern, weiß man bei der Caritas Steiermark. „Einsamkeit ist ein Thema, das wir in der Caritas an vielen Stellen wahrnehmen, von den Notschlafstellen über die Schulen bis zu den Pflegewohnhäusern“, sagt Nora Tödtling-Musenbichler. „Wir erleben: Einsamkeit ist mehr als ein unangenehmes Gefühl“, so die Direktorin der steirischen Caritas. Einsamkeit würde arm machen und krank, und sie könne dazu führen, dass Menschen ganz aus dem gesellschaftlichen Leben verschwinden.
Nicht immer ist ein Zuwenig an Mut der Grund dafür, dass Menschen mit anderen nicht in Kontakt treten. „Oft fehlt dafür gar nicht der Wille, sondern lediglich eine Gelegenheit“, sagt Nora Tödtling-Musenbichler. Mit dem Plauderbankerl wolle man der Einsamkeit niederschwellig entgegensteuern – „ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung und ohne Hürden.“ Diese Idee wurde auch von anderen aufgegriffen. So laden in der Steiermark mittlerweile Pfarren, Gemeinden oder Privatinitiativen anhand von ausgewiesenen Sitzmöbeln zum Miteinander-Reden ein.
- Nora Tödtling-Musenbichler (l.) und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (r.) am Plauderbankerl. Bewährt es sich, sind weitere Standorte im Grazer Stadtgebiet geplant.
- Foto: Neuhold
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Am Plauderbankerl im Grazer Augarten sind als GesprächspartnerInnen Freiwillige der Caritas regelmäßig anzutreffen. Und sollte die Bank dort einmal leer vorgefunden werden, so hält die kleine Plakette auf der Lehne der Parkbank einen Tipp bereit: „Niemand da? Kommen Sie ins Plaudernetz“, ist da zu lesen. Unter der Telefonnummer 05/1776100 hebt eineR von mehr als 4100 ehrenamtlichen PlauderpartnerInnen ab, hört zu und führt am Telefon ein Gespräch.
Ein Platz für alle. Den Wert des Zuhörens und Miteinander-Redens griffen Hilfsorganisationen wie die Caritas vor allem während der Covid-19-Pandemie auf. Im April 2020 gründete die Caritas der Erzdiözese Wien gemeinsam mit dem Internet- und Mobilfunkanbieter Magenta Telekom das so genannte „Plaudernetz“, das auch nach den Lockdowns gern in Anspruch genommen wird. So wurden dort allein im Vorjahr 14.000 Telefongespräche geführt. Dieser Erfolg von Menschlichkeit soll durch die Plauderbankerln ausgeweitet werden. In Wien und Niederösterreich etwa stehen bereits mehr als 150 Caritas-Plauderbänke bereit.
Neben einer Einladung zum Gespräch strahlen Initiativen wie das Plauderbankerl noch eine zusätzliche Botschaft aus, weiß Nora Tödtling-Musenbichler von der steirischen Caritas: „In unserer Gesellschaft hat jeder und jede Platz.“
Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.