Kirche Steiermark
Ehrenamt am Gottesacker

Ob einfach zugänglicher Rasen, enge Grünflächen zwischen den Gräbern oder hohes Gras und Heu: Ehrenamtliche wie Anton Feichtenhofer und Christine Klimacsek pflegen die Friedhöfe ihrer Pfarren und sorgen für Rasenpflege rund um die letzten Ruhestätten. | Foto: Steiner
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  • Ob einfach zugänglicher Rasen, enge Grünflächen zwischen den Gräbern oder hohes Gras und Heu: Ehrenamtliche wie Anton Feichtenhofer und Christine Klimacsek pflegen die Friedhöfe ihrer Pfarren und sorgen für Rasenpflege rund um die letzten Ruhestätten.
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Friedhofspflege. Wo der Verstorbenen gedacht wird, ist ihr Betätigungsfeld: ehrenamtlich Tätige auf Friedhöfen.

Er: Anfang fünfzig und im Erwerbsleben. Sie: seit kurzem in Pension, aber kein bisschen müde. Was Anton Feichtenhofer und Christine Klimacsek verbindet, ist zweierlei: ihr Faible für die Imkerei sowie das Ehrenamt am Friedhof. An einem heißen Tag im Juni treffen die beiden erstmals aufeinander – die Einladung zum Gespräch über die Friedhofspflege hat sie zum Treffpunkt in der Pfarre Rein geführt.

200 Stunden Minimum
Dem Händeschütteln folgt ein Lächeln, und schon im nächsten Moment wird fachgesimpelt, dass Zuhörer ins Staunen kommen. So an die 3000 Quadratmeter würde sie messen, die Fläche, die es am Pfarrfriedhof St. Oswald zu mähen gebe, antwortet Christine Klimacsek auf die Frage nach der Größe „ihres“ Gottesackers. Dessen Hanglage erschwere die Rasenpflege zusätzlich, sagt sie und beginnt, die Arbeitsstunden auszurechnen. Meist mähen an die zehn, elf Ehrenamtliche im Verbund. Einer von ihnen würde schon am Vormittag die großen Freiflächen bearbeiten, anschließend den Traktor holen, den Grünschnitt auf dem Hänger sammeln, um ihn nach getanem Werk abends ins Abfallzentrum zu transportieren. Rechne man die Arbeitszeit der übrigen neun bis zehn Personen auf und multipliziere das mit sechs bis sieben Mähgängen pro Jahr, sind es an die 200 Stunden, die im Dienste der Öffentlichkeit verrichtet werden.

Im Geiste addierend, nickt Anton Feichtenhofer seiner Kollegin zu. Auch in der Pfarre Rein laufe die Pflege der Grünflächen rund um die Gräber ähnlich ab, sagt er. Allerdings sei man – im Gegensatz zum seit Mitte der 1980er-Jahre bestehenden Mähteam von St. Oswald – in Rein erst dabei, eine solche Gruppe aufzubauen. Bis vor kurzem hatte ein Ehepaar die Friedhofspflege über sowie das In-Ordnung-Halten der Müllgrube für Blumen, Kränze und den Grünschnitt. Als das mehrmalige Hinabsteigen pro Woche in die Müllgrube altersbedingt nicht mehr gut möglich war, trat Anton Feichtenhofer auf den Plan. Das PGR-Mitglied organisiert seit letzten Herbst nun sieben Freiwillige, die am Reiner Friedhofsareal mähen. „Zwei Ehepaare, zwei Damen und ich“, erklärt er. Und auch in Rein gebe es jemanden, der vorbereitend auf die Gemeinschaftsmahd zuerst die großen Flächen mähe.

Ehrenamt und Wertschätzung
Christine Klimacsek, Anton Feichtenhofer und ihre tatkräftigen KollegInnen gehören zur großen Gruppe jener Menschen, die ehrenamtlich tätig sind. In Österreich leisten knapp 50 Prozent der über Fünfzehnjährigen Freiwilligenarbeit in irgendeiner Form. Doch nicht immer wird diese Arbeit auch wertgeschätzt. Auf die Frage nach „Dank und Anerkennung“ müssen die beiden Friedhofspfleger schmunzeln. Viele würden sich bedanken, sagt Anton Feichtenhofer. Auch Trinkgeld gebe es mitunter für die Arbeit am Friedhof in St. Oswald, sagt Christine Klimacsek. Doch auch „Beschwerden“ habe sie vernommen – meist in kaum nachvollziehbaren Fällen. Etwa, wenn beim Trimmen einzelne Grashalme an der Steinumrandung kleben bleiben oder ein Büscherl Gras beim Mähen übersehen worden sei. Viele würden nicht wissen, dass vielerorts die Grünflächenpflege unentgeltlich und von Ehrenamtlichen erledigt würde. Denn nicht immer sei mit der Grabgebühr auch automatisch die Grünflächenpflege abgegolten.

Zusammenarbeiten und Beisammensein
Kritische Stimmen werde es immer geben, meint Christine Klimacsek. Umso wichtiger sei, dass die Tätigkeit allein schon Freude mache. Wer die pensionierte Briefträgerin erzählen hört, merkt, dass sie den Friedhof wie den eigenen Garten behandelt. „Ich finde, es ist eine schöne Arbeit, dazu beizutragen, dass dieser öffentliche Ort ansehnlich ist und ein Gesicht bekommt“, sagt auch der Ehrenamtliche aus Rein.
Ebenso wichtig wie die Arbeit sind für die Pfarrgemeinderätin und ihren Kollegen der Austausch und das Beisammensein mit Gleichgesinnten in der Gruppe. „Unsere Zusammenkünfte sind mehr als nur gemeinsames Friedhof-Mähen“, sagt Klimacsek. „Seit Jahren verbindet uns eine Gemeinschaft, die auch Anlässe wie Geburtstage zusammen feiert.“ Das Trinkgeld, das spendable FriedhofsbesucherInnen geben, kommt deshalb in die Gemeinschaftgskasse. Geteilt durch die Anzahl der Gruppenmitglieder erhält jeder und jede dann ein kleines Präsent am Ehrentag.

Mähen und mehr
Einmal pro Jahr lade die Pfarre auch zum Backhendl-Essen ein, ein weiteres Mal spendiert die Gemeinde ein Essen. Umgekehrt richte das Mähteam regelmäßig Pfarrcafés aus, deren Erlös etwa der Kirchenrenovierung zugute komme.
Zu sehen, wie ein Ehrenamt Menschen zusammenbringt, bereitet Freude – das leben die ehrenamtlichen Grünflächenpfleger vor. Beide sind schon als Kinder gern an jenem Ort gewesen, wo der Verstorbenen gedacht wird und auch Lebende zur Ruhe kommen können. Die vielen Stunden, die sie pro Jahr am Gottesacker sind, würden den Blick aufs Leben ebenso verändern wie auf das Sterben, sagen sie. An diesem Ort werde der Kreislauf von Mensch und Natur gut veranschaulicht.

Lobpreis und Fürsorge
Am Schluss ihrer Zusammenkunft am Friedhof Rein äußern Christine Klimacsek und Anton Feichtenhofer noch einen Wunsch: Es wäre schön, wenn sich genügend Menschen fänden, denen, wie ihnen, der Ort der letzten Ruhe am Herzen läge – Menschen jeglichen Alters, die das Grün rund um die Gräber liebevoll pflegen würden: im Gedenken an diejenigen, die schon vorausgegangen sind sowie als Lobpreis an die Schöpfung, die ihre Schönheit an so manchem Gottesacker zur Entfaltung bringt.

Anna Maria Steiner

Rund um den Friedhof
Hotline der Diözese Graz-Seckau:
Mo–Fr, 9–12 Uhr
Tel: 0316/8041 802
Anfragen Ehrenamt SR Rein:
Josef Opetnik
Tel. 0676/8742 2534
josef.opetnik@graz-seckau.at

Ob einfach zugänglicher Rasen, enge Grünflächen zwischen den Gräbern oder hohes Gras und Heu: Ehrenamtliche wie Anton Feichtenhofer und Christine Klimacsek pflegen die Friedhöfe ihrer Pfarren und sorgen für Rasenpflege rund um die letzten Ruhestätten. | Foto: Steiner
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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