Graz Don Bosco
Kein Waschlappen in Don Bosco

Die Theatergruppe fesselt und erfreut wie einst die Mitspieler des heiligen Johannes Bosco die Besucher.
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  • Die Theatergruppe fesselt und erfreut wie einst die Mitspieler des heiligen Johannes Bosco die Besucher.
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Abschied und Dank für 85 Jahre. Eine besonders rege Pfarre feiert ihren 85. Geburtstag.  Wehmutstropfen: Die Salesianer verlassen „Graz-Hl. Johannes Bosco“.

JOHANN A. BAUER

Den „Geist der Salesianer“, die Gebräuche, Gepflogenheiten und die „Philosophie von Don Bosco“ werde man weiter im Auge behalten. „Wir gehen mit Zuversicht in die Zukunft“, verspricht zum Beispiel das Pfarrgemeinderatsmitglied Gerald Koß von Don Bosco („Steirer mit Herz“, Seite 6). „Den Rest werden wir sehen“, meint er: „Okay, es ist, wie es ist; es ist einfach Veränderung, und wir werden das Beste daraus machen.“
Die „Veränderung“ wird am 23. August um 9 Uhr mit einem Dank- und Abschiedsgottesdienst in Graz-Don Bosco gefeiert. Die Salesianer Don Boscos verlassen offiziell die Pfarre, die sie 85 Jahre lang am blühenden Leben erhalten haben; sie war 1935 errichtet worden. Die ursprüngliche, später erweiterte Kirche war ein ehemaliger Pulverturm.
An die „sehr rege Pfarre“ mit „vielen wertvollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ und die Jugendarbeit denkt etwa der Salesianer P. Hans Randa zurück. Der 71-Jährige war bis 2002 Pfarrer in Graz und leitet jetzt im niederösterreichischen Unterwaltersdorf den Schulverein der Salesianer Don Boscos und ist Hausdirektor. Der bisherige Provinzial P. Petrus Obermüller hat die Grazer Niederlassung bereits im Vorjahr, am 30. April 2019, kirchenrechtlich geschlossen und erklärt: „In den letzten Jahrzehnten wurde die Besetzung dieser Pfarre durch Salesianer immer schwieriger.“ Der neue Provinzial P. Siegfried Kettner wird jetzt den Dankgottesdienst leiten.
Ob der Name wenigstens bleiben werde, hatten anfangs Menschen Sorge; auch der Bahnhof nahe der Kirche etwa heißt „Don Bosco“. Großes Aufatmen bescherte vielen, als sie hörten, der bisherige Pfarrer P. Helmut Rodosek werde in Graz bleiben, offiziell nicht mehr als Mitglied der Kongregation der Salesianer Don Boscos, sondern als „Weltpriester“ (vor wenigen Tagen wurde die „Inkardinierung“ in die Diözese Graz-Seckau unterschrieben).
Die Qualität der Pfarre Don Bosco machen die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Für die „sehr lebhafte“ und „sehr wachsende Pfarre“ (so Mitarbeiter Klaus Hutter) haben sie 2015 ein Pastoralkonzept 2025 formuliert und mit dem Zukunftsbild der Diözese abgestimmt. Eine große Herausforderung bilden etwa die neuen Wohnungen in den Reininghaus-Gründen oder der Feldgasse; bis zu 18.000 Menschen könnten bald im Pfarrgebiet leben.
„Ein Magnet ist das Jugendzentrum“, berichtet P. Rodosek, der es einst leitete. Er war bereits in Don Bosco aufgewachsen (geboren am 9. Mai 1948) und zunächst Werkzeugmacher. Er wirkte in Lehrlingswohnheimen in Graz, Linz und Landeck. Bewusst war er lange Diakon, doch viele Gläubige und auch seine Oberen ermunterten ihn, sich zum Priester weihen zu lassen. Sein Primizspruch war aus dem Evangelium vom Sturm auf dem See: „Habt keine Angst, fürchtet euch nicht!“ Der Priester übersetzt: „Seid keine Waschlappen, sagt Jesus.“

Warum ich als Salesianer zum Diözesanpriester werde
„Wie geht es jetzt?“, werde ich oft gefragt. Mein Gott, es geht natürlich weiter. Für die Pfarre Graz-Don Bosco bedeutet es sicher einen Einschnitt, dass auf einmal kein Salesianer mehr da ist.
Ich möchte einmal vorerst als Pfarrer hier in Graz-West bleiben. Für mich ist wichtig, dass ich als Seelsorger tätig sein kann. Daher habe ich in Rom angesucht, dass ich aus der Gemeinschaft der Salesianer austreten und als „Weltpriester“ in die Diözese wechseln kann.
Warum ich zum Diözesanklerus übertrete? Bei den Salesianern Don Boscos ist es so, dass die Pfarren immer mehr zurückgelegt werden, auch voriges Jahr in Linz und vorher in Vöcklabruck, Klagenfurt … Das ist nicht etwas, was mir behagt. Der heilige Johannes Bosco hat sehr viel Wert auf die Pfarren gelegt. Bei den Salesianern Österreichs sind jetzt eher Internate und Schulen vorrangig. Ich möchte Pfarrseelsorger bleiben. Der Orden und auch Rom haben meinem Schritt zugestimmt. Mein Herz hängt an dieser Pfarre. Gerade habe ich die Präsentation am Schluss unseres Ferien-Zauberkurses miterlebt. Die Eltern waren stolz, was ihre Kinder gelernt haben. Mit Konzert (Blas­orchester), Theatergruppe und Zaubern setzen wir die Tradition des Jugendheiligen fort. „Ein Haus ohne Musik ist wie ein Körper ohne Seele“, sagte er.
Was der Heilige jetzt predigen würde? „Lasst euch nicht entmutigen. Es geht weiter.“ Er würde schauen, dass weiterhin gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen da sind und neue (zu den derzeit 300) dazukommen, für die neuen Herausforderungen.
Wir sind kein Jammertal. Wir blicken voll Zuversicht in die Zukunft. Die Leute sind dankbar für die Zeit und den Einsatz der Seelsorger. Die Salesianer werden schon fehlen. Zeitweise waren bis zu fünf Patres da. Jeder hat sein Herzblut hineingegeben. Sie waren mit den Menschen für die Menschen da, vor allem bei den Kindern und Jugendlichen.

Messe und Agape
Die Pfarre Graz-Don Bosco lädt am 23. August um 9 Uhr zu Dankgottesdienst und Abschiedsfest „85 Jahre Salesianer Don Boscos in Graz“.

Wie Christbäume behängt?
Mitarbeiter gewinnen – aus dem Konzept von Graz-Don Bosco.

Jugend, Soziales und mehr stehen im Brennpunkt des „Pastoralkonzeptes 2025“. Es wurde 2016 vom Pfarrgemeinderat „Graz-Hl. Johannes Bosco“ überarbeitet. Als Beispiel „Tipps“ und Kriterien zur Motivierung von Mitarbeitenden:
Motivieren: Ich kann mich erst dann mit einer Sache identifizieren und auf sie einlassen, wenn ich die Gründe erkannt habe, weshalb mein Handeln sinnvoll ist.
Die eigene Entscheidung: Wichtig ist auch die Frage nach der Begabung und persönlichen Neigung des zukünftigen Mitarbeiters. Dabei wird sensibel auf die Bedürfnisse reagiert und auch Zeit gelassen, dass etwas wachsen kann – Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hineinwachsen können.
Klare Aufgabenbeschreibung: Der Zeitaufwand, den eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter aufbringen kann bzw. will, muss freiwillig und selbstbestimmt sein.
Keine Überforderung: Weniger ist oft mehr! Man spricht auch vom „Christbaum-Prinzip“: Er wird immer mehr behängt, und vor lauter Schmuck sieht man am Ende keinen Baum mehr. Arbeiten im Team kann dem entgegenwirken. Jeder soll immer die gleichen Informationen erhalten … Zuwenig oder ungenaue Informationen und unkollegiales Verhalten sind oft ein wichtiger Grund, dass manche bald wieder „das Handtuch werfen“. Vor jeder Leistung steht immer die Person, die ein Anrecht auf Verständnis hat.
Mitarbeiter und keine Helfer: Dies soll eine Grundhaltung und den Umgangsstil ausdrücken. „Helfer“ leisten Handlangerdienste. Mitarbeiter dagegen sind verantwortliche Partner … Auf der Ebene der Information: im Klartext reden; Kontakte und Austausch durch gemeinsame Zusammenkünfte und Ausflüge pflegen; Konkurrenzsituationen abbauen; zu schöpferischem Arbeiten ermuntern. Wichtig ist, dass man bemüht ist, immer menschlich zueinander zu finden, bzw. bei natürlich auftretenden Spannungen mit Klugheit und Humor die Situation entkrampft … Man muss den Mitarbeitern das Recht zugestehen, Fehler zu machen. Wenn sich herumgesprochen hat, dass man in der Pfarre selbstständig arbeiten kann, werden sich leichter neue Mitarbeiter finden lassen. Eine besondere Gefahr ist das Konkurrenzdenken. Deshalb ist es wichtig, die jeweils eigene Aktivität in das Gesamtengagement der Pfarrgemeinde zu integrieren.
Mitarbeit soll Spaß machen. Bei aller Mühe soll sie auch Freude bereiten: über neue Bekanntschaften, über gemeinsame Erfolge, Freude, etwas Sinnvolles zu tun. Erfolge müssen auch gefeiert werden.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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