Kirche Steiermark
Vom Pfarrdach aufs Feld
- Viele Dachflächen kirchlicher Gebäude werden bereits für Photovoltaikanlagen genutzt – wie z. B. in Passail. In St. Margarethen bei Knittelfeld wurde nun mit der Energie Steiermark der Spatenstich für eine freistehende PV-Anlage auf kirchlichem Grund gesetzt. Wolfgang Pucher (2. v. l.) vom diözesanen Bereich Immobilien und Bau beleuchtet die Hintergründe dieser Entscheidung.
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Spatenstich in St. Margarethen bei Knittelfeld für Photovoltaikanlage auf kirchlichem Grund.
Ein unauffälliges Stück Land am Rand von St. Margarethen bei Knittelfeld – auf der einen Seite die Bahn, darüber die Hochspannungsleitung, am unteren Rand der Gleinbach. Am 7. September wurde dort der Spaten in die Erde gesetzt.
Was hier entsteht, ist keine Kleinigkeit. Mehr als 11.000 Module mit einer Leistung von 7,2 Megawatt, dazu ein Batteriespeicher mit 5 Megawatt Leistung und 10 Megawattstunden Kapazität. 5,9 Millionen Euro werden investiert. Ab dem dritten Quartal 2027 soll die Anlage jährlich rund 8,9 Gigawattstunden Strom liefern – genug für mehr als 2500 Haushalte und rund 1500 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr. Errichtet und betrieben wird sie von der Energie Steiermark.
„Der Grund, auf dem diese Anlage entsteht, wird von der Kirche bereitgestellt – er ist uns über Generationen anvertraut, und wir verwalten ihn für die, die nach uns kommen“, sagt Wolfgang Pucher, Bereichsleiter für Immobilien und Bau der Diözese Graz-Seckau. „Klimaschutz ist für uns deshalb kein Nebenthema, sondern Auftrag: Die Schöpfung zu bewahren, heißt heute, aus fossiler Energie auszusteigen.“
- Photovoltaikanlage in Passail.
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Anvertrauter Boden
Die Fläche gehört genau genommen nicht der Diözese selbst. Sie stammt aus dem Pfründenvermögen – jenem historisch gewachsenen Grundbesitz, der ursprünglich der Versorgung der Pfarrer diente und heute zentral von der Diözese verwaltet wird. Es ist gebundenes Vermögen, das seinen Zweck erfüllen muss und nicht frei veräußert werden kann. Genau daraus ergibt sich die Frage, die am Anfang stand: Wo bringt dieser Boden heute den größten Nutzen? Der theologische Hintergrund dafür ist gut zehn Jahre alt und längst Programm. In seiner Enzyklika „Laudato siʼ“ hat Papst Franziskus die Erde als „unser gemeinsames Haus“ beschrieben und die Abkehr von fossilen Energieträgern eingemahnt.
Begonnen hat es auf den Dächern
Über 70 Photovoltaikanlagen betreibt die Katholische Kirche Steiermark bereits auf eigenen Gebäuden – auf Pfarrhöfen und Pfarrkirchen, auf Bildungshäusern und weiteren kirchlichen Objekten. Weil etwa die Hälfte dieser Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist jedes Projekt ein Einzelfall. Für die Verbindung von Solartechnik und historischer Bausubstanz erhielt die Diözese im Juni den Landespreis Energy Globe STYRIA AWARD 2026.
„Allein im Jahr 2025 wurden 18 Standorte mit Photovoltaikanlagen und Speichern ausgestattet“, berichtet Veronika Kirbisser, seit Juli 2026 Leiterin des Referats für Energie der Diözese. „Bis 2030 sollen alle Pfarren mit aktivem Pfarrleben ihren Strom aus der Sonne beziehen.“
Dächer haben Grenzen – in der Fläche, in der Statik, im Denkmalschutz. Die Energiewende insgesamt wird sich auf Dächern allein nicht ausgehen; sie braucht auch größere zusammenhängende Flächen. In St. Margarethen kam einiges zusammen: ein Grundstück zwischen Bahntrasse und Hochspannungsleitung, im Hochwasserbereich des Gleinbachs, mit einem Umspannwerk in erreichbarer Nähe und in einer Größe, die eine wirtschaftliche Anlage überhaupt erst möglich macht. Errichtung, Betrieb und Vermarktung der Anlage liegen bei der Energie Steiermark – der Strom fließt ins öffentliche Netz.
Grünland bleibt Grünland
Diese Entscheidung hatte auch einen Preis. Für die neue Nutzung mussten bestehende Pachtverträge aufgelöst werden. Für die betroffenen Landwirte war dies ein schmerzhafter Einschnitt, weiß Wolfgang Pucher. Daher lag der Diözese viel daran, die Auflösung fair zu gestalten und den Dialog aufrechtzuerhalten. Der Landwirtschaft soll die Fläche jedoch nicht gänzlich verlorengehen. Unter den Modulen bleibt Grünland erhalten und angedacht ist, es künftig von Schafen beweiden zu lassen. Geplant sind außerdem rund 600 Sträucher und Bäume, Hecken sowie Vogel- und Fledermauskästen. Versiegelt wird die Fläche nicht.
Ein wichtiger Grund für das Projekt sind die Dinge, die mit dem Ertrag finanziert werden können: Seelsorge, Caritas, Kindergärten, die Erhaltung hunderter denkmalgeschützter Gebäude ... – all das muss auch in zwanzig Jahren finanzierbar sein. Ertrag hat die Fläche auch als Pachtgrund gebracht – mit der Photovoltaikanlage fließt ein Vielfaches davon zurück. „Das ist keine Renditenjagd, sondern gelebte Verantwortung dafür, dass unser Wirken in diesem Land finanzierbar und spürbar bleibt“, betont Wolfgang Pucher.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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