Weltkirche
Trotzdem helfen
- Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit: Auf diesen vier Prinzipien beruht humanitäre Hilfe. Durch das abrupte Einfrieren der humanitären und medizinischen Mittel durch die US-Regierung fürchten Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF) eine humanitäre Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Treffen wird diese, so MSF, weltweit Millionen der am stärksten gefährdeten Menschen.
- Foto: Caritas Austria
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Welttag der humanitären Hilfe. Trotz Budgetkürzungen, Belastung im Arbeitsalltag oder Todesgefahr helfen Menschen anderen.
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Mit wenigen Worten beschrieb der indische Rechtsanwalt und Pazifist Mohandas Karamchand, genannt „Mahatma“, Ghandi (1869–1948) die Ursache für das teils massive soziale Ungleichgewicht in der Welt. Am Wahrheitsgehalt von Ghandis vor knapp einhundert Jahren formulierten Worten hat sich bis heute nichts geändert – im Gegenteil.
Laut UNIS, dem Informationsdienst der Vereinten Nationen (UN), ist jeder 22. Mensch auf humanitäre Hilfe angewiesen. Damit brauchen aktuell 362 Millionen der über acht Milliarden Menschen Hilfe – so viele wie noch nie zuvor. Angesichts dessen erscheint die vorrangig durch Entscheidungen der US-Regierung hervorgerufene Kürzung von Hilfsgeldern wie blanker Hohn.
Vorsätzliche Tötung. Anfang des Jahres erschüttert eine Meldung Hilfsorganisationen auf der ganzen Welt. Die US-Regierung unter Donald Trump hat mit der plötzlichen Schließung der Entwicklungsbehörde USAID nicht nur mit einem Schlag Hunderttausende arbeitslos gemacht. Was die Unterbrechung oder gar Streichung grundlegender Hilfsprogramme im Umfang von 1,4 Milliarden noch bewirkte: Weitere Millionen Menschen werden vermehrt Hunger, schlechteren Lebensbedingungen, einem höheren Risiko von Ausbeutung und Gewalt oder drohender Vertreibung ausgesetzt sein. Allein im Flüchtlingsbereich seien bis zu 11,6 Millionen Vertriebene durch die von US-Präsident Donald Trump goutierte Streichung von Hilfsgeldern nun ohne Unterstützung, verlautbarte die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR im Juli des Jahres. Mit dem Aus zahlreicher Hilfsprogramme, die für Menschen in den ärmsten Ländern lebenswichtig sind, steigt mit dem Überlebensdruck auf Hilfsorganisationen auch die Belastung für deren MitarbeiterInnen.
Den Welttag der humanitären Hilfe, mit dem die UN die oft lebensgefährliche Arbeit humanitärer HelferInnen weltweit am 19. August würdigt, überschatten auch noch andere Zahlen. So fanden in ihrem Einsatz für andere im Vorjahr 280 HelferInnen einen gewaltsamen Tod – meist durch Bombenangriffe oder durch Beschuss. Weitere 224 wurden weltweit verletzt, und 91 waren laut aktuellem „Aid Worker Security Report“, der jährlich die Sicherheitslage für HelferInnen weltweit beleuchtet, entführt worden.
Dass trotz Bevölkerungswachstum die Welt genug für die Versorgung aller hat, sagt auch ein Schweizer Soziologe. „Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren“, schreibt 2006 der langjährige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, und folgert daraus: „Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“
Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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