Kirche Steiermark
Ein Büschel Segen
- Gabe, Heilung, Wohlgeruch. Das Binden von Kräuterbüschel in der Gruppe stärkt Gemeinschaft und fördert Brauchtum. Nach der Weihe am 15. August werden die Sträußerl im Haus, Hof oder Stall aufbewahrt. Sind sollen gesundheitsfördernd sein und Segen bringen.
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Kräutersträußchen: An Mariä Himmelfahrt gesegnet und verschenkt, sollen sie Gutes bringen.
Einige durchforsten dafür ihren Garten, andere Wiesen oder Bachufer, und manche wandern sogar auf die Alm, um wohlriechende Pflanzen für die Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt zu finden.
Am 15. August ist es wieder soweit. In vielen steirischen Seelsorgeräumen werden nach dem Gottesdienst zur „Aufnahme Mariens in den Himmel“ auch heuer wieder gesegnete Kräuterbüschel verschenkt oder für den guten Zweck verkauft.
Vielfalt erwünscht. Brocken, binden, segnen lassen. So manche Pflanze im Kräuterbüschel duftet und erinnert an eine Legende über die Muttergottes. Demnach soll den Aposteln beim Öffnen von Mariens Grab nicht Verwesungsgeruch, sondern wunderbarer Duft entgegengeströmt sein. „Maria gilt ja in der christlichen Tradition als die schönste Blüte der Schöpfung“, weiß der Theologe Karl Veitschegger. Als „Rose ohne Dornen“ oder „Lilie ohnegleichen“ besungen, sind viele Blumen oder Kräuter nach ihr benannt: Mariendistel, Frauenmantel, Gänseblümchen (englisch „Mary-Love“) – bis hin zum Marien- oder Frauenzepter.
Die Kräuterweihe selbst ist in Europa seit dem Mittelalter nachgewiesen. Einheitliche Vorgaben, welche Pflanzen dazu gebunden werden, gibt es aber nicht. Oft werden heute Gewürz- und Heilkräuter verwendet, die als natürliches Mittel zur Vorbeugung, Linderung oder Heilung von Beschwerden gelten oder symbolisch aufgeladen sind. So etwa steht Johanniskraut für Schutz und Trost, Schafgarbe für Heilung und Widerstandskraft. Beifuß soll Schutz auf Reisen bringen, Salbei Reinigung und Weisheit. Pfefferminze steht für Erfrischung oder Lebensfreude, und Dost – der wilde Oregano – für Schutz. Kamille soll Frieden fördern, Lavendel Ruhe und Harmonie. Thymian bringt Kraft und Mut, und die Ringelblume steht für Heilung und die Sonnenkraft. Das bei uns als „Königskerze“ bekannte Frauenzepter symbolisiert Würde und den Schutz Mariens und bildet oft den Mittelpunkt des bunten Strauß’.
Von 7 bis 77. Kein Zufall ist auch die Anzahl der Kräuter, die gebunden werden. So enthält ein traditioneller Buschen meist sieben Arten – in Anspielung an die sieben Schöpfungstage. Besteht er aus neun verschiedenen Kräuten, symbolisiert er mit „drei Mal drei“ Vollkommenheit, und ein Strauß aus zwölf verschiedenen Pflanzensorten spielt auf die zwölf Apostel an. Ganz besonders große Fülle zeigt ein Büscherl, das aus 77 oder 99 Kräuterarten besteht.
In der Steiermark sind Kräuterbüschel an Mariä Himmelfahrt meist ein buntes Potpourri aus Heilkräutern, Blumen und Getreideähren. Sie verbinden Naturwissen und Glauben mit regionalem Brauchtum. Und nicht zuletzt steht jedes Kräuterbüscherl auch für Zuneigung und Freundschaft gegenüber jenem Menschen, den man damit beschenkt.
Anna Maria Steiner
Pflanzen im Kräuterbüschel
Anzahl und Art der Kräuter variieren regional. Beliebte Mitte bildet oft das Marienzepter (Königskerze), umgeben von Eibisch, Wermut, Beifuß, Johanniskraut, Schafgarbe, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut, Alant, Arnika, Pfefferminze oder Augentrost.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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