Kirche Steiermark
Stärker als vermutet
- Großes Interesse am diesjährigen Pfingstdialog auf Schloss Seggau: Über EUROPA(s)STÄRKEN diskutierten Menschen auf dem Podium und im Plenum. Seit mehr als 20 Jahren dienen die Pfingstdialoge der Standortbestimmung Europas und den sich daraus ergebenden Perspektiven.
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Pfingstdialog 2026. Die Veranstaltungsreihe von Club Alpbach Steiermark, Joanneum Research, dem Land Steiermark und der Diözese Graz-Seckau widmete sich heuer EUROPA(s)STÄRKEN.
Ein Balanceakt zwischen Betrübnis und Hoffnung war der 14. Pfingstdialog, bei dem man sich im südsteirischen Seggau am 20. und 21. Mai 2026 einmal mehr mit einem vernunftbasierten Zugang zu Europa und den weltweiten Einflüssen beschäftigte. Betrübnis, weil die aktuelle Lage so zugespitzt sei wie zur Zeit des Kalten Krieges, so der Politikwissenschafter Carlo Masala. Hoffnung, weil es in der Gesellschaft viel Bewegung gebe, die auf Veränderung dränge, so der Belgrader Erzbischof Kardinal Ladislav Nemet. Einig war man sich darin, dass Europa stärker sei, als man vermutet.
Ein Plädoyer für die Eigenverantwortung kam von Johannes Hahn. „Nicht man sollte – jeder soll einen Beitrag leisten zum Stärken Europas und Verantwortung übernehmen und diese nicht abschieben“, so der Präsident des Generalrates der Österreichischen Nationalbank. Diese Verantwortung sei nötig, weil die drei Komfortzonen, auf die Europa lange Zeit baute, dahin sind: Billige Energie aus Russland, Sicherheit durch die USA, günstige Technologie aus China. Die Trümpfe von Europa seien Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und freier Markt. Diese gelte es zu verteidigen.
- Prägten den heurigen Pfingstdialog (v. l.): Willibald Ehrenhöfer, Carlo Masala, Heinz Mayer, Nadja Bernhard, Bischof Wilhelm Krautwaschl, Kardinal Ladislav Nemet und Herwig Hösele.
- Foto: Gerd Neuhold/Sonntagsblatt für Steiermark
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Politikwissenschafter Carlo Masala legte zu den Trümpfen noch die Sicherheit dazu. Diese sei aber so gefährdet wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, ist er überzeugt, weil die USA und China Europa zu Fall bringen wollen. „Europa ist im Außenhandel eine Macht und so stark wie die USA und China“, so Masala, und das sei beiden ein Dorn im Auge. Dazu komme die militärische Bedrohung durch Russland. All das zusammen führe zu einer neuen Weltordnung, in der sich die Mächtigen das Völkerrecht zurechtbiegen und die von den USA und China diktiert werde; Europa spiele da keine Rolle. Man müsse sogar froh sein, dass die atomare Abschreckung auch ohne die USA einigermaßen funktioniere, hieß es beim Forum „Freiheit und Sicherheit“.
Hoffnungsfaktor Jugend
Positiver sah Kardinal Ladislav Nemet die Lage. Hoffnung mache ihm die Jugend, die etwa in Belgrad oder auch in Ungarn Änderungen bewirkte, weil „sie mit den herrschenden Strukturen, mit Korruption, mit einer Kultur der Angst und Lüge nicht zufrieden ist“. Der Belgrader Erzbischof verwies auf christliche Friedensinitiativen und auf das Wiederentdecken des Religiösen und der Sehnsucht nach Transzendenz. Und er warnte vor einer „Instrumentalisierung der Religion durch Populisten oder gar der religiösen Begründung von Gewalt“.
Kirche und Politik sieht Kardinal Ladislav Nemet in der Pflicht, für die Menschenwürde zu kämpfen und den Dialog zu suchen, der nicht Harmonie um jeden Preis bedeute. „Wir dürfen den Traum vom vereinten Europa, von diesem großen Friedensprojekt, nicht aufgeben“, so der Kardinal. Die Kirchen sieht er als „Laboratorium für den Dialog und die Versöhnung“.
T. Stanzer
Geist & Gegenwart
Beim 14. Pfingstdialog unter dem Titel „EUROPA(s)STÄRKEN“ diskutierte man am 20. und 21. Mai auf Schloss Seggau, welche Werte Europa forcieren muss, um in einer Welt des Umbruchs mitzugestalten.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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