Segnung für gleichgeschlechtliche Paare
Das letzte Wort?

Kein grünes Licht gab die Vatikanische Glaubenskongregation für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare.
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Das Nein zur Segnung für gleichgeschlechtliche Paare hat viele Diskussionen ausgelöst.

Die Vatikanische Glaubenskongregation hat Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eine klare Absage erteilt. Die Kirche habe nicht die Vollmacht, Beziehungen außerhalb der Ehe, einer unauflöslichen Verbindung von Mann und Frau, einen Segen zu erteilen. Auch die durchaus positiven Elemente gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, „die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind“, rechtfertigten keine solchen Segensfeiern. Die Glaubenskongregation bejaht eine seelsorgliche Begleitung homosexueller Personen. Ein offizieller Segensakt könne aber nicht zugelassen werden, weil solche Verbindungen dem göttlichen Willen widersprächen.

Kurienkardinal Kevin Farrell, Leiter der Vatikanbehörde für Ehe, Familie und Leben, betonte in diesem Zusammenhang, wie wichtig der Kirche das Ehesakrament sei. Da Segnungen eines Paares in Beziehung zum Ehesakrament stünden, dürfe man nicht zulassen, dass Missverständnisse aufkommen. Die Kirche bleibe aber grundsätzlich offen für Menschen jeglicher sexueller Orientierung. In der Kirche gebe es weltweit Programme, Organisationen und Bewegungen, die seit Jahren mit gleichgeschlechtlichen Paaren arbeiten und dies auch weiterhin tun werden.

In Seelsorge und Theologie, gerade auch im deutschen Sprachraum, hat die vatikanische Entscheidung heftige Diskussionen, Kritik und auch Unmut hervorgerufen. Enttäuscht zeigten sich auch der Steirische Diözesanrat und Bischof Wilhelm Krautwaschl (Stellungnahme bei der Sitzung des Diözesanrates). Dass das Nein aus dem Vatikan nicht das letzte Wort der Kirche in dieser Frage sein werde, hofft die Katholische Aktion Österreichs. Dazu deren Präsident Leopold Wimmer: Der Schutz des Ehesakramentes zwischen Mann und Frau werde nicht gelingen, indem man andere Beziehungsformen abwertet und homosexuellen Menschen mit diskriminierenden Regeln entgegentritt.

Für Ernest Theußl, den Vorsitzenden der Katholischen Männerbewegung Österreichs, handle es sich um eine „nicht mehr zeitgemäße Selbstüberschätzung des kirchlichen Lehramtes“. Es könne zu homosexuellen Verbindungen unterschiedliche Haltungen geben. Die Kirche sollte aber nichts mit der Lehramtskeule vom Tisch fegen, sondern mit allen im Gespräch bleiben.

In der Bibel, auch in den großen Gesetzessammlungen des Alten Testamentes, ließe sich kein geschlossenes Verbot der Homosexualität finden, erklärte die Grazer Alttestamentlerin Irmtraud Fischer. Dass das Lehramt „immer, wenn es um das Geschlecht geht“, fundamentalistisch argumentiere, sei für sie ein „Armutszeugnis“.

Entsprechend der menschenfreundlichen Pastoral, die Papst Franziskus im Schreiben „Amoris laetitia“ skizziert, werde in der Seelsorge weiterhin all das in den Blick zu nehmen sein, was den LSBTIQ*-Personen in ihren Lebensrealitäten gerecht wird und hilft, betonte in einer Aussendung Franz Harant, der Leiter der RegenbogenPastoral Österreich. Er freue sich über die Aussage von „Familienbischof“ Hermann Glettler, dass es diesbezüglich noch viel zu lernen gebe und mehr Offenheit nötig sei. Dass die Glaubenskongregation mit einem nur „knappen“ Nein den Stand der kirchlichen Lehre wiedergibt, sei für ihn ein Zeichen, dass hier eine Weiterentwicklung möglich ist.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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