Vielfaches Leid

Maria mit dem Schwert, das durch ihre Seele dringt, und mit dem toten Jesus in ihrem Schoß. Darstellung in der Grazer Pfarrkirche Mariahilf.
  • Maria mit dem Schwert, das durch ihre Seele dringt, und mit dem toten Jesus in ihrem Schoß. Darstellung in der Grazer Pfarrkirche Mariahilf.
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Die Sieben Schmerzen Mariens fassen Leiderfahrungen aus dem Leben vieler zusammen. Zum Gedenktag am 15. September.

Mitte September, am 14., feiert die Kirche das Fest der Kreuzerhöhung. Es lädt ein, auf den Liebenden und Leidenden am Kreuz zu schauen. Entstanden ist das Fest als bleibendes Gedächtnis an die feierliche Aufstellung des aufgefundenen Kreuzes auf dem Golgotha-Felsen im Bereich der heutigen Jerusalemer Grabeskirche.
Einen Tag später schauen wir auf Maria unter dem Kreuz. Viele Bilder zeigen sie mit ihrem toten Sohn Jesus Christus am Schoß. Wir nennen diese Bilder „Pietà“ oder „Vesperbild“. Andere Bilder zeigen sie mit einem Schwert, das ihr Herz durchbohrt. Zu Maria können wir aufschauen in den Leiden, die uns bedrängen. Die christliche Andacht meditiert „Sieben Schmerzen“ Marias. So heißt auch der Gedenktag am 15. September.

1. Die Weissagung Simeons. „Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen“, sagt der lebenserfahrene Simeon zu Maria, die ihr Baby Jesus in den Tempel gebracht hat. Botschaften, Nachrichten, Aussichten oder Dia-gnosen, die wir bekommen, können wehtun.

2. Flucht nach Ägypten. Das Schicksal der Flucht betrifft unzählige Menschen. Viele werden in ihrer Heimat verfolgt. Aber auch ihr Aufbruch ins Ungewisse kann mit Ablehnung enden oder gar im stillen Grab des Mittelmeers. Damals war Herodes der Kindermörder, heute sind es Hunger und Ausbeutung, denen so viele Kinder zum Opfer fallen.
3. Der zwölfjährige Jesus im Tempel. Der Sohn geht seinen eigenen Weg. Das muss so sein, tut aber weh. Entfremdung ist schmerzlich. Manchmal trennt sie, was zusammengehört. Manchmal ist sie notwendig für die Freiheit, die jeder Mensch braucht. Manche Menschen leiden auch unter der Entfremdung ihrer Lieben vom Glauben.

4. Jesus begegnet am Kreuzweg seiner Mutter. Nicht helfen zu können schmerzt oft besonders. Ans Bett gefesselt, ein Pflegefall, ein Schicksalsschlag – wir leiden mit, können die Sache aber nicht ändern. Maria ist nicht davongelaufen. Das hat Jesus geholfen.

5. Jesus stirbt am Kreuz. Es kann schön sein, einen lieben Menschen im Sterben zu begleiten. Es kann aber auch schrecklich wehtun, mitansehen zu müssen, wie einer gehen muss, im Fall Jesu unschuldig verurteilt. Maria nimmt vom Kreuz ein Wort ihres sterbenden Sohnes mit: „Siehe, dein Sohn!“ Bis heute können die Jüngerinnen und Jünger Jesu sie wie eine Mutter anrufen.

6. Maria mit dem toten Jesus. Das Bild der Pietà: Maria bleibt Mutter, über den Tod
hinaus. Das Bild Marias, die den toten Jesus in ihren Armen hält, wird zur Identifikationsfigur für viele Leidenden.

7. Jesus wird ins Grab gelegt. „Immer noch besser, wenn die Söhne der Mutter ins Grab nachschauen müssen, als umgekehrt“, sagte mir eine Bekannte beim Begräbnis meiner Mutter. Abschied tut immer weh. Auch im Schmerz des Abschiednehmens können wir zu Maria aufschauen und uns von ihr begleitet wissen.

Herbert Messner

Dass ich bin, wie ich bin
Gebete für „unerträgliche Tage“ hat Antje Sabine Naegeli formuliert.

Ich bin schwach. Ich kann mein Leben nicht aus eigener Kraft bewältigen. Aber ich darf Gottes Kraft erfahren, darum muss ich mich nicht mehr auflehnen. Ich kann mein Schwachsein annehmen.
Ich bin verletzbar. Ich kann mich nicht unberührt darüber hinwegsetzen, wenn ich Ablehnung und Unrecht erleide. Aber ich darf Gottes heilende Gegenwart erfahren; meine Verletzungen verlieren ihr Schwergewicht. Ich kann mich wieder auf Menschen einlassen.
Ich mache mich schuldig. Ich versage immer wieder, obgleich ich in allem leben möchte, wie Gott es will. Aber Er lässt mich spüren, dass Er einen langen Atem hat, darum muss ich nicht an mir verzweifeln. Ich kann Geduld mit mir haben.
Ich bin voller Zweifel. Ich falle immer wieder ins Misstrauen zurück. Aber Gottes Heiliger Geist überwindet meine Grenzen, und ich darf Schritte des Vertrauens tun, wo ich es gar nicht erwartet habe. Ich kann mein Misstrauen an Gott abgeben.
Ich wünsche mir oft, anders zu sein, als ich bin. Aber so, wie ich bin, erfahre ich: Ich bin des Herrn bedürftig. Meine Mängel sind das Gefäß, in dem Er sich mir schenkt.
Darum danke ich Ihm, dass ich bin, wie ich bin.

Aus: Antje Sabine Naegeli, Du hast mein Dunkel geteilt, Herder

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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