Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner, Redakteurin
Fürs Stammbuch
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Zu den großen Schätzen aus meiner Kindheit zählt ein Stammbuch. Den grünen Ledereinband ziert eine Goldprägung, und im Laufe meiner Schulzeit füllten sich die blütenweißen Seiten mit Zeichnungen und Sprüchen. Einer davon begleitet mich bis heute: „Man sieht nur mit dem Herzen gut – das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ Im Lauf der Zeit lerne ich die Worte besser kennen. Erfahre, von wem sie stammen – dem französischen Piloten und Autor Antoine de Saint-Exupéry. Bekomme eine Idee davon, was mit dem „Wesentlichen“ gemeint sein könnte – die aktuellen Kollektionen der Kosmetik- und Modekonzerne wohl eher nicht. Und ich treffe Menschen, die das gut können: andere mit dem Herzen anzuschauen. Dazu gehört der Blick hinter all das, was von der Einzigartigkeit und unverhandelbaren Würde von Mensch, Tier und Natur ablenkt.
Anlässlich seiner bevorstehenden Emeritierung als Generalvikar sprach Erich Linhardt mit der SONNTAGSBLATT-Chefredakteurin im Interview (ab S. 14) u. a. über seine Arbeit als „Personalchef“ der Diözese: „Auch in Konfliktgesprächen muss der andere noch merken: ‚Der mag mich.‘“ Trotz Wut, Kränkung und Verärgerung im Anderen das Gute sehen? Wieder ein Stammbuch-Spruch, mit dessen Umsetzung ich lebenslang beschäftigt bin.
Anna Maria Steiner, Redakteurin
anna.steiner@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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