Kirche Steiermark
Glaube statt Werte?

An der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz wurde diskutiert, welche Kräfte Demokratie und Gesellschaft zusammenhalten. | Foto: J. Platzer
  • An der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz wurde diskutiert, welche Kräfte Demokratie und Gesellschaft zusammenhalten.
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Über die Rolle des Christentums in einer pluralen Gesellschaft.

Unter dem Titel „Vom Wert des Glaubens. Die Rolle des Christentums in pluraler Gesellschaft“ diskutierten Fachleute aus Theologie und Religionssoziologie am 13. November an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack zeigte sich skeptisch gegenüber der gesellschaftlichen Relevanz von Religion. Studien belegten, dass heute vor allem die Wirtschaft für Zusammenhalt sorgt. Religion werde nur noch für religiöse Fragen anerkannt, nicht für moralische oder gesellschaftliche Orientierung. Die Kirche solle sich daher auf ihre Stärken wie Einsatz für Schwache und Ehrenamt konzentrieren und autoritäres Auftreten vermeiden.

Regina Polak, Pastoraltheologin in Wien, verwies auf die Studie „Was glaubt Österreich?“: Der Glaube an einen persönlichen Gott sei auf einem Tiefpunkt, Religion liege bei moralischen Entscheidungen fast am Ende der Rangliste. Sie warnte vor einer Instrumentalisierung des Wertebegriffs, der oft zur Abgrenzung gegenüber Minderheiten führe.

Ulrich Körtner, evang. Theologe, fragte: „Was hält unsere Demokratie zusammen?“ Gemeinsame Werte oder Leitkultur seien nicht entscheidend, da sie häufig „Andere“ ausschließen. Das Christentum könne dennoch Bindekraft entfalten – über den Glauben an Christus. Er sprach von einem „Dreiklang“ christlicher Verantwortung: Freiheit, Gebet für das Gemeinwesen und die Bereitschaft, „der Stadt Bestes zu suchen“.
Die Diskussion im Rahmen der Reihe „Moraltheologie aktuell“ machte deutlich: Religion wirkt nicht mehr automatisch verbindend. Die Kirche müsse durch glaubwürdiges, solidarisches Auftreten gesellschaftlich relevant bleiben und ihre Botschaft so vermitteln, dass sie auch außerhalb kirchlicher Räume verstanden wird, ohne dabei aber politisch instrumentalisiert zu werden.

Johann Platzer

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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