Pater Berno Rupp
Von der Not berührt

Unvergessen ist der Salvatorianer und Menschenrechtspreisträger der Stadt Graz P. Berno Rupp.

Engagiert, charismatisch, stur“: So titelte vor wenigen Jahren eine deutsche Zeitung im Zuge der Verleihung einer hohen Auszeichnung an Pater Berno Rupp. Zeit seines fast drei Jahrzehnte dauernden Wirkens in Rumänien erwartete der Salvatorianer nie Dank oder einen Preis. Dennoch hat ihm sein Engagement Ehrungen in Deutschland, Österreich und in Rumänien eingebracht – unter anderem 2011 den Menschenrechtspreis der Stadt Graz.

„Da hab ich etwas tun müssen …“
Osteuropa, unmittelbar nach dem politischen Umsturz im Jahr 1989: Der Salvatorianer-Pater Berno Rupp wird in das bitterarme Rumänien geschickt und kommt zum ersten Mal mit unvorstellbarer Not in Berührung. „Da hab ich etwas tun müssen“, erzählt er 25 Jahre später von seinen ersten Wochen im rumänischen Banat. Kaum dort angekommen, beerdigt der damals 55-Jährige ein zwei Wochen altes Kind, das verhungert war an der Brust seiner ausgezehrten jungen Mutter.
Die vorgefundene Not wird zum Auftrag für den Ordensmann: Obdachlosenasyl, Frauenhaus, Kindertagesstätte, Altenpflegeheim und ein landwirtschaftlicher Betrieb für langzeitarbeitslose und obdachlose Menschen – aus Pater Bernos erster Hilfsaktion werden im Laufe der Jahre fünf Hilfswerke, die durch Spenderinnen und Spender den Ärmsten helfen. Um den Fortbestand der Werke zu gewährleisten, wird im Jahr 2011 eine Stiftung ins Leben gerufen.

Gottesdienst ist Dienst am Nächsten
Vom Charisma der gelebten Nächstenliebe fasziniert, erinnert sich P. Berno-Helfer Winfried Kuhn, Leiter des Verlags Katholisches Bibelwerk in Stuttgart, an eine Begegnung mit dem Salvatorianer Anfang der 1990er-Jahre. Als Kuhn mit anderen Helfern Treibstoff nach Rumänien bringt, feiert Pater Berno gerade Ostergottesdienst – „Die Liturgie war kaum beendet, zog sich Berno blitzschnell um und begann den von uns mitgebrachten Diesel an die Ärmsten zu verteilen.“ Bis heute hat Winfried Kuhn diese beiden Pole vor Augen, die Pater Berno in Einklang miteinander brachte: „Der Gottesdienst, der quasi nahtlos übergeht in den Dienst am Nächsten. Das war Pater Berno: Selbst wenn er Papst gewesen wäre, hätte er noch eigenhändig Diesel umgetankt.“

Keiner wird vergessen
Glaubensstark und mit vorbehaltsloser Liebe für jede Kreatur – ganz gleich ob gesund, reich oder nicht. So kannte man Pater Berno. Am 26. September 2017 dann: sein Tod. Drei Tage später wird Karl Rudolf Maria Rupp, wie der Salvatorianer im Taufnamen heißt, zu Grabe getragen in einem schlichten Holzsarg, den die Kinder seiner Nichten und Neffen bemalt haben. Katzen und Hunde sind darauf zu sehen, und alle schauen glücklich drein. Wohl, weil sie einem großartigen Menschen begegnen durften, der Mensch wie auch Tier das Gefühl gab, einzigartig zu sein und ein ins Leben gekommener Gedanke Gottes.
Und Pater Berno? Er lebt weiter. In den fünf Hilfswerken, wo gemäß seiner Losung etwa 300 Bedürftige auf- und angenommen werden, zu essen bekommen, ein Dach über dem Kopf, Pflege und Zuwendung. Keiner wird vergessen.

Anna Maria Steiner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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