Rundfunk-Gottesdienste
Wenn Gott rundum funkt

Generalprobe am Tag davor. Noch nicht in Festtagskleidung, aber hoch konzentriert sind alle Mitwirkenden am Tag vor der Live-Übertragung in der Pfarrkirche Graz-Münzgraben. Am Samstag, dem 8. August, wurden Mikrofone eingestellt, die Dauer der einzelnen Beiträge gestoppt und Kameras platziert – selbst auf der Kanzel (rechts im Bild). Am Chor warteten neben dem Sommerchor und dem Organisten auch GesangssolistInnen und InstrumentalistInnen auf ihren Einsatz. Am Sonntag drauf wurde dann live gesendet.
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  • Generalprobe am Tag davor. Noch nicht in Festtagskleidung, aber hoch konzentriert sind alle Mitwirkenden am Tag vor der Live-Übertragung in der Pfarrkirche Graz-Münzgraben. Am Samstag, dem 8. August, wurden Mikrofone eingestellt, die Dauer der einzelnen Beiträge gestoppt und Kameras platziert – selbst auf der Kanzel (rechts im Bild). Am Chor warteten neben dem Sommerchor und dem Organisten auch GesangssolistInnen und InstrumentalistInnen auf ihren Einsatz. Am Sonntag drauf wurde dann live gesendet.
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Rundfunk-Gottesdienste. Bis zu einer halben Million Menschen feiert in Österreich jeden Sonntag den Gottesdienst über Fernsehen, Radio oder Internet.
Diözesan-Verantwortlicher Andreas Steiner erzählt, was im Hintergrund abläuft.

Glockenläuten und gleichzeitig eine Radiostimme, die sagt: „Einen schönen guten Morgen. Sie hören den Gottesdienst aus der Pfarre ...“ MessbesucherInnen, die jeden Sonntag um zehn über Radio, Fernsehen oder Internet dabei sind, wissen, was jetzt folgt: der Gottesdienst – dort, wo man selbst gerade ist.

Die Situation ist freudig angespannt an diesem Sonntagmorgen in der Grazer Pfarre Münzgraben. Heute huscht niemand erst nach dem Erklingen des Sakristeiglöckleins herein – schon 15 Minuten vor Gottesdienstbeginn sind alle Mitfeiernden versammelt.

Dann wird es still. Der Tontechniker, der die Begrüßung des ORF-Sprechers über Kopfhörer genau wahrnimmt, gibt ein Handzeichen in die Sakristei. „In zehn Sekunden gehen wir auf Sendung“, bedeutet es, und Priester und MinistrantInnen sind bereit. Die Glocke wird geläutet, der Live-Gottesdienst vom 9. August 2026 beginnt.
Den Nervenkitzel vor einer Rundfunk-Ausstrahlung kennt auch Andreas Steiner zur Genüge, und ebenso viele der Arbeitsschritte, die es dafür braucht. Als Referent für Liturgie und Gemeinschaft ist er seit September 2025 dafür mitverantwortlich, dass Feiertags- und Sonntagsgottesdienste auch aus steirischen Pfarren via Rundfunk zu sehen und zu hören sind. Für ihn als Ansprechperson für die Pfarren bedeutet das vor allem eines: kommunizieren, abstimmen und, wenn nötig, auch beraten.

Zwischen 50 und 60 Gottesdienste jährlich werden in Österreich übertragen, fünf bis sechs davon auch aus der Steiermark. Alle Rundfunkgottesdienste werden seitens des Medienreferates der Österreichischen Bischofskonferenz koordiniert. Auch Andreas Steiner ist bei den Sitzungen dabei. „Geplant wird früh“, erzählt er. „Im März gab es ein Online-Vernetzungstreffen, danach startete die Abstimmung mit den Pfarrren und im September folgt die finale Planungssitzung für 2027 in Wien.“ Ein bis eineinhalb Jahre vorher werden Rundfunkgottesdienste also festgelegt. „Damit sich die Pfarren frühzeitig auf einen Gottesdienst einstellen können“, so Steiner.

„Ganz viel passiert in den Pfarren – ich begleite nur“, sagt Andreas Steiner, der diözesane Rundfunkgottesdienste koordiniert.
  • „Ganz viel passiert in den Pfarren – ich begleite nur“, sagt Andreas Steiner, der diözesane Rundfunkgottesdienste koordiniert.
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Die Gottesdienste werden nach Möglichkeit zugleich für Radio und Fernsehen übertragen. Im Fernsehen gibt es dafür zwei Formate: Auf ORF III wird 60 Minuten lang gesendet. Das lasse sich auch gut mit einer Übertragung im Radio kombinieren, weil im Regionalradio ebenfalls eine Stunde ausgestrahlt werde. „Das Flagschiff des ORF ist allerdings die Übertragung in ORF2“, sagt Steiner. Eine solche würde lediglich 45 Minuten dauern und sei immer eine Kooperation mit dem ZDF, dem Zweiten Deutschen Fernsehen. Die nächste gemeinsame Übertragung von ORF2 und ZDF sei in der Diözese Graz-Seckau für den Weißen Sonntag geplant. „Pfarrer Toni Herk-Pickl und sein Team in Weiz sind dankenswerterweise bereit, diesen Termin zu übernehmen“, sagt Steiner.

Das eigene Feiern anderen zeigen
Die Entscheidung, von wo und wann gesendet wird, treffe man gemeinsam mit den Pfarren. So würden immer wieder Anfragen an ihn gestellt. „Die andere Variante ist, dass ich anklopfe und frage, ob sich eine Pfarre eine Übertragung vorstellen könnte.“ Manchmal gehe alles auch ganz schnell. Zum Beispiel dann, wenn ein Termin ausfällt.

Was für Andreas Steiner wichtig ist: „Die Übertragung ihres Gottesdienstes im Rundfunk soll für eine Pfarre nicht eine zusätzliche Belastung sein.“ Klar bedeute ein Live-Gottesdienst im Vorfeld einen Mehraufwand. Aber zugleich ermögliche er, die der Pfarre vertraute Form des Feierns einem größeren Publikum zugänglich zu machen. „Ein Rundfunk-Gottesdienst bietet für Pfarren die große Chance, die eigene liturgische Praxis in den Blick zu nehmen und zu schauen: Welche Kultur des Feierns pflegen wir?“ Das könne man gut reflektieren, indem man einen Rundfunkgottesdienst nach seiner Ausstrahlung nachschaue oder nachhöre.

Kompetente Pfarren
Ganz grundsätzlich nimmt Andreas Steiner in den steirischen Pfarren jene „sehr hohe Kompetenz“ wahr, die es für die Umsetzung von Rundfunkgottesdiensten braucht: Menschen, die sehr sicher sind in der liturgischen Gestaltung und die gut darin sind, sich zu vernetzen.“ Technische Vorkenntnisse seien nicht vonnöten. „Das erledigen KollegInnen von ORF und ServusTV“, sagt er.

Sobald eine Pfarre einen Rundfunkgottesdienst zugesagt hat, schickt Andreas Steiner im ersten Schritt per E-Mail eine leere Ablauf-Vorlage – oder, wenn das gewünscht ist, ein Regiebuch von einer bereits gesendeten Übertragung. Darin ist der gesamte Messablauf verzeichnet, einschließlich sekundengenauer Zeitangaben.
Wozu er rät? „Vielleicht, die eine oder andere zusätzliche Person miteinzuplanen, die Kommunion spendet“, sagt er. Damit etwa beim Radiogottesdienst die „Stille“ während der Mahlfeier nicht zu lange werde. Wo-
rüber sich Rundfunkgottesdienst-BesucherInnen daheim auch freuen würden, sei die Auswahl von bekannten Lieden, wie etwa aus dem Gotteslob. „Ich weiß von Mitfeiernden daheim, die ihr Kirchgewand anziehen, ein Licht entzünden und so aufmerksam mitbeten, als ob sie in der Kirchbank sitzen würden“, sagt Andreas Steiner. „Das finde ich super.“ Zwischen 450.000 und 550.000 Menschen feierten wöchentlich Gottesdienst über Radio, Fernsehen oder Internet mit. Allein über das Fernsehgerät seien es pro Woche zwischen 40.000 und 80.000.

„Besondere“ Termine
Worauf man bei der Österreichplanung, bei der auch ein Kollege der Evangelischen Kirche anwesend sei, Wert lege, sei auch eine gerechte Terminvergabe. „Einige Termine sind schwieriger als andere“, sagt Andreas Steiner und spricht damit auf die Gottesdienste an hohen kirchlichen Feiertagen an. Was den Neujahrsgottesdienst 2026 anbelangt, ist er Pfarrer Markus Plöbst aus Leoben „heute noch dankbar“ – dafür, dass er und seine Pfarre den Livetermin am 1. Jänner übernommen haben. Überhaupt sei Leoben ein gutes Beispiel für eine Pfarre, die Rundfunkgottesdienste souverän meistere. Im Jahr 2027 wird von dort etwa auch eine Firmung übertragen werden.
Neben dem Morgen nach der Silvesternacht nennt er Ostern oder Weihnachten als weitere Herausforderung. Die Erfahrung der Jahre zeige, dass es an Hochfesten mit größerer Termindichte gut sei, gleich mehrere Gottesdienste aus einer Pfarre auszustrahlen. „Auch, damit die Fernseh- und Radioteams nicht an drei verschiedene Orte müssen.“ Deshalb würde man die Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und in der Osternacht aus einer Pfarre übertragen. „Für 2027 hat es uns getroffen“, sagt Steiner. Wo genau in der Steiermark, behält er augenzwinkernd noch für sich.

Auch der Sommerchor Münzgraben, unter der Leitung von Jörg Zazworka, gestaltete den Rundfunkgottesdienst am 9. August mit.
  • Auch der Sommerchor Münzgraben, unter der Leitung von Jörg Zazworka, gestaltete den Rundfunkgottesdienst am 9. August mit.
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Hören, sehen, feiern
Was Rundfunkgottesdienste für ihn so wertvoll machen?, frage ich den Theologen. „Die Atmosphäre unter den Menschen, die gerade aufgenommen und gefilmt werden“, sagt er. Denn wichtiger als ein perfekter Messablauf ohne Hoppalas sei für ihn das gemeinschaftliche Zusammenspiel aller Beteiligten. Spätestens dann springe „der Funken“ über – auch auf jene, die „extern“ mitfeiern. Ein solches gutes Miteinander hat kürzlich auch die Pfarre Münzgraben vermittelt. Am 19. Sonntag im Jahreskreis predigte Pater Günter Reitzi OP, der zur alljährlichen Feier des heiligen Dominikus aus Wien gekommen war, in Graz: „Das Wichtigste ist, dass wir selbst zum Tempel Gottes werden – zum Ort, an dem wir einander begegnen.“ Dank technischer Hilfsmittel und der richtigen Herzenshaltung ist das auch über Rundfunk möglich.

Anna Maria Steiner

Gottesdienst-Übertragungen

Generalprobe am Tag davor. Noch nicht in Festtagskleidung, aber hoch konzentriert sind alle Mitwirkenden am Tag vor der Live-Übertragung in der Pfarrkirche Graz-Münzgraben. Am Samstag, dem 8. August, wurden Mikrofone eingestellt, die Dauer der einzelnen Beiträge gestoppt und Kameras platziert – selbst auf der Kanzel (rechts im Bild). Am Chor warteten neben dem Sommerchor und dem Organisten auch GesangssolistInnen und InstrumentalistInnen auf ihren Einsatz. Am Sonntag drauf wurde dann live gesendet.
„Ganz viel passiert in den Pfarren – ich begleite nur“, sagt Andreas Steiner, der diözesane Rundfunkgottesdienste koordiniert.
Auch der Sommerchor Münzgraben, unter der Leitung von Jörg Zazworka, gestaltete den Rundfunkgottesdienst am 9. August mit.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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