Caritas mahnt zum Handeln
Afghanistan: Beten

Afghanistan heißt für viele jetzt nur: Flucht. Manche fliehen innerhalb des Landes vor den radikalislamistischen Taliban, viele nach Pakistan.
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Nach der Eroberung der Macht in Afghanistan durch die Taliban hoffen manche auf eine friedliche Lösung. Die Angst ist größer.

Die radikalislamischen Taliban „rücken mit raschem Tempo vor und nehmen Städte und Regionen ein, auch die Hauptstadt Kabul steht demnach vor dem Fall“. Derweil „arbeiten zahlreiche Länder unter Hochdruck daran, ihre Staatsbürger aus Afghanistan auszufliegen“. So meldete Kathpress am 15. August. Titel war, nach dem Angelusgebet in Rom: „Papst dringt auf Waffenruhe und Verhandlungen in Afghanistan.“
Nur wenige Stunden, und Kabul fiel tatsächlich. Österreichs Caritaspräsident Michael Landau mahnte zu sofortigem humanitärem Handeln. Die Lage in Afghanistan „duldet kein Aufschieben mehr“. Vor allem die umgebenden Länder brauchen Unterstützung. Landau formulierte: „Wir dürfen diese Länder nicht alleinlassen. Europa darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen. Wir müssen jetzt handeln.“ (Die Caritas bittet um Spenden. IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Flüchtlingshilfe Afghanistan).
„Wir müssen weiter dafür beten, dass die Dinge friedlich gelöst werden“, hob der in Afghanistan lebende Ordensmann Giovanni Scalese hervor. Er hofft auf eine friedliche Lösung in der Hauptstadt Kabul. Die Taliban seien ohne Gewalt einmarschiert, und es gebe Aussicht auf eine Übergangslösung. Scalese leitet die von Papst Johannes Paul II. gegründete „autonome Mission“ in Afghanistan. Der 66-jährige Barnabitenpater, der einem Bischof gleichgestellt ist, bedauerte, die Bevölkerung leide sehr unter der Situation. Staatspräsident Ashraf Ghani ist aus dem Land geflohen, die radikalislamischen Taliban erklärten nach der Einnahme Kabuls die Kämpfe für beendet.
„Wir arbeiten ja nicht für die Taliban“, begründete Stefan Recker, warum die Caritas Hilfsprojekte in Afghanistan weiterführen wolle. Er leitet das Kabul-Büro des deutschen Caritas-Hilfswerk „Caritas international“. Die Caritas arbeite „für die Landbevölkerung, für die armen Menschen hier, für marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie Frauen und Kinder, wie Drogenabhängige“. In der Hauptstadt liegen die Hilfsprojekte derzeit auf Eis, in den Provinzen laufen sie „noch ein bisschen weiter“. Laut Recker haben die Taliban die Caritas international aktiv gebeten, die Maßnahmen in den Provinzen fortzusetzen. Da habe er „sehr gute Signale von den Taliban bis jetzt gehört“.

Abwarten, wer das Sagen hat
Der Leiter des deutschen Caritasbüros rechnet mit einer friedlichen Machtübernahme. Offen sei jedoch, was danach geschehe. Unter den Taliban gebe es sowohl moderate als auch radikale Strömungen. Da müsse man „mal gucken, wer sich durchsetzt und wer im Endeffekt das Sagen hat“. Er persönlich werde nicht bedroht und sehe das auch nicht auf sich zukommen. Sorgen mache er sich um die afghanischen Mitglieder der Organisation.
Caritaspräsident Landau appellierte an die österreichische Regierung, die Praxis der Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen. Sie seien derzeit menschenrechtlich keinesfalls vertretbar. Österreich sei ein Rechtsstaat. Es sei auch „ein guter Zeitpunkt, die Erhöhung der Mittel für Entwicklungshilfe laut Regierungsabkommen auf 0,7 Prozent umzusetzen“. Nothilfe und Betreuung der Flüchtlinge seien gefordert.

JOHANN A. BAUER

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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