Kirche Steiermark
(K)eine Vorstellung vom Krieg
- Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens lud die styrianARTfoundation am 13. August zu einer Gemeinschaftsausstellung ins KULTUM bei den Minoriten in Graz. 45 Kunstschaffende setzten sich mit dem Thema Krieg auseinander und zeigen ihre Werke – zu sehen noch bis 30. August.
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45 Mitglieder des steirischen Kollektivs zeigen Kunst gegen den Krieg.
Sechs großflächige Bilder, vorwiegend gemalt in Grau und Schwarz. Darauf, vielfach und unregelmäßig angeordnet, die Ziffern „1“ und „0“ sowie Buchstaben, die, quer über alle Bilder gelesen, den Satz ergeben: „Ich habe (k)eine Vorstellung vom Krieg“. „In unserem Kulturkreis haben wir in Wahrheit keine wirkliche Vorstellung von Krieg“, sagt Künstler Peter Angerer, der diesen sechsteiligen Bildzyklus geschaffen hat. Als einer von 45 KünstlerInnen ist er am Eröffnungsabend zugegen, um sich dem Thema anzunähern, das Zukunftsängste schürt.
„Wie gehen Sie mit dem Thema Krieg um?“ Diese Frage ging der Ausstellung voran und wurde von Kurator Erwin Fiala den 45 Mitgliedern der „StyrianARTfoundation“ gestellt. Warum? „Weil Künstlerinnen und Künstler anders mit dem Thema umgehen, als es beispielsweise die Medien tun“, antwortet der Medien- und Kunstphilosoph, der u. a. an der Universität Graz Philosophie oder Architekturtheorie lehrt.
Kopf in den Sand
Während der Krieg in Bildern der Zerstörung über die Bildschirme der Fernseher und Smartphones flimmert, gehe es medial meist um die Frage „Wer gegen Wen“. „Wo ist gerade Krieg? Wer führt Krieg gegen wen, und: Wer ist in diesem Krieg der Gerechte?“ Fragen wie diese seien nicht nur paradox – sie würden auch bereits den Krieg bejahen, so Erwin Fiala.
- Kirche und Kunst: Vor einem Kreuz mit fünf stilisierten Wundmalen sprach Abt Philipp Helm vom Stift Rein bei der Eröffnung der Ausstellung „KRIEG“.
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Den Krieg gutheißen – das tut mit Sicherheit keines der noch bis 30. August ausgestellten Werke. Der Kunstschaffenden Kritik ist, entgegen dem medial gezeigten Krieg, behutsamer und auch subtil. Wer Kriegsgerät, zerschossene Gebäude oder Verwundete erwartet, wird in den beeindruckend schönen Ausstellungsräumen nicht fündig. Auf diesen Umstand weist Kurator Fiala gleich am Beginn seiner Eröffnungsrede hin.
Trotz Kriegsrhetorik oder der Flut gewaltverherrlichender Bilder wolle sich der Großteil der hierzulande nach dem Zweiten Weltkrieg Geborenen womöglich nicht mit Krieg befassen. „Mein Eindruck ist, dass in unserer Gesellschaft das Thema Krieg gemäß der Vogel-Strauß-Politik behandelt wird. Das heißt, wir wollen vom Krieg eigentlich nichts wissen – obwohl wir tagtäglich Bilder davon sehen, die mehr oder weniger unangenehm sind.“
Friede kommt nicht von allein
Dieser paradox anmutende Umstand liegt wohl auch Peter Angerers Kunstwerk zugrunde, das als sechsteiliger Bildzyklus über dem Podium wacht. „Wir bekommen täglich Kriegsbilder ins Wohnzimmer geliefert, aber eine wahre Vorstellung vom Krieg haben wir dennoch nicht.“ Hingegen müsse man, so der Künstler weiter, eine Vorstellung vom Frieden gewinnen. Denn letzterer komme nicht von allein.
Anna Maria Steiner
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In der Tradition des 1999 verstorbenen Priesters und Künstlerseelsorgers Josef Fink stehend, sollen dessen Bemühungen weitergeführt werden, Kunst in Unternehmen und KünstlerInnen in die Öffentlichkeit zu bringen.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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