Papstbotschaft zum Mediensonntag
Wo niemand hingeht

Papst Franziskus bestärkt in der Botschaft zum diesjährigen Mediensonntag kritischen Journalismus.

Um die Wahrheit des Lebens, das zur Geschichte wird, erzählen zu können, ist es notwendig, die bequeme Überheblichkeit des ‚Weiß ich schon!‘ abzulegen“, schreibt Papst Franziskus in seiner Botschaft an Medienschaffende. Er erinnert alle, die in Zeitungsredaktionen oder im Internet Kommunikation betreiben, daran, dass sie „hinausgehen“ müssen, um „Dinge zu sehen, von denen wir sonst nicht wüssten“, um dann davon zu erzählen.
Der „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ 2021 steht unter dem Motto „‚Komm und sieh‘ (Johannes 1,46). Kommunizieren, indem man den Menschen begegnet, wo und wie sie sind“. Er wird am Sonntag vor Pfingsten begangen. Seine Botschaft zum Mediensonntag veröffentlicht der Papst jeweils am 24. Jänner, dem Fest des Journalisten-Schutzheiligen Franz von Sales.
Franziskus warnt, dass „die Krise in der Verlagsbranche droht dazu zu führen, dass Informationen in Redaktionen vor dem Computer, in den Presseagenturen und in sozialen Netzwerken hergestellt werden, ohne jemals auf die Straße zu gehen, ohne ‚sich die Schuhsohlen abzulaufen‘, ohne Menschen zu begegnen, um nach Geschichten zu suchen“.
Verkündigung, so der Papst, funktioniere auf eine andere Weise, nämlich „als direkte Erkenntnis, nicht nur vom Hörensagen“. Das zeigt sich im diesjährigen Motto: „Komm und sieh“, sagt Jesus nach seiner Taufe zu den ersten Jüngern, als sie ihn kennen lernen wollen. Das sei nach Franziskus „die einfachste Methode, eine Wirklichkeit zu erkennen“. Der Papst hält JournalistInnen an, „dort hinzugehen, wo sonst niemand hingeht“, mit dem Wunsch, zu sehen und zuzuhören: „Ich muss dem Menschen, den ich vor mir habe, ermöglichen, zu mir zu spreche, und zulassen, dass sein Zeugnis mich erreicht.“
Das Internet kann das Erzählen und Teilen vereinfachen, ermutigt Franziskus und betont die Nützlichkeit der digitalen Technologien. Doch er vergisst auch nicht, auf die Risiken hinzuweisen: „Wir wissen seit geraumer Zeit, wie leicht Nachrichten und sogar Bilder manipuliert werden können, aus tausenderlei Gründen, manchmal auch nur aus banalem Narzissmus“, gibt der Papst zu bedenken und erinnert an häufige „Fake News“ im Internet. Was aber nicht dazu führen soll, das Internet als solches zu verteufeln, sondern Franziskus baut auf ein „kritisches Bewusstsein“ sowohl „bei der Verbreitung als auch beim Empfang von Inhalten“, um als „Zeugen der Wahrheit“ zu gehen, zu sehen und zu teilen.

Katharina Grager / KATHPRESS

Gebet Zum Welttag der Medien
Herr, lehre uns, aus uns selbst herauszugehen, und uns auf den Weg der Suche nach Wahrheit zu machen.
Lehre uns, zu gehen und zu sehen, lehre uns zuzuhören, nicht vorschnell zu urteilen, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.
Lehre uns, dorthin zu gehen, wohin sonst niemand gehen will, uns die Zeit zu nehmen, zu verstehen, auf das Wesentliche zu achten, uns nicht von Überflüssigem ablenken zu lassen, den trügerischen Schein von der Wahrheit zu unterscheiden.
Schenke uns die Gnade, deine Wohnstätten in der Welt zu erkennen, und die Ehrlichkeit, zu erzählen, was wir gesehen haben.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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